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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Salzburg

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Salzburg (Stadt).

eines Herzogtums (mit Ausnahme einiger zu Tirol geschlagener Bezirke) den Salzachkreis des Landes ob der Enns bildete, bis es 1849 zu einem selbständigen Kronland erhoben ward. Vgl. Dümmler, Beiträge zur Geschichte des Erzbistums von S. im 9.-12. Jahrh. (Wien 1859); Pichler, Salzburgs Landesgeschichte (Salzb. 1865); Meiller, Regesta archiepiscoporum Salisburgensium (Wien 1866).

Salzburg, Hauptstadt des gleichnamigen Herzogtums, liegt ungemein malerisch (420 m ü. M.) an beiden Ufern der reißenden Salzach, die hier zwischen zwei isolierten Hügeln von Kalkbreccie, dem Mönchs und Kapuzinerberg, eingeengt dahinströmt, und an der westlichen Staatsbahn Wien-S., an welche sich hier die Staatsbahnlinie S.-Wörgl und die bayrische Linie S.-München anschließen. Das Klima ist sehr angenehm, die Luft gesund; die mittlere Sommertemperatur beträgt 17,4° C. Die Stadt zerfällt in zwei durch die Salzach, über welche eine 1877 erbaute eiserne, eine Holzbrücke und ein Steg führen, getrennte Stadtteile, die am linken Ufer gelegene ältere und die Neustadt am rechten Ufer, ist teilweise noch mit Mauern und Wällen umgeben, hat eine Citadelle (Hohensalzburg, s. unten) und drei Vorstädte; Nonnthal und Mülln auf dem linken und Stein auf dem rechten Ufer der Salzach. Unter den von den ehemaligen Befestigungswerken noch erhaltenen Thoren ist am merkwürdigsten das durch den Felsen des Mönchsbergs gebrochene Neuthor, welches 134 m lang, 7 m breit und 12 m hoch ist und vom Erzbischof Sigismund von Schrattenbach 1767 hergestellt wurde. Die Stadt ist nicht regelmäßig gebaut, viele (namentlich die ältern) Straßen sind eng, krumm und finster; aber die schönen massiven Häuser mit ihren platten Dächern, der häufig verwendete Marmor des nahen Untersbergs, die zahlreichen Brunnen und Denkmäler geben der Stadt ein stattliches, zugleich italienisches Aussehen. In neuester Zeit hat übrigens S. eine Erweiterung erfahren, da auf den durch Auflassung der Festungswerke frei gewordenen Plätzen zahlreiche Neubauten erstanden. Auch wurden zu beiden Seiten der Salzach Kais aufgeführt, welche mit anmutigen Promenaden und Neubauten versehen sind. Unter den öffentlichen Plätzen ragen hervor der Residenzplatz mit großem Brunnen (aus weißem Marmor von Ant. Dario 1668 gefertigt) und der Domplatz mit einer Mariensäule. An den erstern schließt sich der Mozartplatz mit Mozarts (1756 hier geboren) ehernem Standbild von Schwanthaler (seit 1842), an den letztern der Kapitelplatz mit der Residenz des Fürsterzbischofs u. einer marmornen Pferdeschwemme (Kapitelschwemme). Eine schöne öffentliche Anlage hat S. in dem neuen Stadtpark mit gut eingerichteter Badeanstalt und Kursaal erhalten. Die meisten öffentlichen Gebäude stammen aus der Renaissance- und Barockzeit. Unter den 24 Kirchen der Stadt ist zunächst zu erwähnen der Dom, 1614-34 von Santino Solari nach dem Muster der Peterskirche in Rom erbaut, mit zwei 80 m hohen Türmen, einer Zentralkuppel, schöner Fassade aus weißem Marmor und im Innern mit einem in Erz gegossenen Taufbecken (1321). Unweit des Doms steht die Klosterkirche zu St. Peter, in romanischem Stil 1127 erbaut, mit schönem Portal, zahlreichen Grabmälern, darunter dem des heil. Rupert, im Innern. Hinter der Kirche, an der Nagelfluhwand des Mönchbergs, liegt der alte malerische St. Petersfriedhof mit interessanten Grabmälern (darunter das der Gräfin Lanckoronska von Schwanthaler). In der Mitte desselben steht die schöne, 1485 erbaute, 1864 restaurierte Margaretenkapelle, in der Felswand des Mönchsbergs selbst die in Stein gemeißelten Zellen des heil. Rupert und die Einsiedelei des heil. Maximus mit der alten Kreuzkapelle und die Katharinenkapelle mit dem Grab des heil. Vitalis. Die alte Franziskanerkirche (Stadtpfarrkirche) aus dem 13. Jahrh. mit ihrem großartigen Chor ist in verschiedenen Baustilen ergänzt worden. Auf dem Nonnberg steht die Kirche des adligen Benediktiner-Frauenstifts, ein gotischer Bau mit romanischem Portal, schönem Flügelaltar, alten Glasmalereien und Waldgemälden und einer Krypte. Erwähnenswert sind noch: die Johannesspitalkirche, die Augustinerkirche in der Vorstadt Mülln, die seit dem großen Brand von 1818 neuhergestellte Sebastianskirche mit dem Grabmal des Theophrastus Paracelsus von Hohenheim und berühmtem Friedhof (mit der Gabrielkapelle), die am Kai gelegene protestantische Kirche, 1865 im byzantinischen Stil erbaut, endlich der neue Zentralfriedhof. Bemerkenswerte weltliche Gebäude sind: die Residenz am Residenzplatz (1592-1724 erbaut), ein weitläufiger Bau im italienischen Stil, mit Gemäldegalerie; der ihr gegenüberliegende Neubau (mit Glockenspiel), jetzt Regierungsgebäude; das Schloß Mirabell, früher Sitz des Erzbischofs, mit öffentlichem Garten; der Marstall (jetzt Kavalleriekaserne) für 130 Pferde (1607 erbaut), mit weißmarmornen Barrieren, einer prachtvollen Schwemme mit Marmoreinfassung und plastischer Gruppe und zwei Reitschulen, von denen die Sommerreitschule ein in den Felsen des Mönchbergs gehauenes Amphitheater mit drei übereinander befindlichen Galerien ist. Andre schöne Gebäude sind noch: das Rathaus, das vereinigte Schulgebäude, der Kursalon, das Museum etc. Außerdem enthält S. acht Klöster, darunter das Benediktinerstift St. Peter (580 gegründet) mit ansehnlicher Bibliothek, Naturalienkabinett, Schatzkammer und reichem Archiv, ein Franziskanerkloster, ein Kapuzinerkloster auf dem Kapuzinerberg etc.

Die Zahl der Einwohner beträgt (1880) mit Einschluß von 1453 Mann Militär 24,952. Die Industrie ist in S. durch Fabriken für musikalische Instrumente (besonders Orgeln), Marmorgalanterie- und Zementwaren, Zündhölzchen, Feigenkaffee und Schokolade, Bier, Mehl, Leder, Kunstwolle und Shoddygarn, Sonnen- und Regenschirme, Handschuhe, Papier und Holzstoff, Papiertapeten und Bretter vertreten. Außerdem bestehen in der Stadt mehrere Buch- und Steindruckereien und in der Umgebung Torfwerke. Der Handel, welcher ehemals einen bedeutenden Warenverkehr zwischen Deutschland und Italien vermittelte, hat seine frühere Bedeutung verloren und beschränkt sich gegenwärtig auf die Versorgung des lokalen und provinziellen Konsums. Förderungsmittel sind die Eisenbahnen, die Filiale der Österreichisch-Ungarischen Bank und eine städtische Sparkasse. An Lehr- und Bildungsanstalten besitzt S.: eine theologische Fakultät (als Rest der 1623 gestifteten, 1810 aufgehobenen Universität), ein staatliches und ein erzbischöfliches Obergymnasium (Collegium Borromeum), eine Oberrealschule, eine Lehrerbildungsanstalt, eine Staatsgewerbeschule, eine Gremial- und eine Privathandelsschule, ein erzbischöfliches Priesterseminar, ein Collegium Mariano-Rupertinum für Gymnasialschüler, 2 Musikschulen, 3 Klostererziehungsinsti-^[folgende Seite]