Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

367

Scarpa - Scaurus.

Klavierspiels vom Orgelspiel herbei, welche bis zu seiner Zeit kaum unterschieden waren.

Scarpa, Antonio, berühmter Anatom und Chirurg, geb. 13. Juni 1747 zu Motta in der Mark Treviso, studierte zu Padua und Bologna, wurde 1772 Professor der Anatomie in Modena, wo er die medizinischen Unterrichtsanstalten und Einrichtungen wesentlich verbesserte und ergänzte, 1784, nachdem er Frankreich, Holland und England bereist hatte, Professor der Anatomie in Pavia, 1804 erster Wundarzt Napoleons, trat 1812 in den Ruhestand, war aber später noch kurze Zeit Direktor der medizinischen Fakultät in Pavia. S. starb 31. Okt. 1832 auf seinem Landsitz in Bonasco. Er schrieb: "Observationes de structura fenestrae rotundae" (Modena 1772); "Anatomicae disquisitiones de auditu et olfactu" (Pavia 1789); "Tabulae neurologicae ad illustrandam historiam cardiacorum nervorum" (das. 1794); "De anatome et pathologia ossium" (das. 1827); "Sulle principali malattie degli occhi" (5. Aufl., das. 1816, 2 Bde.); "Sull' ernie" (2. Aufl., das. 1820). Mehrere seiner Schriften wurden von Seiler und Thieme übersetzt (Leipz. 1828-31, 2 Bde.). Gesamtausgabe seiner Werke von Vacconi (Flor. 1836, 3 Bde.). Vgl. Cemio, Sulla vita e sulle opere del S. (Pavia 1832); Tagliaferri, Vita di S. (Mail. 1834).

Scarron (spr. -rong), Paul, franz. Dichter und Schriftsteller, geb. 1610 zu Grenoble, trat früh in ein Kloster und erhielt auf einflußreiche Fürsprache ein Kanonikat. Ein Karnevalscherz zog ihm eine Krankheit zu, die ihm Hände und Füße lähmte und ihn fast ohne Unterbrechung bis an seinen Tod quälte. Mit seltener Charakterstärke trug er jedoch sein herbes Schicksal, bewahrte seine heitere Laune und widmete sich zu Paris einer poetischen Produktion der launigsten Art, wobei ihm seine Kenntnis der italienischen und spanischen Litteratur sehr zu statten kam. In seiner Mittellosigkeit um eine Pension nachsuchend (da seine Stiefmutter ihn um sein väterliches Erbe betrogen hatte), ward er durch eine Hofdame der Königin vorgestellt, und es wurde ihm von dieser die sonderbare Gnadenerweisung zu teil, sich fortan "Von Gottes Gnaden Kranker der Königin" nennen zu dürfen, ein Titel, dem er später noch den eines "Paladins der Königin Christine", die ihn besucht hatte, hinzufügte. Da Mazarin die Widmung des komischen Gedichts "Le Typhon, ou la Gigantomachie" (1644) unbeachtet ließ, trat er zur Fronde über und züchtigte ihn in dem scharfen Pamphlet "Mazarinade" (1649). Ein wirklich verdienstvolles Werk ist der "Roman comique" (1651, neue Ausg. 1857; deutsch von Saar, Stuttg. 1887, 3 Bde.), der in ergötzlicher Weise das Leben wandernder Schauspieler und die Thorheiten der kleinstädtischen Gesellschaft damaliger Zeit schildert und auf die Ausbildung der französischen Sprache mächtig eingewirkt hat. Großen Beifall beim Publikum fanden auch seine meist spanischen Mustern nachgebildeten Komödien: "L'héritier ridicule", "Jodelet", "Don Japhet", "L'écolier de Salamanque", "Le marquis ridicule" u. a., ganz besonders aber seine (unvollendete) Travestie des Vergil (1648-1651, zuletzt 1858), welche witzig und unterhaltend ist, durch ihre Geschmacklosigkeiten aber oft abstoßend wirkt. 1652 verheiratete sich S. mit Fräulein d'Aubigné, der spätern Madame Maintenon, und verlor hierdurch sein Kanonikat. Um seiner finanziellen Bedrängnis abzuhelfen, bemühte er sich, durch Lobgedichte und Zueignungsschriften an hohe Gönner sich Remunerationen zu verschaffen, und man kann nicht leugnen, daß jene oft mit der Unverschämtheit eines Spaßmachers und mit der Gemeinheit eines Bettlers geschrieben sind. Er starb 16. Okt. 1660. Seine "Oeuvres complètes" wurden herausgegeben von Bruzen de la Martinière (Amsterd. 1737, 10 Bde.; 1786, 7 Bde.), von Baumet (1877, 2 Bde.); einen Band "Scarroniana" stellte Cousin d'Avallon (Par. 1801) zusammen. Vgl. Christian, Étude sur S. (Par. 1841); "Morillot, S. et le genre burlesque" (das. 1888).

Scartazzini, Joh. Andreas, Literarhistoriker und Publizist, geb. 30. Dez. 1837 zu Bondo im Bergell (Graubünden), studierte in Basel und Bern Theologie, wurde dann Pfarrer im Kanton Bern, 1871 Professor der italienischen Sprache an der Kantonschule zu Chur und übernahm 1875 die Pfarrerstelle in Soglio, die er 1884 mit der in Fahrwangen-Meisterschwanden am Hallwyler See im Aargau vertauschte. S. hat sich besonders durch geschätzte Werke über Dante bekannt gemacht: "Dante Alighieri, seine Zeit, sein Leben und seine Werke" (Biel 1869; 2. Aufl., Frankf. 1879), "Abhandlungen über Dante" (das. 1880), "Dante in Germania. Storia letteraria e bibliografica Dantesca alemanna" (Mail. 1880-1883, 2 Bde.), "Dante. Vita ed opere" (das. 1883, 2 Bde.), und auch selbst eine kritische Ausgabe der "Divina commedia", mit umfassendem Kommentar (Leipz. 1874-82, 3 Bde.), geliefert. Von seiner Thätigkeit in der italienischen Litteratur zeugen noch Ausgaben von Tassos "Gerusalemme liberata" (2. Aufl., Leipz. 1882), Petrarcas "Canzoniere", mit Kommentar (das. 1883), u. a. sowie zahlreiche Aufsätze in der "Rivista internazionale", die er 1876 mit Fanfani u. a. gründete, und in der später mit dieser vereinigten "Rivista europea". Andre Schriften von ihm sind: "Streitblätter zum Frieden" (Biel 1866); "Giordano Bruno" (das. 1867); "Die theologisch-religiöse Krisis in der Bernischen Kirche" (das. 1867); "Il processo di Galileo Galilei" (Flor. 1878) etc.

Scarus, Papageifisch.

Scaurus, Marcus Ämilius, röm. Staatsmann und Feldherr, geb. 163 v. Chr., schwang sich als Sprößling einer verarmten patrizischen Familie zu den höchsten Ehrenstellen und zu großem Reichtum empor, ward 123 kurulischer Ädil, 120 Prätor, nach einem glücklichen Krieg, den er 115 als Konsul in Gallien geführt hatte, Princeps senatus, 109 Zensor und 107 zum zweitenmal Konsul. Er war einer der angesehensten Männer seiner Zeit und wird besonders von Cicero häufig rühmend erwähnt, obwohl auch er im Jugurthinischen Krieg 111 als Legat des Konsuls Calpurnius Bestia sich derselben Bestechlichkeit wie viele andre Männer der Senatspartei schuldig machte. - Sein Sohn Marcus S. ward, da sich seine Mutter Cäcilia 88 mit Sulla verheiratete, des letztern Stiefsohn. Er vermehrte im dritten Kriege gegen Mithridates als des Pompejus Quästor den ererbten Reichtum, um ihn dann 58 als kurulischer Ädil durch die übertriebensten Aufwendungen zur Befriedigung der Schaulust des Volkes zu verschwenden. So errichtete er z. B. ein hölzernes Theater, welches 80,000 Menschen faßte, und dessen Bühne mit 360 Marmorsäulen, mit 3000 ehernen Bildsäulen und mit den kostbarsten Gemälden, Mosaiken und Teppichen verziert war, und bei den Spielen des Zirkus ließ er 150 Panther, 5 Krokodile und ein Nilpferd auftreten. Nachdem er 56 die Prätur bekleidet hatte, fand er in Sardinien Gelegenheit, sich wieder zu bereichern. Daher wegen Erpressung angeklagt, ward er von Cicero und Hortensius verteidigt und zwar von dieser Anklage freigesprochen, hingegen wegen Amtserschleichung zum Exil verurteilt. Ausgezeichnet durch Pracht