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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schießhütte; Schießpulver

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Schießhütte - Schießpulver.

keit des Treffens in umgekehrtem Verhältnis zu der Schußweite steht, so stellen sich praktisch der Zielgröße entsprechende Maximalschußweiten heraus. Beim indirekten S. befindet sich das Ziel hinter einer Deckung, wie die auf dem Wallgang der Festungen oder in Belagerungsbatterien aufgestellten Geschütze. Da das Ziel nicht sichtbar ist, so muß die Höhenrichtung, anstatt mit dem Aufsatz (s. Visier), mit dem Quadranten (s. d.) nach Graden genommen werden. Beim direkten S. dagegen ist das Ziel beim Richten des Geschützes über den Aufsatz sichtbar. Für das S. mit Handfeuerwaffen sind im allgemeinen die vorentwickelten Grundsätze zutreffend; jedoch ist die Treffwahrscheinlichkeit hier vorwiegend von dem guten Abkommen, d. h. davon abhängig, daß der Schütze richtig zielt, fest im Anschlag liegt, den Atem anhält, ruhig abdrückt und fest durchs Feuer sieht. Bei den Handfeuerwaffen ist ihrer beliebigen Elevationsfähigkeit wegen eine Totalschußweite erreichbar; sie beträgt beim deutschen Infanteriegewehr M/71 bei etwa 35° bis 3000 m, die Visiereinrichtung geht jedoch nur bis 1600 m (s. Visier). Das Einzelfeuer soll bei der deutschen Infanterie nur bis 450 m, darüber hinaus das Massenfeuer als Schwarmsalve oder Tirailleurfeuer zur Anwendung kommen. Bei letzterm soll die Truppe zwei oder mehrere Visiere anwenden, um eine größere von Geschossen bestreute Fläche zu bekommen. Da das S. nach der Scheibe (bei Schützenfesten) auf bestimmte Entfernungen und in der Regel mit aufgelegter Büchse geschieht, so sind hier die Bedingungen für das Treffen so günstig als möglich. Vgl. "Die Ausbildung im S." (Hannov. 1887, 2 Tle.); Brandeis, Handbuch des Schießsports (Wien 1881).

Schießhütte, eine Hütte, aus welcher man Füchse oder Wölfe erlegt. Man gräbt an einem von Wegen entfernten freien und ruhigen Ort eine etwa 2½ m im Quadrat große und tiefe Grube, schalt solche mit Holz aus und errichtet darüber ein Dach, welchem man durch Plaggen und Moos das Ansehen eines natürlichen Hügels gibt. Nach der Mittagsseite hin bringt man ein Schießloch, an der Mitternachtsseite eine Treppe nebst Thür an. In einer Entfernung von 25-30 Schritt vom Schießloch wird der Kadaver eines gefallenen Stückes Vieh so hingelegt, daß der Bauch der Hütte zugekehrt ist, weil die Füchse gern in das Luder hineinkriechen und dann nicht gegen den Schuß durch den Rücken desselben gedeckt sind. Sobald der Balg des Raubzeugs gut geworden ist, besucht man die Hütte bei hellem Mondschein und erlegt aus derselben die das Luder aufsuchenden Raubtiere. Auf Bäumen angelegte Schießhütten sind unbequemer, auch hat darin der Jäger mehr von der Kälte zu leiden. Zur Erlegung von Raubvögeln errichtet man die S. (Krähenhütte) auf einem hoch gelegenen Punkt im freien Feld, setzt an den Seiten auf etwa 30 Schritt Entfernung einige mit Ästen versehene trockne Bäume (Fallbäume) und bringt vor der Hütte auf einem etwa 1 m hohen Ständer, welcher oben mit einem Teller versehen ist, einen Uhu an, den man mit Lang- und Kurzfessel an diesen ankettet. Sobald vorüberziehende Krähen und Raubvögel den Uhu gewahren, stoßen sie auf denselben oder hacken auf den Fallbäumen ein, von denen sie durch die in den Wänden der Hütte angebrachten Schießlöcher herabgeschossen werden. Um auch im Flug die auf den Uhu stoßenden Vögel erlegen zu können, bringt man auf der nach diesem gerichteten Seite ein größeres Schießloch an. Der Besuch der Krähenhütte ist besonders in der Zeit lohnend, in welcher im Frühjahr und Herbst die Raubvögel ziehen.

Schießpulver, inniges Gemenge aus Kalisalpeter, Schwefel und Kohle. Man benutzt chemisch reinen Kalisalpeter, gereinigten sizilischen Stangenschwefel und Kohle von Laubhölzern, die reicher an Cellulose sind als Nadelhölzer. In Deutschland werden die höchstens 40 mm starken Äste vom Faulbaum, für Geschützpulver von Elsenholz, welche vor ihrem Gebrauch rindenfrei mindestens 1/3 Jahr unter Dach lagern müssen, in Österreich Hundsbeere, Haselstrauch, Erle, in der Schweiz Haselstrauch, in Frankreich Faulbaum, Haselstrauch, Pappel, Linde, Spindelbaum, in Italien nur Hanfstengel, in England Weide, Kornelkirsche, Faulbaum, Erle benutzt. Die Verkohlung geschieht jetzt meist in eingemauerten oder (wie in Spandau) in die Ummauerung auf Rollen einzuführenden Cylindern aus Eisenblech unter Luftabschluß und Ableitung der gasförmigen Produkte zur Feuerung (destillierte Kohle). Die Kohle erhält, je nach dem gesteigerten Grade der Verkohlung und der dabei angewendeten Temperatur, eine vom Rötlichen durch Rotbraun bis zum tiefen Schwarz gehende Farbe und eine derselben entsprechende Entzündlichkeit, welche abnimmt, je schwärzer die Kohle ist. Bei 270° C. erhält man Rotkohle, die Farbe wird dunkler bis zu 340°, von da an schwarz (Schwarzkohle); bis 432° ist sie noch als Pulverkohle verwendbar. Der Gewinn an Kohle nimmt ab mit der Verkohlungstemperatur und sinkt bei 280-1500° von 36 auf 15 Proz. Diese Thatsache ist zur qualitativen Bezeichnung der Kohle benutzt worden; es ist hiernach 25proz. Kohle solche, welche dem Gewicht nach 25 Proz. des zur Verkohlung verwendeten lufttrocknen (10 Proz. Feuchtigkeit) Holzes beträgt. In Deutschland wird zu Gewehrpulver 27,5-, zu Geschützpulver 25proz. Kohle verwendet. Da der Verkohlungsgrad auf die Offensivität des Schießpulvers ohne Einfluß ist, so wird in Spandau zur genauern Temperaturmessung ein Pyrometer von Bronze verwendet. Der in Esquardes und Wetteren bei Gent im Betrieb befindliche Apparat von Violett, in welchem die Verkohlung durch in den Verkohlungscylinder geleiteten überhitzten Wasserdampf geschieht, liefert einen größern Ertrag an Rot-, nicht aber an Schwarzkohle als die Cylinderverkohlung. Nach dem stöchiometrischen Verhältnis, welches auf die Molekulargewichte der drei Stoffe basiert ist, sollte das Mischungsverhältnis des Schießpulvers 73,9 Salpeter, 14,6 Kohle und und 11,5 Schwefel sein, ist aber in Deutschland M/71 (1883) zu 76 Salpeter, 15 Kohle (30proz.), 9 Schwefel, in Österreich zu 74 Salpeter, 16 Kohle und 10 Schwefel, in England und Rußland für Gewehrpulver zu 75 Salpeter, 15 Kohle, 10 Schwefel, in Frankreich für Kriegspulver und in Nordamerika zu 75 Salpeter, 12,5 Kohle und 12,5 Schwefel angenommen worden. Dem Jagdpulver gibt man unter Verwendung von Rotkohle in der Regel mehr Salpeter, ebenso in neuerer Zeit zur Erhöhung der Sprengkraft dem Sprengpulver. Die einzelnen Bestandteile des Pulvers müssen zunächst, um eine höchst innige Mischung zu ermöglichen, sehr fein pulverisiert werden. Dies geschah früher meist mit dem Mengen und Dichten zugleich in Stampfmühlen (1435 in Nürnberg) oder unter Hämmern (wie noch jetzt in der Schweiz), ähnlich den Frischhämmern der Eisenwerke, später (schon 1540, in Schweden 1684) in Walz- (Koller-) Mühlen (s. unten, Läuferwerk); jetzt wendet man meist Trommeln an. Die Salpeterkleintrommel in Spandau besteht aus Eisenblech, hat 1 m Durchmesser und ist an der innern Mantelfläche mit sechs Holzleisten versehen. Der Salpeter wird mit einem gleichen Ge-^[folgende Seite]