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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schiff; Schiffahrt

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Schiff - Schiffahrt.

I. Die Entwickelung der Deutschen Schiffahrt in den Jahren 1871 bis 1887.

A. Bestand der deutschen Seeschiffe im ganzen und nach Küstenstrecken.

Reich und Küsten-, bez. Rheinuferstrecken Am 1. Jan. der Jahre Segelschiffe Dampfschiffe Zusammen

Zahl Reg.-Tons Besatzg. Zahl Reg.-Tons Besatzg. Zahl Reg.-Tons Besatzg.

Deutsches Reich 1871/75 4316 81227 33764 218 133235 6925 4534 1014462 40689

1881/85 3894 919819 28328 528 313450 11137 4422 1233269 39465

1887 3327 830789 23566 694 453914 15455 4021 1284703 39021

Davon im:

Ostseegebiet 1871/75 2002 437524 17130 101 21419 1415 2103 458943 18545

1881/85 1520 347227 12335 260 85496 3152 1780 432723 15487

1887 1200 275922 9395 331 120744 4055 1531 396666 13450

Nordseegebiet 1871/75 2314 443703 16634 117 111816 5510 2431 555519 22144

1881/85 2374 572592 15993 268 227954 7985 2642 800546 23978

1887 2127 554867 14171 363 333170 11400 2490 888037 25571

B. Bestand der deutschen Seeschiffe nach Eigenschaften am 1. Januar 1887.

Eigenschaften der Schiffe Räderdampfschiffe Schraubendampfschiffe Vollschiffe (Fregattschiffe) Barken Schonerbarken und dreimastige Schoner Briggs Schonerbriggs u. Brigantinen Schoner Schonergaljoten, Galjassen und Galjoten Gaffelschoner und Schmacken Andre zweimastige Schiffe Einmastige Schiffe

Anzahl der Schiffe 50 644 150 723 123 265 134 275 261 68 674 654

Netto-Raumgehalt in Register-Tons 5862 448052 184966 411171 35755 65898 26782 28686 19609 4685 28279 24958

Regelmäßige Besatzung 459 14996 3102 9785 1121 2450 1002 1417 1084 271 1833 1501

-

Eigenschaften der Schiffe Segelschiffe Dampfschiffe Zusammen

Zahl Reg.-Tons Besatzg. Zahl Reg.-Tons Besatzg. Zahl Reg.-Tons Besatzg.

Schiffe von Eisen 205 149702 2843 683 453076 15366 888 602778 18209

Holz 3115 674975 20619 10 667 73 3125 675642 20692

Holz und Eisen 7 6112 104 1 171 16 8 6283 120

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Hüllen, Leitfaden für den Unterricht im Schiffbau (Kiel 1888); Brommy und Littrow, Die Marine (3. Aufl. von Kronenfels, Wien 1877); Schlick, Handbuch für den Eisenschiffbau (Leipz. 1889 ff.); Klepsch, Der Flußschiffbau (Weim. 1889). S. auch Schiffahrt.

Schiff, in der Baukunst ursprünglich der für die Laien bestimmte mittlere, größere Teil einer christlichen Kirche, welcher sich von den Turmbauten an der Westseite bis zu dem an der Ostseite gelegenen Altar erstreckt und meist die Kanzel nebst der Orgel enthält (Mittelschiff). Danach wurden die Nebenabteilungen Seitenschiffe genannt. Auch unterscheidet man Quer- und Langschiffe; s. Kirchenbaukunst. In der Buchdruckerei heißt S. ein Hilfswerkzeug des Setzers (s. Buchdruckerkunst, S. 558).

Schiffahrt, das Transportwesen zu Wasser und zwar: Binnenschiffahrt, die S. auf Flüssen (s. Flußschiffahrt), Kanälen (s. Kanäle) und Landseen, Küstenschiffahrt längs der Meeresküsten und Seeschiffahrt auf hoher See. Die Anfänge der S. in dem heute gebräuchlichen Sinn sind bei den Phönikern zu suchen. Die hohe Stufe, welche die S. in spätern Jahrhunderten zur Blütezeit des altrömischen Reichs und der griechischen Staatenbildungen erreicht hatte, ist aus den Überlieferungen der damaligen Schriftsteller bekannt. Auch bei den nordischen Völkern hatte die S. in den ersten Jahrhunderten nach Christo einen bemerkenswerten Aufschwung zu verzeichnen. Die Wikinger von den Küsten Englands, Norwegens und Dänemarks hatten zu jenen Zeiten wahrscheinlich schon die Gestade Nordamerikas entdeckt. Sie fanden auch den Weg zum Mittelmeer und waren an allen europäischen Küsten, von Island bis Konstantinopel, wohl bekannt. Ihre schnellen und kühnen Reisen durch große und stürmische Meere zeigen eine Geschicklichkeit in der Seefahrt, welche die frühern Schiffer, die ihre Fahrten meist nur entlang den Küsten ausführten, bei weitem übertrafen. Im Mittelalter übernahmen Portugiesen und Spanier die Führerschaft unter den seefahrenden Nationen. Schon vom Beginn des 14. Jahrh. ab war der Handel zwischen dem Königreich Aragonien und den afrikanischen Küsten in steter Entwickelung begriffen, und trotz der religiösen Spaltung hatten die christlichen Nationen des Westens und die Mohammedaner schon von jeher volle Gegenseitigkeit in ihren Schiffahrts- und Handelsbeziehungen zugelassen. Den Ausgangspunkt zu den wichtigen Schiffahrtsunternehmungen, welche den Aufschwung der S. in den letzten Jahrhunderten herbeiführten, bildeten die Bestrebungen zur Auffindung eines direkten Seewegs nach Ostindien. Schon die Seereisen Marco Polos hatten im 13. Jahrh. den europäischen Völkern die weite Ausdehnung des asiatischen Festlandes gezeigt und klare Begriffe von seiner Gestaltung geliefert; die Handeltreibenden des Mittelmeers waren jedoch zu eifersüchtig auf die Erhaltung des in ihren Händen befindlichen Monopols des indischen Handels, als daß sie ihre Aufmerksamkeit mehr auf die bloße geographische Erforschung der unbekannten Meere gerichtet hätten. Erst dem portugiesischen Prinzen Heinrich, mit dem Beinamen "der Seefahrer", war es vorbehalten, die Anregung zu den Entdeckungsexpeditionen zu geben, welche im 15. Jahrh. und besonders gegen Ende desselben einen völligen Umschwung in der bisherigen Richtung und Ausdehnung der S. hervorriefen. Unter dem Prinzen Heinrich wurde 1418 Madeira entdeckt, 1441 erreichten portugiesische Seefahrer das Cabo Blanco; 1446 und 1449 entdeckten portugiesische Expeditionen die Kapverdischen Inseln, und 1471 wurde der Äquator überschritten und der Grund zu Handelsniederlassungen an den Küsten von