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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Saint-Ouen - Saint-Pierre.

Saint-Ouen (spr. ssängt-uäng oder -uāng), 1) (S. l'Aumône) Dorf im franz. Departement Seine-et-Oise, Arrondissement Pontoise, an der Oise und der Nordbahn, mit (1881) 1669 Einw., schönem Schloß, alter Kirche, Eisen- und Kupfergießerei und Resten der berühmten Abtei Maubuisson, welche 1236 von Blanka von Kastilien gegründet wurde, zahlreiche Grabmäler der kapetingischen Königsfamilie enthielt, während der Revolution aber zerstört wurde. - 2) (S. sur Seine) Flecken im franz. Departement Seine, Arrondissement St.-Denis, nördlicher Vorort von Paris am rechten Ufer der Seine, an der Nordbahn und dem Tramway Paris-St. Denis, hat ein Schloß mit schönem Park, zahlreiche Villen, Fabrikation von Kautschuk, Wachsleinwand, künstlichem Eis, Eisengußwaren, Färberei, Töpferei, Schiffbau, einen Hafen, welcher durch einen absperrbaren Kanal mit der Seine in Verbindung steht, und zu welchem ein Flügel der Pariser Gürtelbahn führt, große Docks und (1886) 21,270 Einw. - S. war das alte Sancti Audoëni fanum. Hier erließ Ludwig XVIII. 2. Mai 1814 seine Proklamation, in welcher er Frankreich eine Verfassung versprach. Die Geschichte der Stadt schrieben Giry (1878) u. Deschamps de Pas (1881).

Saint Paul (spr. ssent pōl), engl. Insel im Indischen Ozean, unter 38° 43' südl. Br. und 77° 31' östl. L. v. Gr., Station für Walfischfänger.

Saint-Paul (spr. ssäng-poll), 1) S. de Fenouillet, Stadt im franz. Departement Ostpyrenäen, Arrondissement Perpignan, am Agly, mit Mineralquellen, Fabrikation von Drechslerwaren und (1881) 2264 Einw. Nördlich davon eine Grotte (St.-Antoine de Galamus), zu welcher an den Pfingsttagen zahlreiche Pilger wallfahren. - 2) Stadt auf der franz. Insel Réunion im Indischen Ozean, an der Westküste, früher eine Zeitlang Sitz der Regierung, mit vortrefflicher Reede, Schwurgericht, Kaserne, Hospital, Gefängnis und (1885) 28,691 Einw. - 3) (spr. ssent pol) Hauptstadt des nordamerikan. Staats Minnesota am Mississippi, 14 km unter den Fällen von St. Anthony, erst 1840 angelegt, hat ein Staatenhaus, ein Arsenal, ein Opernhaus und ein Athenäum (Klub), eine Besserungsanstalt, zahlreiche Korn- und Sägemühlen, lebhaften Handel und (1886) 111,397 Einw.

Saint-Paulien (spr. ssäng-polĭang), Stadt im franz. Departement Oberloire, Arrondissement Le Puy, mit römischen Altertümern (von der gallischen Stadt Evessio), alter Kirche und (1881) 1488 Einw.

Saint-Paul les Dax (spr. ssäng-poll lä dacks), Flecken im franz. Departement Landes, mit Dax (s. d.) westlich zusammenhängend, hat eine gotische Kirche mit romanischer Apsis, warme Quellen, Eisenbergbau, Torfstiche, Hochofen und Hammerwerke, Glasfabrikation und (1881) 1485 Einw.

Saint-Paul Trois Châteaux (spr. ssäng-poll trŏa schatoh), Stadt im franz. Departement Drôme, Arrondissement Montélimart, mit alter Kathedrale, Steinbrüchen, welche schon zur Römerzeit im Betrieb waren, Seidenspinnerei, Wollzeugfabrikation und (1881) 1646 Einw.

Saint-Péray (spr. ssäng-peräh), Dorf im franz. Departement Ardèche, Arrondissement Tournon, an der Eisenbahn Givors-La Voulte, mit vorzüglichem Weinbau, Marmorbrüchen und (1881) 1666 Einw.

Saint Peter Port (spr. ssent pīter pōrt, auch St.-Pierre), Hauptstadt von Guernsey, einer der Kanalinseln, auf der Ostküste derselben, terrassenförmig vom Meer ansteigend, mit engen Straßen im untern Stadtteil, Villen und Gärten in den Vorstädten. Die Stadt ist Sitz des Gouverneurs, hat 25 Kirchen, ein Gerichtshaus, Gefängnis, schöne Markthallen, ein Theater, eine höhere Schule (Elizabeth College), ein Handwerkerinstitut mit Museum und (1881) 16,658 Einw. Den Hafen schützt ein Damm, welcher das Festland mit dem kasemattierten Schloß Cornet verbindet. Im Süden der Stadt liegt Fort George.

Saint-Pierre (spr. ssäng-pjähr), franz. Insel in Nordamerika, 16 km von der Südküste Neufundlands, mit dem Eiland Ile aux Chiens 33 qkm (0,6 QM.) groß mit (1879) 3576 ansässigen Bewohnern. Mit dem benachbarten Miquelon (s. d.) bildet es eine Kolonie, in welcher zwar keine Befestigungen errichtet werden dürfen, welche aber des Fischfanges wegen geschätzt wird, der von Dünkirchen und andern Häfen Frankreichs aus betrieben wird. Die Insel steigt bis 200 m an; die Abhänge derselben sind längst entwaldet, und Moose und Flechten bedecken die Gipfel der Hügel.

Saint-Pierre (spr. ssäng-pjähr), 1) (S. d'Albigny) Stadt im franz. Departement Savoyen, Arrondissement Chambéry, am Fuß des Epion und Arclusaz (2046 m), an der Isère und der Mont Cenis-Bahn (mit Abzweigung nach Albertville) gelegen, hat ein kleines Seminar, Kalkbrennerei, Fabrikation von Tüll, Seidenweberei, ein Stahlwerk, römische Altertümer, eine malerische Schloßruine (Miolans) und (1881) 738 Einw. - 2) (S. le Moutier) Stadt im franz. Departement Nièvre, Arrondissement Nevers, an der Eisenbahn Nevers-Moulins, hat ein altes Schloß, ergiebige Sandsteinbrüche, Fabrikation von feuerfesten Ziegeln u. Hüten und (1881) 2158 Einw. - 3) (S. lès Calais) Stadt im franz. Departement Pas de Calais, jetzt in die Festungswerke von Calais eingeschlossen (s. Calais). - 4) (S. les Elbeuf, spr. läh selböff) Industrieort bei Elbeuf im franz. Departement Niederseine, Arrondissement Rouen, mit bedeutenden Tuchfabriken, Färbereien, Maschinenfabriken etc. und (1881) 3836 Einw. - 5) Wichtigste Stadt der französisch-westind. Insel Martinique, 1665 gegründet, in europäischer Weise gebaut, hat eine kath. Kathedrale, ein Collège, mehrere Krankenhäuser, eine Irrenanstalt, einen botanischen Garten (seit 1803), ein Theater, einen vorzüglichen, durch ein Fort verteidigten Hafen und (1879) 23,755 Einw. S. ist Geburtsort der Kaiserin Josephine, Gemahlin Napoleons I. - 6) Stadt der franz. Insel Réunion im Indischen Ozean, an der Südküste und der Mündung der Rivière d'Abord, regelmäßig gebaut, mit stattlichem Gerichtshof, Rathaus und Gendarmeriekaserne und (1885) 27,359 Einw. Die Stadt verdankt ihren künstlichen Hafenbauten ihre Bedeutung; sie ist der einzige Ort der Insel, wo Schiffe sicher ankern können. - 7) (S. d'Oléron) s. Oléron.

Saint-Pierre (spr. ssäng-pjähr), 1) Charles Irénée Castel, Abbé de, franz. Philanthrop, geb. 18. Febr. 1658 zu St.-Pierre bei Barfleur (Normandie), ward Geistlicher, 1695 Mitglied der Akademie, 1702 Beichtvater der Herzogin von Orléans, wohnte 1712 im Gefolge des Kardinals Polignac dem Kongreß von Utrecht bei und starb 29. April 1743 bei Paris. Von seinen Schriften sind hervorzuheben: "Projet de paix perpétuelle" (Utrecht 1713, 3 Bde.); "Œuvres politiques et morales" (Rotterd. 1729, 10 Bde.; das. 1735-41, 16 Bde.); "Œuvres diverses" (Par. 1729, 2 Bde.) und "Annales politiques de Louis XIV" (das. 1757, 2 Bde.). Weil er den Mut gehabt hatte, das ausschweifende Leben des "großen Königs" öffentlich zu rügen, stieß ihn die Akademie 1718 aus ihren Reihen; er veröffentlichte hierauf die "Mémoires sur l'Académie française". Vgl. Molinari, L'abbé de S. (Par. 1861).