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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Schlempenkohle - Schlesien.

zwischen stickstofffreien und stickstoffhaltigen Bestandteilen aufweist als der Rohstoff. Wird sie im Übermaß gefüttert, so erzeugt sie Rindermauke, sogen. Gelbsucht bei Schafen, Ruhren und immer Schwächung des Darmkanals. Kälber können sie am wenigsten vertragen. Dennoch kann sie sehr gut ökonomisch verwendet werden, wenn man sie frisch verbraucht, Säuerung und Zersetzung vermeidet und durch Zugabe von vielem Trockenfutter die Wirkung der zu großen Verdünnung mäßigt. Besonders brauchbar ist sie bei Milch- und Mastvieh. S. enthält im Durchschnitt:

Trockensubstanz Stickstoffhaltige Nährstoffe Stickstofffreie Nährstoffe

von Roggen 11,0 2,1 6,8

" Kartoffeln 5,2 1,0 3,0

" Mais 11,0 2,0 7,2

" Rüben 9,0 0,9 6,3

Nach andern Analysen enthält Kartoffelschlempe, wenn auf 100 Lit. Maischraum 75 kg Kartoffeln und 3,75 kg Gerste kommen und 140 L. gewonnen werden, bei einem Stärkemehlgehalt der Kartoffeln von

24 Proz. 20 Proz. 16 Proz.

Wasser 90,93 91,95 92,96

Trockensubstanz 9,07 8,05 7,04

Proteinstoffe 1,63 1,46 1,29

Stickstofffreie Stoffe 5,54 4,90 4,26

Fett 0,27 0,24 0,22

Holzfaser 0,98 0,88 0,79

Mineralstoffe 0,66 0,58 0,50

Die nach dem Hollefreundschen Verfahren (s. Spiritus) erhaltene S. ist ärmer an Nährstoffen überhaupt wie auch an stickstofffreien im besondern, da letztere durch die energischere Gärung vollständiger zerstört werden. Melassenschlempe enthält

Spezifisches Gewicht 9,7 Proz. Ball. 13 Proz. Ball.

Wasser 90,9 88,5

Organische Substanzen 5,3 7,6

Mineralische Substanzen 3,0 3,9

Stickstoff 0,38 0,5

Kali 1,30 1,94

Man verarbeitet die Melassenschlempe auf Kalisalze, Trimethylamin und Methylchlorür oder benutzt sie als Dünger.

Schlempenkohle, s. Pottasche.

Schlendrian (niederdeutsch), herkömmliche, in aller Gemächlichkeit beharrende Gewohnheit, besonders ein solcher Geschäftsgang.

Schleppdampfer (Schlepper, Remorkeur), ein Dampfschiff, welches ausschließlich zum Bugsieren (s. d.) oder Schleppen verwendet wird; vgl. Tauerei.

Schleppe, die gegen die Mitte des 14. Jahrh. in Frankreich und bald nachher auch in andern Ländern zur Mode gewordene Verlängerung der Damenkleider, die bald bis zu Ellenlänge heranwuchs und unter der prachtliebenden Isabella von Bayern, Gemahlin Karls VI., und am burgundischen Hof sich dermaßen steigerte, daß die Überfülle des Stoffes der Prunkkleider von Dienern oder Dienerinnen nachgetragen werden mußte (s. Tafel "Kostüme II", Fig. 2, 4 u. 9). Gegen das Ende des 15. Jahrh. wurde sie sehr gemäßigt, in der ersten Hälfte des 16. Jahrh. als Folge der reif- und glockenförmigen Röcke bei den verschiedenen Völkern allmählich verdrängt und erschien nur ausnahmsweise und bei besondern festlichen Gelegenheiten von übergroßer Länge. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrh. kam sie wieder in vollem Umfang in die Mode, erschien auch wohl als eine über den Reifrock lang herabhängende Stoffmasse (s. Tafel "Kostüme III", Fig. 8), erhielt sich dann in dieser Weise bis zum Verschwinden der Reifröcke und kam in unserm Jahrhundert, wenn auch in gemäßigter Weise, wieder an den Kleidern selber in die Mode. Königinnen und Fürstinnen tragen bei festlichen Gelegenheiten besonders lange Schleppen von kostbaren Stoffen, welche an den Roben befestigt und von Pagen getragen werden (Kourschleppen). - In der Jägersprache heißt S. die durch das Langschleifen von Eingeweiden oder Kadavern auf der Erde hergestellte Bahn, mittels welcher Raubtiere, besonders Wölfe und Füchse, nach einem Fangplatz oder nach der Schießhütte (s. d.) gelockt werden.

Schleppen, s. Bugsieren.

Schleppnetz, ein Netz, welches mit dem untern Rand seiner Öffnung hart über den Boden hingeht, um die unmittelbar am Boden lebenden Tiere zu fangen. Das größte bei der Hochseefischerei angewandte S. ist das Baumschleppnetz oder Trawl. Im engern Sinn heißt S. (Dredge) ein Netz mit scharfem eisernen Rahmen, an welchem der Beutel befestigt ist, zum Absuchen des Meeresgrunds, wobei man es mittels eines Taues vom Fahrzeug aus über den Boden fortzieht. Das S., welches die Austernfischer brauchen, hat einen Netzbeutel, der oben aus grobem Garn, unten, der Haltbarkeit wegen, aus eisernen Ringen von 6-7 cm Durchmesser besteht. Ein ähnliches S., mit rechteckigem, scharfem Metallrahmen und engmaschigerm Beutel, an den Enden mit Troddeln aus Hanf (an welche sich viele Tiere anklammern), dient zu wissenschaftlichen Zwecken, um die auf dem Meeresgrund lebenden Tiere zu fangen.

Schleppschiffahrt, s. Tauerei.

Schlepptau, starkes Tau, mittels dessen ein Schiff ein andres nach sich zieht.

Schlern, mächtiger Bergstock in den Südtiroler Dolomitalpen, 15 km östlich von Bozen, südwestlich über der Seißer Alpe, im Petz, der höchsten Erhebung seines hufeisenförmigen Massivs, mit großartiger Aussicht, 2561 m hoch. Die Nordwestspitze heißt Junger S. (2386 m), die Nordspitze Burgstall (2310 m). Südlich unter dem Hauptgipfel das Schlernhaus.

Schlerndolomit, s. Triasformation.

Schlesien, ein vorzeiten zum Königreich Böhmen gehöriges Land (Herzogtum), zerfiel nach uralter Einteilung in Ober- und Niederschlesien, von denen jenes gegen Ende des 18. Jahrh. 6 Fürstentümer (Teschen, Troppau, Jägerndorf, Oppeln, Ratibor, Bielitz), die freien Standesherrschaften Pleß und Beuthen und einige Minderherrschaften, dieses 13 Fürstentümer (Breslau, Brieg, Glogau, Jauer, Liegnitz, Münsterberg, Neiße, Öls, Sagan, Schweidnitz, Wohlau, Trachenberg und Karolath), die freien Standesherrschaften Wartenberg, Militsch und Goschütz und mehrere Minderherrschaften umfaßte. Gegenwärtig zerfällt das Land in Preußisch- und Österreichisch-Schlesien.

I. Die preußische Provinz Schlesien.

(Hierzu die Karte "Schlesien".)

Preußisch-S., Provinz des preuß. Staats, wird nördlich und nordöstlich von den Provinzen Brandenburg und Posen, östlich von Polen und Galizien, südlich von Österreichisch-S., Mähren und Böhmen, westlich von dem Königreich Sachsen und der preußischen Provinz Sachsen begrenzt, umfaßt das alte Oberschlesien (mit Ausnahme der Fürstentümer Troppau, Jägerndorf, Teschen, Bielitz etc.), das ge-^[folgende Seite]