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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Salisatio; Salisb.; Salisburia; Salisbury; Salische Kaiser; Salisches Gesetz

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Salisatio - Salisches Gesetz.

1785 in französische Kriegsdienste und ward Hauptmann der Schweizergarde in Versailles, nahm aber beim Ausbruch der Revolution seinen Abschied und kehrte 1793 in sein Vaterland zurück, wo er sich in Chur niederließ. Lebhaft an den politischen Umgestaltungen der nächsten Jahre beteiligt, erklärte er sich 1798 entschieden für den Anschluß der drei rätischen Bünde an die Schweiz, mußte, als bald darauf die Österreicher Bünden besetzten, mit seiner Familie flüchten und begab sich nach Zürich, wo er zum Generalinspektor der helvetischen Truppen ernannt wurde, später nach Bern, wo er eine Stelle am Kassationshof erhielt. Nach Einführung der Mediationsakte 1803 nach Graubünden zurückgekehrt, bekleidete er daselbst mehrere Staatsämter, nahm 1817 als eidgenössischer Oberst seine Entlassung und lebte in stiller Zurückgezogenheit zu Malans; hier starb er 29. Jan. 1834. Als Dichter stellt man S. gewöhnlich mit seinem Freund Matthisson zusammen, und unleugbar haben beide manche Seite miteinander gemein, so namentlich die Neigung zum Wehmütigen und zu ausgedehnten Naturschilderungen. Allein S. ist seiner ganzen Natur nach männlicher, frischer und volkstümlicher als Matthisson; seine Sehnsucht, die wirklich in der Liebe zur Natur und zum ländlichen Leben wurzelt, ist tiefer und wahrer, seine elegischen Klagen haben überall einen festen und bestimmten Grund. Seine "Gedichte" erschienen Zürich 1793 (12. vermehrte Aufl. letzter Hand, das. 1839 u. 1869). Vgl. Röder, Der Dichter J. G. v. S. (St. Gallen 1863).

Salisatio (auch Salissatio, lat.), die springende, hüpfende, zitternde Bewegung des Herzens, der Augen oder andrer Muskeln, die, wie das Klingen der Ohren, bei den Alten als Vorbedeutung angesehen wurde. Die daraus Weissagenden hießen Salisatores.

Salisb., bei botan. Namen Abkürzung für R. A. Markham Salisbury, geb. 1762 zu Leeds, starb als Gärtner 1829 in London.

Salisburia Smith, s. v. w. Gingko (s. d.).

Salisbury (spr. ssahlsberi), Hauptstadt von Wiltshire (England), auf einer von der Mündung des Bourne in den Avon gebildeten Halbinsel, mit einer auf dem linken Ufer des Avon liegenden Vorstadt (Fisherton Anger), sehr regelmäßig und gut gebaut. S. ist der Sitz eines Bischofs und hat eine prächtige, im reinsten gotischen Stil und in edlen Verhältnissen erbaute Kathedrale, welche ein erzbischöfliches Kreuz bildet, 144,1 m lang, 69,7 m breit, mit 122 m hohem Turm, dem höchsten in England. Letzterer und die Westfassade wurden erst 1350 vollendet, während die Kirche selbst 1219-58 erbaut wurde. Die von den Puritanern zerstörten Skulpturen wurden 1863-70 wiederhergestellt. Unter den Denkmälern im Innern sind mehrere, welche aus der alten Kathedrale von Sarum (s. unten) stammen. Bemerkenswert sind die Grabkapellen des Bischofs Audley und eines Grafen Hungerford. Ein Kreuzgang verbindet die Kathedrale mit dem achteckigen Kapitelhaus. Unter den andern Kirchen zeichnen sich die des St. Thomas und des St. Edmund aus. Die Stadt hat ferner eine große, in dorischem Stil erbaute Gerichtshalle, einen bischöflichen Palast, ein Theater, einen Konzertsaal, eine Bibliothek und ein Museum (reich an vorhistorischen Altertümern), ein anglikanisches Seminar, eine Lehrerbildungsanstalt, eine Lateinschule, ein altes Grafschaftsgefängnis, ein Zucht- und Arbeitshaus, ein großes Krankenhaus, mehrere Hospitäler, ein altes Marktkreuz (14. Jahrh.), ein Denkmal Lord Herberts und (1881) 14,792 Einw. Früher war S. wegen seiner Stahl- und Messerschmiedewaren berühmt, gegenwärtig hängt es fast ausschließlich vom Vieh- und Produktenhandel ab. Etwa 3 km nördlich der Stadt liegen die unansehnlichen Trümmer von Old Sarum (Sorbiodunum der Römer), ehemals Residenz der Sachsenkönige, deren Eigentümer bis 1832 im Parlament durch zwei Mitglieder vertreten war, und aus welcher seit dem 12. Jahrh. die jetzige Stadt S. (daher auch New Sarum genannt) entstand. Unweit S. liegen ferner die Reste von Clarendon Castle (s. d.) und 15 km nördlich das merkwürdige Stonehenge (s. d.).

Salisbury (spr. ssahlsberi), engl. Adelstitel, welcher 1337 von König Eduard III. an William de Montacute verliehen ward, 1428 durch Heirat auf die Familie Nevill und 1472 auf den Herzog Georg von Clarence, Bruder Eduards IV., überging. Nachdem er 1541 mit dessen Tochter Margarete erloschen, ernannte Jakob I. 1605 Robert Cecil, zweiten Sohn des Lords Burleigh, zum Grafen von S. Bemerkenswerte Mitglieder des Hauses sind:

1) James Brownlow William, Sohn des 1789 zum ersten Marquis von S. erhobenen James Cecil, geb. 17. April 1791, ein eifriger Schutzzöllner und Tory, saß von 1814 bis zum Tod seines Vaters 1823 im Unterhaus, war 1852 im ersten Ministerium Derby Großsiegelbewahrer und Februar 1858 bis Juni 1859 in dessen zweitem Kabinett Lord-Präsident des Geheimen Rats; starb 12. April 1868 auf seinem Landsitz Hatfield in Hertfordshire.

2) Robert Arthur Talbot Gascogne Cecil, Marquis von, Sohn des vorigen, geb. 3. Febr. 1830, erzogen zu Eton und Oxford, war bis zum Tod seines Vaters als Lord Cranbourne konservatives Unterhausmitglied für Stamford, übernahm 1866 in Derbys Regierung das Ministerium für Indien, trat aber im März 1867 zurück, weil er mit der von seinen Kollegen eingebrachten Reformbill nicht einverstanden war. 1869 wurde er als Nachfolger Derbys Kanzler der Universität Oxford. Im Februar 1874, als Disrali ^[richtig: Disraeli] ans Ruder kam, übernahm er abermals das Staatssekretariat für Indien. Als die orientalischen Verwickelungen Ende 1876 das Zusammentreten einer Konferenz in Konstantinopel, die von England vorgeschlagen war, herbeigeführt hatten, wurde S. als außerordentlicher Botschafter Englands dahin entsandt, wo er sich vom russischen Botschafter Ignatiew zu solchen Forderungen an die Türkei bewegen ließ, daß die Konferenz resultatlos blieb. Nachdem er indes im Januar 1878 Minister des Auswärtigen geworden, unterstützte er die Orientpolitik des Grafen Beaconsfield auf das eifrigste. Er schloß 31. Mai mit Schuwalow den Vertrag, der Rußland zu großen Zugeständnissen verpflichtete, und vertrat England als zweiter Bevollmächtigter auf dem Berliner Kongreß. Nach dem Wahlsieg der Liberalen im April 1880 trat er mit Beaconsfield von seinem Amt zurück. Seit dem Tod Beaconfields der bedeutendste konservative Staatsmann, trat er nach dem Sturz Gladstones im Juni 1885 bis Januar 1886 und nach dem kurzen Ministerium Gladstones von neuem im August 1886 als Premierminister und Minister des Auswärtigen an die Spitze der Regierung. Vgl. Pulling, Marquis of S., life and speeches (Lond. 1885, 2 Bde.).

Salische Kaiser, s. Fränkische Kaiser.

Salisches Gesetz (Lex Salica), das Volksrecht der salischen Franken (vgl. Frankenreich, S. 492), ist unter allen germanischen Volksrechten das älteste. Wir besitzen es in einer kürzern, ursprünglichen Redaktion (Pactus), welche in heidnischer Zeit, zwischen 453 und