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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schleie; Schleier; Schleierkarpfen; Schleierkauz; Schleierlehen; Schleiermacher

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Schleie - Schleiermacher.

als hanseatischer Ministerresident nach London, gab diese Stellung jedoch 1. Juli 1866 auf und lebt als Privatmann in Freiburg i. Br. 1867-73 gehörte er als Mitglied der deutschen Reichspartei dem norddeutschen, dann dem deutschen Reichstag an. Von Schleidens Schriften sind zu nennen: "Das staatsrechtliche Verhältnis der Herzogtümer Schleswig-Holstein" (anonym, Hamb. 1849); "Zum Verständnis der deutschen Frage" (desgl., Stuttg. 1867); "Reiseerinnerungen aus den Vereinigten Staaten in Amerika" (New York 1873); "Jugenderinnerungen eines Schleswig-Holsteiners" (Wiesb. 1886) u. a.

Schleie, s. Schleihe.

Schleier, Stück des weiblichen Putzes, besteht gewöhnlich aus einem feinen, florartigen Gewebe und ist dazu bestimmt, das Gesicht und den Kopf oder auch noch andre Teile des Körpers zu verhüllen. Der Gebrauch des Schleiers ist im Orient seit uralter Zeit heimisch, und noch gegenwärtig legt die herrschende Sitte den dortigen Frauen die strenge Verpflichtung auf, sowohl auf der Straße als auch im Haus in Gegenwart von Fremden das Gesicht verschleiert zu tragen. Bei den griechischen und namentlich bei den römischen Frauen der Kaiserzeit war der S. mehr ein Putzstück. Ihre Art, ihn zu tragen, ähnelte der heutigen der Nonnen, für deren Stand er symbolische Bedeutung hat, daher den S. nehmen, s. v. w. ins Kloster gehen. Im Mittelalter gewann er besonders seit dem 14. Jahrh. an Bedeutung und wurde seitdem bald länger, bald kürzer getragen, am meisten und am elegantesten ausgestattet von den Italienerinnen, so namentlich noch jetzt in Genua. Die flandrischen Frauen des 14. Jahrh. trugen lange S., die von den Spitzen ihrer zuckerhutförmigen Hauben herabfielen (s. Tafel "Kostüme II", Fig. 3). Als Symbol des Unerforschlichen galt er in den Mysterien der Alten. Vgl. auch Flinder. - In der Botanik bezeichnet S. die an den jungen Fruchtkörpern mancher Hymenomyceten vom Hutrand aus nach dem Stiel über das Hymenium ausgespannte Haut (s. Pilze, S. 71); auch das sogen. Indusium (s. d.) auf den Fruchthäufchen der Farne.

Schleierkarpfen, s. Schleihe.

Schleierkauz, s. Eulen, S. 906.

Schleierlehen, s. v. w. Weiberlehen, s. Lehnswesen, S. 633.

Schleiermacher, Friedrich Ernst Daniel, Bahnbrecher der neuern protestantischen Theologie, geb. 21. Nov. 1768 zu Breslau, wo sein Vater reformierter Feldprediger war, besuchte seit 1783 das Gymnasium der Brüdergemeinde zu Niesky und seit 1785 das Seminar derselben zu Barby und studierte seit 1787 in Halle Theologie. 1794 ward er als Hilfsprediger in Landsberg an der Warthe, 1796 als Prediger an dem Chariteekrankenhaus in Berlin, 1802 als Hofprediger in Stolpe, 1804 als außerordentlicher Professor der Theologie in Halle angestellt. Schon in Berlin war er, durch die beiden Schlegel und Henriette Herz in die romantischen Kreise hereingezogen, als Schriftsteller aufgetreten in den berühmten "Reden über die Religion an die Gebildeten unter ihren Verächtern" (Berl. 1799 u. öfter; Neueste Ausg. von Lommatzsch, Gotha 1888) und den "Monologen" (Leipz. 1800, 7. Aufl. 1868). Seine Freundschaft mit Fr. Schlegel verschuldete die "Vertrauten Briefe über Schlegels Lucinde" (Berl. 1801; mit einem Vorwort von Gutzkow wieder herausgegeben, Hamb. 1835). Auch vereinigte er sich mit demselben zur Übersetzung des Platon, die er dann allein unternahm (Berl. 1804-10, 5 Bde.; 3. Aufl. 1855-61; Bd. 6, 1828; 2. Aufl. 1855-62), und die besonders durch die Einleitungen zu den Platonischen Dialogen für das Studium der betreffenden Philosophie epochemachend geworden ist. An seine "Grundlinien einer Kritik der bisherigen Sittenlehre" (Berl. 1803, 2. Aufl. 1834) schlossen sich später die in den Denkschriften der Berliner Akademie erschienenen Abhandlungen über die wissenschaftliche Behandlung des Tugendbegriffs, des Pflichtbegriffs, über den Begriff des Erlaubten, über den Unterschied zwischen Natur- und Sittengesetz und den Begriff des höchsten Gutes an. Nachdem die Katastrophe von 1806 den zeitweiligen Schluß der Universität Halle herbeigeführt, hatte sich S. nach Berlin begeben, wo er, von Stein und Humboldt herangezogen, vorzüglich bei Gründung der neuen Friedrich Wilhelms-Universität thätig war, an welcher er auch 1810 als ordentlicher Professor der Theologie angestellt wurde, nachdem er 1809 Prediger an der Trinitatiskirche geworden war. Damals veröffentlichte er: "Die Weihnachtsfeier, ein Gespräch" (Halle 1806; 4. Aufl., Berl. 1850); die kritische Schrift "Über den sogen. ersten Brief des Paulus an den Timotheus" (das. 1807); "Gelegentliche Gedanken über Universitäten im deutschen Sinn" (das. 1808). In der bewunderungswürdigen Vielseitigkeit seiner nach den verschiedensten Richtungen eingreifenden Thätigkeiten war er eine der bedeutendsten geistigen Größen während der ersten glänzenden Periode der Berliner Universität. Die Fülle der Gedanken, die Form, die in schönster Vollendung ihm zu Gebote stand, und vor allem die seltenste Vereinigung der zartesten Religiosität mit der schärfsten Dialektik und der freiesten, an kein Herkommen gebundenen Kritik führten ihm begeisterte Schüler zu. Seine Kollegia umfaßten nicht bloß fast den ganzen Kreis des theologischen Wissens, sondern er trug auch seit 1811 Dialektik vor, welche er als Einheit der Logik und Metaphysik faßte. Damals erschien seine "Kurze Darstellung des theologischen Studiums" (Berl. 1811, 2. Aufl. 1830). Aber der reifste Ausdruck seiner religiösen Überzeugungen ist: "Der christliche Glaube nach den Grundsätzen der evangelischen Kirche im Zusammenhang dargestellt" (Berl. 1821-22, 2 Bde.; 6. Aufl. 1884), der erste Versuch, den überlieferten Inhalt mit der Innerlichkeit und Freiheit des Subjekts auszusöhnen und zu erfüllen. Nachdem schon seine "Reden" die Religion vor jeder Verwechselung mit Metaphysik oder Ethik sichergestellt und ihre originell sprudelnde Quelle im menschlichen Gefühlsleben, wo nach romantischer Voraussetzung der absolute sich mit dem endlichen Geist berührt, nachgewiesen hatten, führte die "Glaubenslehre" die Religion auf das Gefühl absoluter ("schlechthinniger") Abhängigkeit zurück. Da nämlich der Welt gegenüber selbst im äußersten Fall noch ein Minimum von Freiheitsgefühl wirksam sein soll, baute S. auf Grund der freilich selbst wieder fraglichen Thatsache eines Abhängigkeitsgefühls, welches, weil totale Abhängigkeit bedeutend, seinen Gegenstand nicht in der Welt haben kann, ein Gottesbewußtsein auf, mit dessen Beschreibung und Analysierung seine Glaubenslehre es zu thun hat. Von der weitern Voraussetzung aus, daß in dem geschichtlichen Christus dieses Gottesgefühl in absoluter Kräftigkeit gelabt und durch ihn in der Christenheit angeregt worden sei, werden dann die einzelnen Dogmen kritisch beleuchtet und auf ihren religiösen Gehalt zurückgeführt. Das ergänzende Seitenstück zu dieser Dogmatik ist das aus seinem Nachlaß von Jonas herausgegebene Werk "Die christliche Sitte" (Berl. 1843, 2. Aufl. 1884). Als die Akademie der Wissenschaften,