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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Scherg - Scherr.

1863); "Die Schlacht bei Beaune la Rolande" (das. 1872); "Studien zur neuern Infanterietaktik" (das. 1873-74, 4 Hefte); "Zwei- oder dreigliederig?" (das. 1874); "Die Infanterie auf dem Exerzierplatz" (das. 1875); "Die Lehre von der Truppenverwendung als Vorschule für die Kunst der Truppenführung" (das. 1876-79, 2 Bde.; 2. Aufl. u. d. T.: "Von der Kriegsführung", 1883); "Einige taktische Grundsätze als Anhalt für die Ausbildung der Infanterie" (das. 1879).

Scherg, s. Stör.

Schergenbach, der Fluß des Val Samnaun in Graubünden, liegt bei dem Thalort Samnaun 1832, noch bei Compatsch 1704 m ü. M. und mündet außerhalb der Schlucht von Finstermünz in den Inn. Die Thalbewohner bilden ein rein deutsch gewordenes, katholisches Hirtenvölkchen von 310 Seelen.

Schergi (arab.), s. v. w. Osten.

Scheria, in der myth. Geographie der Griechen eine reich gesegnete Insel, auf welcher sich die Phäaken (s. d.) unter ihrem König Nausithoos niedergelassen hatten. Hierher kam auch Odysseus auf seinen Irrfahrten. Obschon die Insel bloß auf dichterischer Erfindung beruht, ist sie doch von den Alten übereinstimmend für Kerkyra (Korfu) gehalten worden.

Scheriat (Scheri, arab.), Gesamtbenennung der bürgerlichen und kirchlichen Gesetze der Mohammedaner, welche teils auf dem Koran, teils auf den Traditionen beruhen. Neben dem S. gilt noch der Kanun, eine Sammlung von Sultan Suleiman d. Gr. festgesetzter und zuerst in Anwendung gebrachter bürgerlicher Gesetze, ferner Adet, das Gewohnheitsrecht, und Urf, die willkürliche Gewalt des Oberherrn. Seit Einführung des Tanzimats (s. d.) besteht ein beständiger Kampf zwischen dem S. und dem neuen, dem Code Napoléon nachgebildeten osmanischen Gesetzbuch.

Scheriat el Kebir ("der große Tränkplatz"), arab. Name des Jordans (oft auch nur Esch Scheria).

Scherif (arab., "edel"), s. Seïd.

Scherm, die dem Hangenden oder Liegenden zugekehrte Fläche einer Lagerstätte.

Schermaschine, Vorrichtung zum gleichmäßigen Abschneiden (Scheren) der Fäserchen an der Oberfläche von Geweben und zur Erzeugung einer gleichmäßigen Haardecke aus den durch Rauhen aufgerichteten Härchen. Das Werkzeug der S. ist der Schercylinder (s. Figur), der aus einer Walze mit mehreren (6) schraubenförmig aufgezogenen Messern (Schienen) besteht und durch Umdrehung gegen festliegende Messer (Lieger) zur Wirkung kommt. Man unterscheidet Längs- und Querschermaschinen, je nachdem das Gewebe den Schercylinder in der Längen- oder Querrichtung passiert.

^[Abb.: Schercylinder.]

Schermaus, s. Wühlmaus.

Scherr, 1) Ignaz Thomas, schweizer. Schulmann, geb. 15. Dez. 1801 zu Hohenrechberg in Württemberg, wurde 1825 als Direktor der Blindenanstalt in Zürich berufen, die auf seine Anregung 1826 zu einer Blinden- und Taubstummenanstalt erweitert wurde. Als 1830 das Züricher Staatswesen eine liberale Verjüngung durchmachte, wurde S. in den kantonalen Erziehungsrat und 1832 zum Direktor des neu gegründeten Schullehrerseminars in Küßnacht gewählt. In diesen Stellungen wirkte er unermüdlich für Verbesserung des Schulwesens und Hebung des Lehrerstandes. Durch den sogen. Septemberputsch (1839) verlor auch S. seine amtliche Stellung und zog sich nach Emmishofen bei Konstanz zurück. 1852-55 war er Präsident des Erziehungsrats im Thurgau. Inzwischen war 1846 in Zürich die freisinnige Partei wieder ans Ruder gekommen und führte Scherrs Pläne im Schulwesen durch, während dieser selbst, schwerhörig geworden, sich mehr und mehr auf die Schriftstellerei beschränkte. Er starb 10. März 1870. Seine Hauptwerke sind: "Handbuch der Pädagogik" (Zürich 1839-46, 3 Bde.); "Der schweizerische Bildungsfreund" (6. Aufl., das. 1877), ein vortreffliches Lesebuch, und "Meine Beobachtungen, Bestrebungen und Schicksale" (St. Gallen 1840).

2) Johannes, Schriftsteller, Bruder des vorigen, geb. 3. Okt. 1817 zu Hohenrechberg, besuchte das Gymnasium in Gmünd und die Universitäten zu Zürich und Tübingen, wirkte dann eine Zeitlang als Lehrer und ließ sich 1843 in Stuttgart nieder, wo er 1844 mit der großes Aufsehen erregenden Schrift "Württemberg im Jahr 1844" den politischen Kampfplatz betrat, auf dem er sich in den nächsten Jahren als Vorkämpfer aller freiheitlichen Bestrebungen wacker hervorthat. 1848 wurde er in die württembergische Abgeordnetenkammer und in den Landesausschuß gewählt und stand während der Revolutionszeit an der Spitze der demokratischen Partei, weshalb er nach Auflösung der Kammer 1849 nach der Schweiz flüchtete. Er ließ sich zunächst in Winterthur nieder, wo er längere Zeit schriftstellerisch thätig lebte, bis er 1860 als Professor der Geschichte und Litteratur an das eidgenössische Polytechnikum in Zürich berufen wurde. Hier starb er 21. Nov. 1886. Außer einer Reihe von Romanen und Erzählungen (darunter: "Schiller", Leipz. 1856; 2. Aufl. 1868, 4 Bde.; "Michel. Geschichte eines Deutschen unserer Zeit", Prag 1858, 4 Bde.; 5. Aufl., Leipz. 1878; "Rosi Zurflüh", Prag 1860; "Die Gekreuzigte", St. Gallen 1860; 2. Aufl., Leipz. 1874) sowie einigen humoristischen Schriften veröffentlichte er: "Bildersaal der Weltlitteratur" (Stuttg. 1848; 3. Aufl. 1884, 3 Bde.); "Deutsche Kultur- und Sittengeschichte" (Leipz. 1852-53, 9. Aufl. 1887); "Allgemeine Geschichte der Litteratur" (Stuttg. 1851; 7. Aufl. 1887, 2 Bde.); "Geschichte der deutschen Litteratur" (2. Aufl., Leipz. 1854); "Geschichte der englischen Litteratur" (das. 1854, 3. Aufl. 1883); "Geschichte der Religion" (das. 1855-57, 2 Bde.; 2. Aufl. 1859); "Dichterkönige" (das. 1855; 2. Aufl. 1861, 2 Bde.); "Geschichte der deutschen Frauenwelt" (das. 1860; 4. Aufl. 1879, 2 Bde.); "Schiller und seine Zeit" (illustrierte Quartausgabe, das. 1859, 2. Aufl. 1876; Volksausgabe, 4. Aufl. 1865); "Drei Hofgeschichten" (das. 1861, 3. Aufl. 1875); "Farrago" (das. 1870); "Dämonen" (das. 1871, 2. Aufl. 1878); "Blücher, seine Zeit und sein Leben" (das. 1862-63, 3 Bde.; 4. Aufl. 1887); "Studien" (das. 1865-66, 3 Bde.); "Achtundvierzig bis Einundfünfzig" (das. 1868 bis 1870, 2 Bde.; 2. Aufl. u. d. T.: "1848, ein weltgeschichtliches Drama", das. 1875); "Aus der Sündflutzeit" (das. 1867); "Das Trauerspiel in Mexiko" (das. 1868); "Hammerschläge und Historien" (Zürich 1872, 3. Aufl. 1878; neue Folge 1878); "Sommertagebuch des weiland Dr. gastros. Jeremia Saurampfer" (das. 1873); "Goethes Jugend" (Leipz. 1874); "Menschliche Tragikomödie", gesammelte Studien und Bilder (Gesamtausg., 3. Aufl., das. 1884, 12 Bde.); "Blätter im Winde" (das. 1875); "Größenwahn, vier Kapitel aus der Geschichte menschlicher Narrheit" (das. 1876); das Prachtwerk "Germania. Zwei Jahrtausende deutschen Lebens kulturgeschichtlich geschildert" (Stuttg. 1876 ff., 5. Aufl. 1882);