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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: San Francisco

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San Francisco.

nördl. Br. und 122° 26' westl. L. v. Gr. Von der Bai aus erstreckt sich die Stadt die Abhänge meist nackter und bis 110 m hoher Hügel hinan, deren Unebenheiten seit 1846 großenteils beseitigt worden sind. Die dabei gewonnene Erde benutzte man dazu, um einen Teil der Bai auszufüllen, und diesen ebensten Teil der Stadt schützt ein 2545 m langer Steindamm (sea-wall), oben 20 m breit, an dem die größten Seeschiffe anlegen können. Sie hat breite, sich meist rechtwinkelig durchschneidende Straßen, zahlreiche öffentliche Plätze, riesig große Gasthöfe, aber nur sehr wenige hervorragende Bauten. Californiastreet ist Sitz der Banken und Makler, Montgomerystreet die fashionable Promenade; auf "Nob Hill" stehen die Paläste der Eisenbahn- und Bonanzakönige. Im Süden liegt der einzige größere Park der Stadt, Golden Gate Park, 421 Hektar groß, auf dem Lone Mountain der schönste Kirchhof mit prächtiger Aussicht. Interessant ist das im Mittelpunkt der Stadt gelegene chinesische Quartier mit Theater, buddhistischen Tempeln, Spielhöllen und Opiumkellern. Pferde- und Drahtseilbahnen (Cable roads) vermitteln den Verkehr. Ihr Wasser erhält die Stadt vom Lobos Creek, dem Hondasee und andern entfernten Sammelbecken. Unter den Kirchen zeichnen sich die 2 kath. Kathedralen aus, die des St. Patrick mit 73 m hohem Turm. Von öffentlichen Gebäuden verdienen genannt zu werden: das großartige Rathaus im Yerba Buena Park, die neue Münze, das Zollhaus und die Börse. S. hatte 1870: 149,473, 1881: 233,959 Einw., mit Einschluß von 30,721 Iren, 19,928 Deutschen und Chinesen, 1887: 320,000 Einw. Eine eigentliche Industriestadt ist es nicht, doch zählten 1880: 2971 gewerbliche Anstalten immerhin 28,442 Arbeiter und lieferten Produkte im Wert von 78 Mill. Dollar. Am wichtigsten waren die 34 Schlächtereien, 310 Schuhmacherwerkstätten, 181 Schreinereien, 116 Schneidereien, 58 Gießereien und Maschinenbauwerkstätten, 147 Zigarrenfabriken, 88 Lederfabriken, 152 Druckereien, 38 Brauereien, 9 Kornmühlen, 119 Bäckereien, 3 Sackfabriken, 27 Damenschneidereien, 41 Möbelfabriken, 6 Fabriken zur Herstellung von Sprengmitteln, 56 Schiffswerften etc. Äußerst lebhaft ist der Handel. Zum Hafen gehörten 1887: 163 Seeschiffe von 101,031 Ton. Gehalt und 740 kleinere Schiffe von 145,669 Ton. und liefen 823 Schiffe ein. Ausgeführt werden namentlich Gold, Korn, Wein und Wolle (1887/88 für 42,490,177 Doll.), während Bauholz, Kohlen, Thee (aus China und Japan), Reis und Zucker die wichtigsten Artikel der Einfuhr sind (Wert 54,432,122 Doll.). S. ist Sitz eines deutschen Berufskonsuls. Zahlreich sind die mildthätigen Anstalten, worunter das Marinehospital, das städtische Hospital, ein Magdalenenasyl, eine Besserungsanstalt, Waisenhäuser besonders zu nennen sind. Unter den Bildungsanstalten sind 3 Gymnasien oder Colleges (2 davon von den Jesuiten geleitet), 2 medizinische Schulen und eine Kunstschule. Die Akademie der Wissenschaften und die Bergbaubehörde besitzen Museen, die Genossenschaft der Kaufleute und andre Vereine große Bibliotheken. Für Unterhaltung sorgen 6 größere Theater, mehrere Biergärten und zahlreiche Klubs. Die Deutschen haben ihre Turnhalle und einen geselligen Verein mit großer Bibliothek. - S. ist eine Stadt jüngsten Ursprungs. Die erste europäische Niederlassung in der Gegend wurde 1776 von Franziskanermönchen angelegt, deren "Mission", Dolores, im Süden der Stadt, noch jetzt besteht. Fast gleichzeitig wurde an der Stelle der jetzigen Stadt ein Militärposten (presidio) gegründet und einige Häuser errichtet, welche als Yerba Buena ("gutes Kraut") bekannt wurden. Seit 1833 verfiel die Mission; die Niederlassung zog aber einige amerikanische Abenteurer an, so daß sie 1848, als zuerst Gold in Kalifornien entdeckt wurde, bereits 1000 Einw. zählte. Die Bevölkerung wuchs nun rasch an, 1852 zählte

^[Abb.: Situationsplan von San Francisco.]