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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Savonarola; Savonette; Savoyen

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Savonarola - Savoyen.

Savonarola, Girolamo, berühmter ital. Reformator, geb. 21. Sept. 1452 zu Ferrara, Sprössling einer angesehenen Familie in Padua. Ernsten Gemüts, wurde er schon früh von dem eitlen Treiben der Welt abgestoßen und zu düsterer Andacht hingetrieben, welche, durch verschmähte Liebe gesteigert, ihn veranlaßte, 25. April 1475 zu Bologna in ein Dominikanerkloster zu treten. Seine eifrigen Studien belehrten ihn hier über die Schäden der Kirche und veranlaßten ihn zu einem Gedicht: "Über den Ruin der Kirche". Der Krieg trieb ihn 1482 nach Florenz, wo er in das Kloster von San Marco trat, und von wo er Reisen unternahm, um erschütternde Predigten gegen die Laster der Welt und das Verderben der Kirche zu halten. 1490 kehrte er auf Wunsch des Lorenzo de' Medici nach Florenz zurück und ward zum Prior des Klosters San Marco erwählt. Nun entfaltete er als Lehrer, Schriftsteller und Prediger eine außerordentliche Thätigkeit; er drang vor allem statt der äußerlichen Religionsübung auf inbrünstiges Gebet mit Glaubens- und Liebeswerken, auf Liebe und Hingebung an Christus; schonungslos enthüllte er die Gebrechen in der Politik und in der Religion und forderte die Freiheit der Völker als ein göttliches Recht. Erst mit dem Erscheinen der Franzosen in Italien und der Vertreibung der Medici (1494) aber begann seine großartige politische Wirksamkeit. Geistliches und Weltliches verknüpfend, gedachte er Staat und Kirche zu einem theokratisch-republikanischen, auf Volkssouveränität sich gründenden Gemeinwesen zusammenzuschmelzen. Seine Anhänger, welche in ihm einen Propheten verehrten, erhielten wegen ihrer asketischen Lebensweise den Beinamen der "Mönchischen" (frateschi) oder der "Heuler" (piagnoni), während ihre aristokratischen Gegner die "Wütenden" (arrabbiati) hießen, unter welchen besonders die jüngern, die sogen. "schlechten Gesellen" (compagnacci), S. bitter haßten. Nicht minder ward dieser von den Klerikern angefeindet. Unter seinem Einfluß erließen die Behörden von Florenz Gesetze zum Behuf der Bestrafung auffälliger Laster und zur Hebung der Zucht und Sitte: Karten- und Würfelspiele wurden verboten, Buhldirnen verjagt, anstößige Gemälde, musikalische Instrumente, insbesondere auch Exemplare des Boccaccio etc. am Karnevalstag unter Absingung von Psalmen verbrannt ("Auto da Fé der Eitelkeiten") etc. Aber bald gab der Wechsel der obrigkeitlichen Ämter den Feinden Savonarolas die öffentliche Gewalt in die Hände, und die Gesellschaft der Compagnacci machte nun einen Anschlag, ihn am Himmelfahrtstag 1497 auf der Kanzel zu ermorden; S. ward jedoch in dem dadurch veranlassten Tumult durch die Entschlossenheit einiger Freunde gerettet. Die Signoria aber nahm von diesem Vorfall Anlaß, ihm das fernere Predigen zu verbieten, und der Papst Alexander VI., den er schonungslos angegriffen, der ihn aber anfangs für sich zu gewinnen versucht hatte, sprach 12. Mai den Bann über ihn aus. S. beschäftigte sich nun mit Abfassung seiner Schrift "Triumph des Kreuzes". Schon im Februar 1498 aber betrat er wieder die Kanzel, um schonungsloser als je die Verderbtheit der römischen Kirche anzugreifen, und forderte in Briefen an die Könige ein freies Konzil. Auch unter den Mönchen, namentlich unter den Franziskanern von der strengen Observanz, hatte er sich viele Feinde gemacht. Als nun ein Mönch seines Klosters, Fra Domenico, zum Beweis, daß die Lehren und Prophezeiungen seines Meisters wahr seien, durch das Feuer zu gehen sich erbot, wenn einer von der Gegenpartei deren Recht durch dieselbe Probe zu erhärten bereit sei, nahm ein Franziskanermönch die Herausforderung an; doch kam das Gottesurteil nicht zur Ausführung, weil Domenico eine Hostie mit sich ins Feuer nehmen wollte. Das Volk, welches in der Erwartung, es werde zu Savonarolas gunsten ein Wunder geschehen, in Masse zusammengeströmt war, fing jetzt an, an seiner göttlichen Sendung, zu zweifeln, und dadurch bekamen die Compagnacci die Oberhand. Am 8. April 1498 ward das Kloster San Marco erstürmt, S. gefesselt nach dem Palast der Signoria geführt und vor ein Gericht gestellt, welches aus lauter entschiedenen Widersachern des Angeklagten bestand. Um Geständnisse zu erpressen, wandte man die Folter gegen ihn an. Aber selbst durch so schmähliches Verfahren ergab sich kein hinreichender Grund zu Savonarolas Verdammung. Der Papst indes, dem die Akten mitgeteilt wurden, verurteilte ihn als Ketzer, Schismatiker, Kirchenstörer und Volksverführer. Darauf ward er 23. Mai mit seinen Genossen Domenico da Pescia und Sylvester Maruffi erst gehenkt und dann verbrannt. 1875 wurde ihm in Ferrara eine Marmorstatue errichtet. Eine Sammlung seiner Werke, vornehmlich solcher von philosophischem und asketischem Inhalt, erschien Lyon 1633-40, 6 Bde.; 1846, 4 Bde.; seine "Erwecklichen Schriften" übersetzte Rapp (Stuttg. 1839). Vgl. außer den ältern Biographien von Rudelbach (Hamb. 1835) und F. K. Meier (Berl. 1836) besonders Villari, La storia di G. S. e de' suoi tempi (2. Aufl., Flor. 1887, 2 Bde.; deutsch, Leipz. 1868, 2 Bde.); Clark, S., his life and times (Lond. 1878); Hase, Neue Propheten (2. Aufl., Leipz. 1860). Eine poetische Verherrlichung fand S. durch Nikolaus Lenau.

Savonette (franz.), Seifen-, Fleckkugel.

Savoyen (franz. Savoie, ital. Savoja), früher zum Königreich Sardinien gehöriges Herzogtum, das eigentliche Stammland des italienischen Königshauses, durch Vertrag vom 24. März 1860 an Frankreich abgetreten, liegt zwischen der Schweiz, Piemont und den französischen Departements Isère und Ain und hat einen Flächenraum von 10,074 qkm (183 QM.) mit (1886) 542,446 Einw. S. ist das höchst gelegene Land Europas und wird hauptsächlich von den Savoyer Alpen (mit dem Montblanc, 4810 m), im SO. auch von den Grajischen Alpen (mit der Grande Sassière, 3756 m, und den Pässen des Kleinen St. Bernhard und des Mont Cenis) erfüllt und im SW. von den Kottischen Alpen (mit dem Mont Tabor, 3173 m) berührt. Die Savoyarden, ein armes, aber ehrliches, genügsames und fleißiges Volk, sprechen ein französisches Patois, unter das italienische Wörter gemischt sind, und gehören der römisch-katholischen Kirche an. Da sie im Land keinen ausreichenden Unterhalt finden, so wandern sie massenweise in andre Länder oder nach dem innern Frankreich, besonders nach Paris, um in niedern Diensten, als Schornsteinfeger, Schuhputzer etc., sich einiges Geld zu erwerben, womit sie dann in die Heimat, an der sie sehr hängen, zurückzukehren pflegen. Das ehemalige sardinische Herzogtum S. bildet gegenwärtig die beiden französischen Departements Obersavoyen und S.

Das Departement Obersavoyen (Haute-Savoie) ist aus dem nördlichen Teil des Landes gebildet, grenzt im N. an den Kanton Genf und den Genfer See, im O. an den Kanton Wallis und die italienische Provinz Turin, im Süden an das Departement S., im W. an das Departement Ain und hat einen Flächenraum von 4315 qkm (78,36 QM.). Es ist durchgehends Gebirgsland, enthält im SO. die Montblancgruppe, hat reizende Thäler (darunter das be-^[folgende Seite]