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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Saint-Vaast; Saint-Valery; Saint-Vallier; Saint-Victor; Saint Vincent

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Saint-Vaast - Saint Vincent.

großen Hafen, ein Handelsgericht, eine hydrographische Schule, besuchte Seebäder, Schiffbau, Fabrikation von Korkpfropfen und Branntwein, Fischerei auf Sardinen, Anschovis, Thunfische und Korallen und (1881) 3226 Einw. 1886 sind im Hafen 250 beladene Schiffe mit 10,595 Ton. ausgelaufen. S. steht vielleicht an der Stelle der römischen Schiffsstation Heraclea Caccabaria.

Saint-Vaast (spr. ssäng-wäst), 1) (S. de la Hougue) Stadt im franz. Departement Manche, Arrondissement Valognes, am Kanal (La Manche), hat einen sichern Hafen, welcher durch drei auf den Inseln Tatihou, St.-Marcouf und La Hougue befindliche Forts geschützt ist, Seebäder, Schiffbau, Makrelen-, Herings- und Austernfang, Ölfabrikation und (1881) 2598 Einw. 1886 sind im Hafen 115 beladene Schiffe mit 6958 Ton. eingelaufen. - 2) Dorf in der belg. Provinz Hennegau, Arrondissement Soignies, mit bedeutender Thonwarenfabrikation und (1887) 1413 Einw.

Saint-Valery (spr. ssäng-walleri), 1) (S. en Caux) Stadt im franz. Departement Niederseine, Arrondissement Yvetot, am Kanal (La Manche) und der Eisenbahn Motteville-S., hat einen kleinen, aber sichern Hafen, ein Handelsgericht, mehrere Konsulate fremder Staaten, Seebäder und (1881) 4319 Einw., welche Schiffbau, Seilerei, Seehandel, Herings-, Stockfisch- und Makrelenfang sowie Austernzucht treiben. - 2) (S. sur Somme) Stadt im franz. Departement Somme, Arrondissement Abbeville, an der Mündung der Somme in den Kanal (La Manche), durch eine Zweigbahn mit der Eisenbahn Paris-Boulogne verbunden, Sitz eines Handelsgerichts und mehrerer Konsulate, hat einen schwer vor Versandung zu schützenden und im Verkehr zurückgehenden Hafen (1886 liefen nur 133 beladene Schiffe mit 17,362 Ton. ein), eine Schiffahrtsschule, Fabrikation von Segeltuch, Schlosser- und Seilerwaren, Fischerei, Bierbrauerei, Seebäder und (1881) 3322 Einw. Von hier fuhr 30. Sept. 1066 Wilhelm der Eroberer nach England hinüber.

Saint-Vallier (spr. ssäng-walljeh), Stadt im franz. Departement Drôme, Arrondissement Valence, an der Mündung der Galaure in den Rhône und an der Eisenbahn Lyon-Marseille, hat ein altes gotisches, schön restauriertes Schloß (ehemals der Diana von Poitiers gehörig), Fabrikation von Seidentüll, Gaze, Krepp etc., Porzellan, Fayence und chemischen Produkten und (1881) 3147 Einw.

Saint-Vallier (spr. ssäng-walljeh), Charles Raymond de la Croix de Chevrière, Graf von, franz. Diplomat, geb. 12. Sept. 1833 auf Schloß Coucy lès Eppes (Aisne), trat jung in die Diplomatie und erhielt früh wichtige Posten. 1870 war er französischer Gesandter in Stuttgart. Mit der deutschen Sprache und den politischen Verhältnissen Deutschlands vertraut, riet er dem Minister Gramont energisch von dem übereilten Krieg ab und klärte ihn über die Unmöglichkeit des Anschlusses von Süddeutschland an Frankreich, freilich vergeblich, auf. Nach dem Frieden 1871 ward er zum Generalkommissar bei der deutschen Okkupationsarmee ernannt und führte die Verhandlungen über die Verpflegung und die Geldzahlungen mit großem Geschick. Im Dezember 1877 ward er zum Botschafter der Republik in Berlin ernannt, verstand es schnell, sich hier Vertrauen zu erwecken, und vertrat im Juni 1878 Frankreich als zweiter Bevollmächtigter auf dem Berliner Kongreß. Im November 1881 erbat er seine Entlassung, nahm seinen Sitz im Senat ein und starb 4. Febr. 1886.

Saint-Victor (spr. ssäng-), Paul de, Graf, franz. Schriftsteller, geb. 1827 zu Paris, erhielt seine Vorbildung zu Freiburg in der Schweiz und am Collegio romano zu Rom, trat dann 1851 unter der Ägide Lamartines, dem er zuvor als Sekretär gedient hatte, als Theaterkritiker in die Redaktion des "Pays" ein und ging 1855 in gleicher Eigenschaft zu der "Presse" über. Seine Wochenfeuilletons und seine "Salons" (Kritiken der alljährlichen Kunstausstellung) verschafften ihm bald den Ruf eines ausgezeichneten Kenners und zugleich eines der glänzendsten Stilisten seiner Zeit, an dem man nur tadeln konnte, daß sein Bilderreichtum zuweilen in Manier ausartet. Diese Eigenschaften bewährte er auch in seinen beiden Hauptwerken: "Hommes et dieux", historisch-ästhetische Studien, unter denen noch besonders ein Essay über die "Venus von Milo" hervorragt (1867, 4. Aufl. 1872), und "Les deux masques, tragédie-comédie" (1879-83, 3 Bde.), einer großartig angelegten, aber unvollendet gebliebenen Arbeit über die antike und moderne Bühne. Noch erschienen von ihm: "Les femmes de Goethe" (1869) und "Victor Hugo" (1885). Von der "Presse" folgte S. Emile de Girardin zur "Liberté" und war zuletzt einer der hervorragendsten Mitarbeiter am "Moniteur universel". Als unbestrittene Autorität in artistischen Dingen gehörte S. allen Ausstellungsjuries an und bekleidete (seit 1870) das Amt eines Generalinspektors der schönen Künste. Er starb 9. Juli 1881 in Paris. Vgl. Delzant, Paul de S. (Par. 1887).

Saint Vincent (spr. ssent winnssent), 1) brit. Insel der Kleinen Antillen, hat mit Urwald bedeckte Gebirge (Bonhomme 1300 m), einen noch nicht erloschenen Vulkan (La Soufrière 1220 m, letzter Ausbruch 1812), zahlreiche Bäche und angenehmes Klima. Die Insel ist 381 qkm (7 QM.) groß und hat (1884) 40,680 Einw., unter denen 2700 Weiße, 2200 Kulis und 190 Kariben sind. Zucker, Baumwolle, Kokosnüsse, Arrow-root u. dgl. wurden angebaut. Die Einfuhr betrug 1886: 91,185 Pfd. Sterl., die Ausfuhr 70,476 Pfd. Sterl. Die frühere Repräsentativverfassung wurde 1877 aufgehoben. Hauptstadt ist Kingstown, an der Südwestküste, mit guter Reede und 5000 Einw. S. wurde 1498 von Kolumbus entdeckt, 1672 für britisches Besitztum erklärt, kam aber erst 1763 förmlich an England. Die aufständischen Kariben wurden, 5080 Mann stark, im J. 1797 auf die Insel Roatan (s. d.), an der Küste von Honduras, versetzt. - 2) S. Sankt Vincent.

Saint Vincent (spr. ssent winnssent), John Jervis, Graf, berühmter brit. Admiral, geb. 20. Jan. 1735, trat schon als Knabe in die Marine, nahm an der Unternehmung auf Quebec 1760 als Leutnant mit Auszeichnung teil und erwarb sich als Befehlshaber des Schiffs Foudroyant von 80 Kanonen in dem amerikanischen Freiheitskrieg großen Ruhm, namentlich 27. Juni 1778 in dem Seetreffen auf der Höhe von Ouessant. Nach dem Frieden von 1783 trat er ins Unterhaus, wo er sich der Opposition anschloß. 1786 wurde er Postkapitän, 1790 Konteradmiral, eroberte im März 1794 die französischen Kolonien Martinique und Ste.-Lucie und wurde dafür zum Vizeadmiral ernannt. An der Spitze von 15 Linienschiffen und 4 Fregatten schlug er 14. Febr. 1797 die 27 Linienschiffe und 10 Fregatten starke spanische Flotte in der Nähe des Kaps S. und ward hierfür zum Grafen von S. ernannt sowie 1799 zum Admiral befördert. Unter Addingtons Verwaltung war er von 1801 bis 1805 erster Lord der Admiralität, und 1806 kommandierte er die Flotte im Kanal. Als Mitglied des Oberhauses verwarf er 1807 das Un-^[folgende Seite]