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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Sans pareil; Sans phrase; Sansovino; Sanssouci

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Sansovino - Sanssouci.

Grubers "Encyklopädie", Bd. 2, S. 17); Weber, Vorlesungen über indische Litteraturgeschichte (2. Aufl., Berl. 1876); Haas, Catalogue of the Sanskrit books in the British Museum (Lond. 1876); L. v. Schröder, Indiens Litteratur und Kultur (Leipz. 1887).

Sansovino, 1) Andrea, ital. Bildhauer (eigentlich Contucci), geb. 1460 zu Monte San Savino bei Montepulciano, daher gewöhnlich S. genannt, wurde Lehrling des A. Pollajuolo und bildete sich daneben nach Leonardo da Vinci. Unter diesen Einflüssen entstanden die Reliefs mit der Krönung Marias, der Verkündigung und der Pietà in San Spirito zu Florenz. Um 1491 berief ihn der König von Portugal nach Lissabon, wo er neun Jahre lang als Architekt und Bildhauer thätig war. 1500 nach Florenz zurückgekehrt, begann er hier die Marmorgruppe der Taufe Christi über dem Ostportal des Baptisteriums, die an Adel der Form und des Ausdrucks in jener Zeit einzig dasteht (s. Tafel "Bildhauerkunst VI", Fig. 14), aber von ihm nicht vollendet wurde, da er eine Bestellung für den Dom von Genua (Statuen der Madonna und des Täufers, 1503) erhielt und sodann von Julius II. um 1505 nach Rom berufen wurde, um die Gräber der Kardinäle Basso und Sforza für das Chor von Santa Maria del Popolo auszuführen. Dieselben schließen sich in der Anordnung dem Geschmack des 15. Jahrh. an, der in ihnen seinen höchsten künstlerischen Ausdruck gefunden, bereiten aber durch ihre malerischen Einzelformen bereits auf den Manierismus der spätern Zeit vor; es sind die herrlichsten Grabdenkmäler, welche Rom besitzt. 1512 schuf S. die Gruppe der heil. Anna in Sant' Agostino zu Rom. Von 1513 bis 1529 war er im Auftrag Leos X. mit der Verzierung des heiligen Hauses zu Loreto beschäftigt. Die Reliefs der Verkündigung und der Geburt Christi und die Statue des Jeremias arbeitete er selbst, das übrige wurde unter seiner Aufsicht von verschiedenen Künstlern ausgeführt. S. starb 1529. Die Schönheit der Antike mit freiem Sinn erfassend, verband er damit ein gediegenes Naturstudium; seine Figuren zeigen tiefe Empfindung, aber immer in den Schranken der Mäßigung. Er bildete viele Schüler. Vgl. Schönfeld, A. S. und seine Schule (Stuttg. 1881).

2) Jacopo, ital. Bildhauer und Architekt, eigentlich Tatti, genannt S. nach seinem Lehrer Andrea (s. oben), geb. 1477 zu Florenz, war daselbst und in Rom thätig und schuf in dieser ersten Periode seiner Thätigkeit unter andern die Statue des Jacobus im Dom zu Florenz, einen marmornen Bacchus (im Bargello daselbst) und eine Madonna mit dem Kind in Sant' Agostino zu Rom, wo er von ca. 1515 bis 1527 vorzugsweise als Architekt an mehreren Kirchenbauten (z. B. San Giovanni dei Fiorentini) beteiligt war. 1527 ging er nach Venedig, wo er sich bald ein so hohes Ansehen zu verschaffen wußte, daß er zum Baumeister der Republik bestellt wurde und in einer sehr umfangreichen Thätigkeit bis zu seinem Tode der Bau- und Bildhauerkunst Venedigs den Stempel seines Geistes aufprägte. Er ist einer der glänzendsten Vertreter der italienischen Hochrenaissance und verbindet in seinen Bauwerken fruchtbare Phantasie und Eleganz der Formen mit monumentaler Wirkung, während seine plastischen Arbeiten oft nur auf eine gefällige dekorative Wirkung berechnet sind und deshalb eine gründliche Durchbildung vermissen lassen, auch oft in Manieriertheit übergehen. Seine vornehmsten Bauschöpfungen sind: der Palast Corner (1532), die Markusbibliothek, ein Prachtwerk der italienischen Renaissance (seit 1536, s. Tafel "Baukunst XII", Fig. 3), die Zecca (Münze), die Loggetta auf der Piazzetta (1540, mit vier Bronzefiguren von ihm) und die Kirchen San Martino, San Giorgio de' Greci und San Giuliano. Von seinen in Venedig ausgeführten plastischen Werken sind noch zwei Reliefs der Grablegung und Auferstehung Christi an der Bronzethür der Sakristei von San Marco, ein sitzender Johannes in Santa Maria dei Frari, die Statuen der Hoffnung und der Liebe am Grab des Dogen Venier in San Salvatore und die beiden Giganten (Mars und Neptun) auf der Riesentreppe des Dogenpalastes hervorzuheben. Er starb 27. Nov. 1570. Vgl. Rosenberg in Dohmes "Kunst und Künstler", 3. Teil.

Sans pareil (franz., spr. ssang paräj), ohnegleichen.

Sans phrase (franz., spr. ssang frahs'), "ohne Redensart", eine Verkürzung von: "la mort sans phrase", mit welchen Worten Sieyès in der Konventsitzung vom 17. Jan. 1793 für den Tod Ludwigs XVI. gestimmt haben soll (was aber von ihm selbst entschieden in Abrede gestellt worden ist).

Sanssouci (spr. ssangssussih, "Sorgenfrei"), königl. Lustschloß bei Potsdam, vor dem Brandenburger Thor, berühmt als Lieblingsaufenthalt Friedrichs d. Gr., später Sommerresidenz des Königs Friedrich Wilhelm IV., ward 1745 angelegt und 1747 nach dem Plan Knobelsdorfs ^[richtig: Knobelsdorffs] vollendet. Es steht auf dem Plateau der sogen. Terrasse von S., einem 20 m hohen Hügel mit reizender Aussicht. Das Hauptgebäude, 97 m lang und 15 m tief, ist nur ein Stockwerk hoch und hat an den Flügeln eine kleine Rundung mit einer Nische, in der Mitte der nach dem Garten zugekehrten Fronte eine flachrunde Ausbiegung mit einer Kuppel, die von kolossalen Karyatiden getragen wird, und an der andern, dem Ruinenberg zugekehrten Fronte eine einen Halbkreis bildende Kolonnade von 88 korinthischen Säulen. Die Anlagen von S., ursprünglich in französischem Geschmack, später von Lenné zu einem englischen Park umgestaltet, haben reizende Prospekte und enthalten viele Marmorstatuen. Vor der Schloßterrasse befindet sich ein großes Bassin, aus welchem eine Fontäne bis zu 37 m Höhe emporsteigt. Kleinere, aber interessante Baulichkeiten im Park sind: das Japanische Haus, der Tempel der Freundschaft mit der Statue der Markgräfin von Baireuth, der Schwester Friedrichs d. Gr., das Mausoleum mit dem Marmorbild der Königin Luise (von Rauch), die Neptuns- oder Muschelgrotte u. a. m. Westlich vom Schlosse steht die durch Anekdoten bekannte Windmühle. Darauf folgen neue Anlagen, der Sizilianische und der Nordische Garten und das 298 m lange Orangeriehaus, ein neuer, 1856 vollendeter Bau, dessen Mittelkörper ein reichgegliedertes Atrium mit Vestibulum bildet, auf dessen Dach sich zwei turmartig konstruierte Oberbauten erheben. In dem sehr reich dekorierten Saal dieses Hauptteils ist eine Raffaelgalerie aufgestellt, d. h. eine Sammlung sorgfältiger Kopien von 45 der berühmtesten Bilder des Meisters. Die langen Seitenbauten, mit 16 Marmorstatuen in Nischen geziert, sind bestimmt, die große Kollektion von Orangenbäumen zu überwintern, welche während des Sommers die Terrassen vor dem Schlosse schmücken. Vor dem Säulenhof der Orangerie steht die Marmorstatue Friedrich Wilhelms IV. (von Bläser, 1873). An dem westlichen Ende des Gartens liegt das prachtvolle Neue Palais, 1763-70 erbaut, von Kaiser Friedrich nach seiner Thronbesteigung Schloß Friedrichskron genannt. Neue Parkanlagen nach W. zu sind im Entstehen begriffen. Vgl. das Kärtchen bei Potsdam.