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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Scaligergräber; Scalpa; Scalpay; Scammonium; Scammoniumwurzel; Scamozzi; Scandens; Scandia; Scandiano; Scansores; Scanzoni von Lichtenfels

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Scaligergräber - Scanzoni von Lichtenfels.

Altertums angeeignet. Außer einigen philosophischen Schriften und einigen für Physik und Naturgeschichte nicht wertlosen Kommentaren zu Schriften des Hippokrates, Aristoteles und Theophrast sind von seinen Werken hervorzuheben: "De causis linguae latinae" (Lyon 1540, Genf 1580, Heidelb. 1623); "Poetices libri VII" (das. 1561 u. öfter) und "Epistolae" (Leiden 1600). Seine "Lettres grecques à Imbert" erschienen Bordeaux 1877. Vgl. A. Magen, Documents sur J. C. S. et sa famille (Agen 1880).

2) Joseph Justus, berühmter franz. Philolog, Sohn des vorigen, geboren in der Nacht vom 4. bis 5. Aug. 1540 zu Agen, widmete sich in Bordeaux und Paris (unter Turnèbe) dem Studium der klassischen Sprachen und der orientalischen Litteratur, reiste 1565 als Begleiter des nachmaligen Bischofs von Poitiers und 1566 nach England und Schottland, studierte 1570 (unter Cujacius) in Valence und bekleidete 1572-74 eine Professur zu Genf. Die folgenden 20 Jahre lebte er an verschiedenen Orten, besonders im südlichen Frankreich; 1593 wurde er, nachdem er zur protestantischen Kirche übergetreten, an Lipsius' Stelle nach Leiden berufen und blieb dort bis zu seinem Tod 21. Jan. 1609. S. kam an Gelehrtenstolz und Streitsucht seinem Vater mindestens gleich, an Gelehrsamkeit und Genialität hat er ihn weit übertroffen; er ist einer der größten Philologen. Er handhabte die höhere und niedere Kritik mit gleicher Virtuosität; er eroberte seiner Wissenschaft weite Gebiete und schuf der Epigraphik und Numismatik, ganz besonders aber der Chronologie festere Grundlagen. Von seiner unglaublichen Vielseitigkeit geben besonders seine kleinen Schriften: "Opuscula varia antehac non edita" (von Casaubonus, Par. 1610), ergänzt durch "Scaligerana nusquam antehac edita" (von T. Faber, Groning. 1669 und Utrecht 1670), und seine "Epistolae" (Leiden 1627) beredtes Zeugnis, die sich beide auch durch Eleganz des lateinischen Ausdrucks auszeichnen. Von seiner Sprachgewandtheit zeugen auch seine Übersetzungen aus dem Griechischen ins Lateinische und umgekehrt (so die des Lykophron, der Orphischen Hymnen, des "Aias" von Sophokles, der Epigramme des Martial u. a.). Seine Hauptthätigkeit zerfällt in zwei große Teile, in Kritik und Interpretation von Schriftstellern und in Bearbeitung und Systematisierung wissenschaftlicher Disziplinen. Auf dem erstgenannten Gebiet sind hervorzuheben: "Conjectanea in Terentium Varronem de lingua latina" (Par. 1565); "Vergilii Catalecta" (Leiden 1573); "Festus" (Par. 1576); "Catullus, Tibullus, Propertius" (das. 1577); "Manilii Astronomicon" (das. 1579); "Emendationes in Theocritum, Moschum et Bionem" (das. 1588); "Publilius Syrus" (Leiden 1598); "Apulejus" (das. 1600); "Caesar" (das. 1606) u. a. Auf dem zweiten Gebiet ist vor allem zu nennen sein Werk "De emendatione temporum" (Par. 1583, am besten Genf 1629) und dessen Ergänzung: "Thesaurus temporum, complectens Eusebii Pamphili Chronicon" (Leiden 1606, 2 Bde.; 2. Aufl., Amsterd. 1658); dann die 24 Indices zu der von Gruter besorgten und von S. geleiteten großen Inschriftensammlung ("Thesaurus inscriptionum", Heidelb. 1602), eine Riesenarbeit, und die (posthumen) Abhandlungen: "De re nummaria" (Leiden 1616) und "De arte critica diatriba" (das. 1619). Seine "Lettres françaises inédites" gab neuerdings Ph. Tamizey de Larroque (Par. 1881) heraus. Vgl. Bernays, Joseph Justus S. (Berl. 1855).

Scaligergräber, s. Scala.

Scalpa, schott. Insel, eine der äußern Hebriden, an der Mündung des östlichen Loch Tarbert, 8 qkm groß, niedrig, mit Leuchtturm und (1881) 540 Einw.

Scalpay (spr. skállpe), schott. Insel, eine der innern Hebriden, von der Insel Skye durch den austernreichen Scalpaysund getrennt, ist 20 qkm groß, 303 m hoch und hat (1881) 37 Einw.

Scammonium (v. griech. skamma, das Gegrabene, Diagrydium), Gummiharz, der eingetrocknete Milchsaft von Convolvulus Scammonia L., welcher in der Gegend von Smyrna und Aleppo aus der durch Graben bloßgelegten Wurzel mittels Einschnitte gewonnen und in Muschelschalen aufgefangen wird. Das S. ist bräunlichgelb bis dunkelbraun oder fast schwarzgrün, mehr oder weniger durchscheinend, häufig etwas blasig (schlechte Qualität), auf der Oberfläche meist gräulich bestäubt. Es gibt ein hellgraues, kratzend schmeckendes Pulver und riecht dem rohen Jalappenharz ähnlich. Mit wenig Wasser bildet es eine Emulsion oder doch eine klebrige, fadenziehende Masse. Es besteht wesentlich aus Jalappin und enthält außerdem etwa 10 Proz. Gummi, flüchtige Fettsäuren etc. S. ist ein sehr altes Arzneimittel, das aber schon zur Zeit des Dioskorides ebenso vielfach verfälscht wurde wie noch jetzt. Im Handel kommen Sorten vor, welche statt 80-90 Proz. nur 25 Proz. Harz an Äther abgeben. Man hat deshalb seit 1856 angefangen, getrocknete Wurzeln nach Europa zu bringen und aus diesen reines Harz (wie Resina Jalapae) darzustellen. Dies Patentscammonium (Resina Scammonii) löst sich vollständig in Äther, läßt sich nicht in Emulsion bringen und riecht weniger unangenehm als das Gummiharz. Man benutzt S. als drastisches Abführmittel.

Scammoniumwurzel, s. Convolvulus.

Scamozzi, Vincenzo, ital. Architekt, geb. 1552 zu Vicenza, bildete sich bei Sansovino in Venedig und hat dort zahlreiche Bauten im Stil der Spätrenaissance und im Barockstil ausgeführt; starb 1616 daselbst. Sein Hauptwerk sind die Neuen Prokurazien auf dem Markusplatz zu Venedig. Er gab heraus: "Idea dell' architettura" (Venedig 1615).

Scandens (lat.), s. Kletternd.

Scandia (Scandinavia), bei den Alten Name des südlichen Schweden (Landschaft Schonen).

Scandiano, Flecken in der ital. Provinz Reggio nell' Emilia, am Tresinaro und an der Bahnlinie Reggio-Ventoso, mit Gymnasialschule, altem Schloß (wo Petrarca Aufnahme fand), Weinbau, Seidenfilanden und (1881) 1118 Einw. S. ist der Geburtsort des Dichters Bojardo und der Naturforscher Vallisneri und Spallanzani.

Scansores, s. v. w. Klettervögel.

Scanzoni von Lichtenfels, Friedrich Wilhelm, Mediziner, geb. 21. Dez. 1821 zu Prag, wurde nach Vollendung seiner medizinischen Studien daselbst Assistent und Sekundärarzt an der dortigen Entbindungsanstalt, erhielt dann die Leitung der Frauenabteilung des Krankenhauses und folgte 1850 einem Ruf als Professor der Geburtshilfe und Direktor der geburtshilflichen Klinik nach Würzburg. S. ist eine der ersten Autoritäten in seinem Fach und weltbekannter Arzt für Frauenkrankheiten. Er schrieb: "Lehrbuch der Geburtshilfe" (Wien 1849-52, 3 Bde.; 4. Aufl. 1876), "Kompendium der Geburtshilfe" (2. Aufl., das. 1861), "Lehrbuch der Krankheiten der weiblichen Sexualorgane" (5. Aufl., das. 1875), "Krankheiten der weiblichen Brüste und Harnwerkzeuge" (2. Aufl., Prag 1859), "Chronische Metritis" (Wien 1863) u. a. und gab "Beiträge zur Geburtskunde und Gynäkologie" (Würzb. 1854-73, 7 Bde.) heraus.