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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Satyriasis; Sátyrn; Satz

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Satyriasis - Satz.

Gattung angehörigen Dichtungen ist uns nur ein Stück, der "Kyklops" des Euripides (1882 in neuer Bearbeitung von Wilbrandt mit großem Erfolg auf dem Wiener Burgtheater aufgeführt), erhalten; von andern besitzen wir nur unbedeutende Bruchstücke oder bloße Titel. Die Sprache und selbst der Stoff hatte in den Satyrdramen im allgemeinen die Farbe der Tragödie, natürlich mit den durch den heitern Charakter und den Zweck des Satyrdramas (Ergötzung der Zuschauer) bedingten notwendigen Änderungen, denn durch diese Dramen sollte die durch die vorhergehenden Tragödien gepreßte Stimmung wieder gelöst und befreit werden. Die Personen agierten stets unter freiem Himmel, in der Einsamkeit waldiger Landschaften, von den bockartigen Springern des ländlichen Dionysos, den Satyrn, umgeben. Die mythischen Personen waren dieselben wie in der Tragödie, nur mußten sie ihren erhabenen Ton, damit derselbe mit dem Chor der Satyrn nicht zu sehr kontrastiere, etwas herabstimmen. Auch märchenhafte Volkssagen, einheimische und ausländische, bildeten den Inhalt vieler Satyrdramen. Der Tanz im S. hieß Sikinnis und war rasch und scherzhaft, ohne alles Pathos, die ernsthaften Bewegungen öfters ins Lächerliche ziehend. Vgl. Wieseler, Das Satyrspiel (in "Göttinger gelehrte Studien", Bd. 2); Fritzsche, De scriptoribus satyricis (Leipz. 1863).

Satyriasis (griech.), Männergeilheit, Bezeichnung für den abnorm gesteigerten Geschlechtstrieb der Männer. Die S. entspricht einigermaßen der Nymphomanie beim weiblichen Geschlecht. Merkwürdig ist das Auftreten der hochgradigsten S. bei Männern, die sonst gesund und nicht zu Ausschweifungen geneigt sind, nach Verletzungen des Hinterhaupts und gewissen Affektionen des kleinen Gehirns. Die S. ist ein Krankheitssymptom, welches bei verschiedenen Geistesstörungen zur Beobachtung kommt.

Sátyrn (Satyri), in der griech. Mythologie Waldgeister im Gefolge des Dionysos, nach einigen Söhne des Hermes und der Iphthime oder des Silenos, mutwillige Gesellen von robuster, ungeschlachter Gestalt, mit struppigem Haar, stumpfer, aufgeworfener Nase, zugespitzten Ohren und einem Ziegenschwänzchen oder kleinen Pferdeschweif. Genossen des Dionysos, lieben sie den übermäßigen Genuß des Weins und erscheinen bald mit dem Pokal, bald in bacchischem Taumel mit dem Thyrsos, bald dem Schlaf ergeben, bald kelternd, auch auf der Flöte blasend oder das Cymbalum schlagend, öfters auch mit den Nymphen zu raschen Tänzen vereinigt oder diese lüstern verfolgend oder unter des Dionysos Anführung mit den feindlichen Tyrrhenern kämpfend; sie zeigen sich als den Menschen feindliche, Schrecken erregende Dämonen. Die ältern S. werden vorzugsweise Silene (s. Silen) genannt und haben meist Glatzen und Bärte; die jüngern heißen Satyrisken. Ihrem Wesen nach sind sie die Repräsentanten des üppigen und ausgelassenen Naturlebens, die rohere Seite dessen, was bei Dionysos veredelt und verklärt erscheint. In späterer Zeit sind S. und Satyrisken oft mit den Panen und Panisken verwechselt und infolge davon mit Hörnern und Bocksfüßen dargestellt, von römischen Dichtern auch mit den Faunen identifiziert worden. - Die griechische Kunst kennt in der ältern Zeit nur bärtige Silene, in welchen das tierische Element oft zum häßlich Grotesken ausgeprägt ist. Im Lauf der Zeit gewinnt dann daneben eine jugendlichere Form der S. Geltung, in der das Tierische nur leise angedeutet auftritt, und deren schadhafte Anmut den Satyr als würdigen Gespielen des Weingottes erscheinen läßt. Erstere Auffassung zeigt die vortreffliche Marmorbüste der Münchener Glyptothek (Fig. 1), die von ihren zufälligen Flecken den Namen Il fauno colle macchie führt. Den schönsten Satyrtypus bildete aber Praxiteles aus; ihm verdanken wir den an den Baumstamm gelehnten, träumerischen Satyr (Fig. 2), der in unzähligen Kopien erhalten ist, von dessen Original aber auch der Torso auf dem Palatin in Rom (jetzt im Louvre zu Paris) wieder aufgefunden wurde, sowie den herrlichen, nur in Nachbildungen auf uns gekommenen Satyr als Mundschenk, die Kanne erhebend, um in das Trinkhorn einzugießen (besterhaltene Dublette im Berliner Museum).

^[Abb.: Fig. 1. Satyr (Fauno colle macchie, München). Fig. 2. Satyr des Praxiteles (Rom, Kapitol).]

Satz, in der Grammatik ein in Worten ausgedrücktes Urteil. Nach der Lehre der ältern Grammatik muß ein vollständiger S. immer mindestens Subjekt, Prädikat u. Kopula enthalten; doch hat die vergleichende Sprachwissenschaft gezeigt, daß es auch Sprachen gibt, wie z. B. die der amerikanischen