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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Sankt Petersburg

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Sankt Petersburg (Paläste).

[Profanbauten.] Unter den Palästen der Residenz nimmt das Winterpalais (Simnij-Dworez) die erste Stelle ein. Von Peter I. begonnen, wurde es unter der Kaiserin Elisabeth von 1754 bis 1762 umgebaut. Am 29. Dez. 1837 brannte es aus, wurde aber vom Grafen Kleinmichel nach dem Plan des Architekten Rastrelli so schnell restauriert, daß es zu Ostern 1839 wieder bezogen werden konnte. Das kolossale Gebäude nimmt einen Flächenraum von ca. 8000 qm ein und wendet seine 137 m messenden Langseiten dem Generalstabsgebäude und der Newa zu, während die eine Breitseite von 106,5 m der Admiralität zugekehrt ist. Von der Newaseite führt eine prachtvolle Marmortreppe zu den Festsälen. Vom St. Georgssaal aus weißem Marmor gelangt man in die Galerie der Generale und Feldmarschälle aus dem Krieg von 1812, aus dieser in den Wappensaal, der die Wappen aller Gouvernements enthält. Dem kleinern Peterssaal und dem Feldmarschallssaal mit den lebensgroßen Porträten Rumjänzows, Suworows, Kutusows u. a. folgt der größte Saal des Palastes, der Nikolaisaal, der nur bei großen Hoffesten benutzt wird. Die nach dem Admiralitätsplatz gelegenen Gemächer, welche der verstorbene Kaiser Alexander II. bewohnte, zeichnen sich durch Einfachheit aus. Erwähnung verdienen noch der prachtvolle Weiße Saal und der Alexandersaal, welcher gleich den benachbarten Gemächern mit vielen Schlachtenbildern aus der russischen Geschichte geschmückt ist. In einem nicht großen Raum des obern Stocks werden die Kronjuwelen aufbewahrt, darunter das Zepter, welches an der Spitze den größten Diamanten Rußlands trägt (den sogen. Orlow, 194¾ Karat schwer, von der Kaiserin Katharina für 450,000 Rubel erstanden, s. Diamant, S. 932). Bedeckte Galerien verbinden das Winterpalais mit der von Katharina mit großer Pracht erbauten Eremitage (mit den berühmten Kunstsammlungen). Das neue Prachtgebäude, welches sich an die Eremitage der Kaiserin Katharina lehnt, wurde unter Nikolaus I. von Klenze ausgeführt; die Einweihung erfolgte 1850. Die in griechischem Stil gehaltene Hauptfassade, mit graugranitenen Atlanten an der Anfahrt, ist der Millionnaja zugekehrt und bildet mit dem anliegenden, im Rokokostil erbauten Winterpalais einen sehr in die Augen springenden Kontrast. Die Gemäldegalerie der Eremitage nimmt unter den europäischen Galerien eine höchst hervorragende Stellung ein. Der Schwerpunkt der Galerie liegt in den niederländischen und deutschen Schulen des 17. und 18. Jahrh. Von nur wenigen Galerien wird die Zahl der in der Eremitage vorhandenen Gemälde von Berghem, van Dyck (34), Wouwerman (50), Dou, Potter, Rembrandt (41), Rubens (60), Teniers (40), Ruisdael (14) u. a. übertroffen. Eine Sammlung von Bildern der russischen Schule, wie sie die Eremitage besitzt, steht bis jetzt als einzig da. Die sonstigen Reichtümer der Eremitage bestehen in einer Sammlung von Skulpturen (darunter die sogen. Venus der Eremitage), einer großen Kollektion ägyptischer und assyrischer Altertümer, in den griechischen Altertümern von Kertsch, einer Kupferstichsammlung (200,000 Blätter), einer Sammlung antiker Vasen, einer gegen 100,000 Bände starken Bibliothek (darunter die Bibliotheken von Diderot, Voltaire, Gallioni u. a.), einer Münzsammlung und Sammlung geschnittener Steine, Gemmen, Kameen, die schon zu Katharinas II. Zeit über 10,000 Stück enthielt. Die zur Eremitage gehörende Galerie Peters d. Gr. enthält die verschiedenartigsten Kunstschätze. Rechts vom Winterpalais am Palaiskai zum Sommergarten und zum Marsfeld hin steht das von Professor Resanow erbaute Palais des Großfürsten Wladimir in florentinischem Geschmack, das durch seine einfache Schönheit sämtliche Paläste der Residenz (ausgenommen vielleicht das stilvolle Michaelspalais) übertrifft. Noch weiter zum Sommergarten hin liegt das aus Marmor, Granit und Bronze gebaute düstere Marmorpalais, das vom Großfürsten Konstantin bewohnt wird. Die Aufführung dieses Baues, den Katharina II. ursprünglich für Orlow bestimmt hatte, fällt in die Jahre 1770-83. Südlich vom Marsfeld, die Hauptfronte zum Sommergarten gekehrt, steht das alte Michailowsche Palais des Kaisers Paul, das gleich einer Festung mit Gräben umgeben ist, jedoch seit Kaiser Paul, der in den Räumen desselben seinen Tod fand, nicht mehr von der kaiserlichen Familie benutzt wird. Gegenwärtig befindet sich die Ingenieurschule darin, und infolgedessen hat es den Namen Ingenieurpalais erhalten. Der links vom Newskij-Prospekt führende Teil der großen Ssadowaja ("Gartenstraße"), die auf das Marsfeld mündet, trennt das Palais von dem schattigen Michaelsgarten, dem die Hauptfassade des oben erwähnten Michaelspalais zugekehrt ist. Der Bau wurde 1819-25 vom Architekten Rossi mit einem Kostenaufwand von 17 Mill. Rubel Banko aufgeführt und zeichnet sich durch seinen edlen Stil aus. Das Palais diente der Großfürstin Helene Pawlowna zum Aufenthalt und wird gegenwärtig von ihrer Tochter, der Großfürstin Katharina Michailowna, bewohnt. Dem Nikolaidenkmal gleichsam als Hintergrund dient das Marienpalais an der Blauen Brücke, in einfachem Stil von Stakenschneider erbaut, jetzt der Sitz des Reichsrats. Einen davon ganz verschiedenen Charakter zeigt der von demselben Baumeister 1863 erbaute Palast des Großfürsten Michael Nikolajewitsch (in der Nähe des Winterpalais), dessen überreiche Ornamentik seitens der Kunstkenner manchen Tadel erfährt. Das Palais des Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch zwischen der Galernaja ("Galeerenstraße") und dem Chevaliergarde-Boulevard ist ebenfalls erst in neuester Zeit (1862) vollendet worden und fällt nur durch seine großen Dimensionen auf. Das Anitschkowpalais, an der gleichnamigen Brücke am Newskij-Prospekt, welches der Kaiser Alexander III. bewohnt, stammt aus der Zeit der Kaiserin Elisabeth Petrowna und ist vom Grafen Rastrelli erbaut; die einfache, nicht unschöne Fassade ist dem Hof zugekehrt. Ein zum Palais gehörender Garten hat zwei auf die Straße hinausgehende Pavillons, in denen eine Waffensammlung aufbewahrt wird. Ein gänzlich aus dem Zentrum gerückter Palast ist das Taurische Palais, das Katharina II. 1784 für Potemkin erbauen ließ. Häufig seine Bestimmung wechselnd, hat es unter Kaiser Paul sogar als Kaserne gedient, wurde aber auf Befehl Alexanders I. 1802 wieder restauriert. Beachtung verdienende Privatpaläste sind: das Palais Bjeloselskij-Bjeloserskij an der Anitschkowbrücke, jetzt Eigentum des Großfürsten Sergei, ein Werk Stakenschneiders; das Palais Strogonow an der Polizeibrücke, von Rastrelli; das ehemalige Stieglitzsche Palais am Englischen Kai, das Jussupow-Palais an der Moika u. a.

Die vielen, zum großen Teil ausgedehnten öffentlichen Gebäude zeichnen sich mit wenigen Ausnahmen nur durch den Kasernenstil aus. Zur Seite des Winterpalais, von ihm durch einen nicht großen Paradeplatz getrennt, dehnt sich das riesige Admiralitätsgebäude (aus dem 18. Jahrh.) in Form eines zur Newa hin offenen Vierecks aus, dessen lange Seiten 420 m messen. Ein schöner, breiter, mit Garten-^[folgende Seite]