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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schlesien

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Schlesien (österreichisches Herzogtum).

Nebenbahnen sich an die Hauptlinien anschließen. Dagegen ist die Oder, mit Ausnahme ganz kurzer Strecken andrer Flüsse, der einzige schiffbare Fluß der Provinz, dessen Schiffbarkeit im Hochsommer durch geringen Wasserstand noch oft fraglich ist, in neuerer Zeit aber durch umfangreiche Strombauten verbessert wird. Auch der Klodnitzkanal ist als Wasserstraße nicht sehr bedeutend. Haupthandelsplätze sind: Breslau, Görlitz, Hirschberg, Grünberg, Liegnitz, Schweidnitz, Waldenburg, Ratibor, Beuthen, Königshütte, Kattowitz und Gleiwitz.

[Bildung, Verwaltung etc.] Für die geistige Bildung bestehen: eine Universität zu Breslau, eine Kadettenanstalt zu Wahlstatt, 2 Kriegsschulen (Glogau und Neiße), 36 Gymnasien, 9 Realgymnasien, 2 Oberrealschulen, 2 Progymnasien, 3 Realprogymnasien, 4 höhere Bürgerschulen, ein pomologisches Institut, 2 Landwirtschaftsschulen, eine Handelsschule, ein Pädagogium, 18 Schullehrerseminare (8 evangelische und 10 katholische), 3 Taubstummenanstalten, eine Blindenanstalt etc. Zur Unterstützung der schlesischen Gutsbesitzer besteht eine Kreditanstalt. Ein großer Teil der Fürstentümer, Standes- und Minderherrschaften in S. ist im Besitz von mittelbaren Fürsten, Standes- und Minderherren. Eingeteilt wird die Provinz in drei Regierungsbezirke: Breslau mit 24, Oppeln mit 19 und Liegnitz mit 21 Kreisen; unter den 64 Kreisen sind 3 Stadtkreise (Breslau, Liegnitz, Görlitz). Militärisch bilden die Regierungsbezirke Breslau und Oppeln den Bezirk des 6. Armeekorps, der Regierungsbezirk Liegnitz gehört zu dem des 5. Armeekorps. Für das Gerichtswesen bildet die Provinz den Bezirk des Oberlandesgerichts in Breslau mit den 14 Landgerichten zu Beuthen, Breslau, Brieg, Glatz, Gleiwitz, Glogau, Görlitz, Hirschberg, Liegnitz, Neiße, Öls, Oppeln, Ratibor und Schweidnitz. In den deutschen Reichstag entsendet S. 35, in das preußische Abgeordnetenhaus 65 Vertreter. Das Konsistorium und ein Generalsuperintendent zu Breslau stehen an der Spitze der protestantischen Bevölkerung, während die Katholiken in Kirchensachen dem Fürstbischof von Breslau untergeordnet sind. Hiervon ausgenommen sind jedoch die Kreise Neurode, Glatz und Habelschwerdt, welche zum Erzstift Prag, und der Kreis Leobschütz nebst einem Teil des Kreises Ratibor, der zum Erzstift Olmütz gehört. Hauptstadt der Provinz ist Breslau, woselbst auch der Provinziallandtag, seit 1875 an Stelle der ehemaligen Provinzialstände, seinen Sitz hat. Daselbst befinden sich die Provinzialsteuerdirektion, eine Generalkommission, das Provinzialschulkollegium, ein Oberbergamt (zugleich für Ost- und Westpreußen und Posen). Die Staatsbahnen stehen unter der Eisenbahndirektion zu Breslau und teilweise zu Berlin; Oberpostdirektionen sind in Breslau, Liegnitz und Oppeln. Die Landesfarben der Provinz sind Weiß und Gelb. Das Wappen Schlesiens ist im goldenen Feld ein schwarzer, mit der Herzogskrone bedeckter Adler, der auf seiner Brust einen silbernen Halbmond hat, dessen Enden bald geeichelt sind, bald wie kleine Kreuze aussehen.

Vgl. Adamy, S. nach seinen physikalischen, topographischen und statistischen Verhältnissen (6. Aufl., Bresl. 1885); "Gemeinde-Lexikon der Provinz S." (hrsg. vom königlichen Statistischen Büreau, das. 1887); Schroller, S., eine Schilderung etc. (Glog. 1885-88, 3 Bde); Römer, Geologie von Oberschlesien (Berl. 1870); Schlockow, Der oberschlesische Industriebezirk (das. 1876); Kosmann, Oberschlesien, sein Land und seine Industrie (Bresl. 1888); Festenberg-Packisch, Der metallische Bergbau Niederschlesiens (Wien 1881); Derselbe, Entwickelung des niederschlesischen Steinkohlenbergbaus (Bresl. 1886); Deutsch, Schlesiens Heilquellen und Kurorte (Berl. 1873); Traube, Die Minerale Schlesiens (Bresl. 1888); Weinhold, Verbreitung und Herkunft der Deutschen in S. (Stuttg. 1887); "Verzeichnis der Kunstdenkmäler der Provinz. S." (Bresl. 1887 ff.).

II. Das österreichische Herzogtum Schlesien.

Österreichisch-S. (s. Karte "Böhmen, Mähren und Österreich.-S."), derjenige Teil Schlesiens, welcher im Breslauer Frieden von 1742 Österreich verblieben ist, grenzt im N. und W. an Preußisch-S., im Süden an Mähren und Ungarn und im O. an Galizien und besteht aus zwei durch den nördlichsten Teil der mährischen Bezirkshauptmannschaft Mistek getrennten Territorien, welche früher den Troppauer und Teschener Kreis Mährens ausmachten, seit 1849 aber ein eignes Kronland (Herzogtum S.) bilden. Dasselbe umfaßt ein Areal von 5147 qkm (93,49 QM.), wird im SO. durch die Karpathen (Bieskiden mit Lissahora 1320 m), im NW. durch das Reichensteiner Gebirge und Gesenke (Löwenkuppe 1035 m, Altvater 1487 m) von den Nachbarländern geschieden und im W. von der Oder und deren Zuflüssen Oppa mit der Mohra, Ostrawitza und Olsa, im O. von der Weichsel und ihren kleinen Zuflüssen bewässert. Der offenen Lage gegen NO. entspricht ein etwas rauhes Klima (mittlere Temperatur +8° C.). Der Niederschlag hält sich im jährlichen Durchschnitt von 52 cm (Troppau) bis 73 cm (Teschen). Von den Mineralquellen ist der Säuerling zu Karlsbrunn der bedeutendste. Ein bekannter Kurort ist auch die Wasserheilanstalt zu Gräfenberg. Die Bevölkerung betrug 1880: 565,475 Seelen (Ende 1887 auf 590,478 berechnet); sie nimmt in rascher Progression zu (1857-69 jährlich um 1,22 Proz., 1869-80 um 0,79 Proz.) und ist, mit 110 Einw. auf 1 qkm, sehr dicht angehäuft (S. ist nächst Niederösterreich das am dichtesten bevölkerte Land Österreichs). Die Einwohner sind ungefähr zu gleichen Teilen Deutsche (49 Proz.) und Slawen (Polen 28 Proz. im östlichen, Tschechen 23 Proz. im westlichen Teil) und bekennen sich, bis auf 79,028 Protestanten (lutherischer Konfession, meist im östlichen Teil) und 8580 Juden, zur katholischen Kirche, die hier (abgesehen von dem zur Erzdiözese von Olmütz gehörigen Troppauer Archipresbyteriat) unter Leitung eines vom Fürstbischof von Breslau ernannten und vom Kaiser von Österreich bestätigten Generalvikars zu Teschen steht.

Der Ackerbau steht auf guter Entwickelungsstufe, der Boden wird sehr sorgfältig bebaut (namentlich von dem deutschen Schlesier, weniger von dem Polen), bietet aber infolge des rauhen Klimas geringern Ertrag. Hauptfrüchte sind: Hafer (1 Mill. hl), sodann Roggen und Gerste, ferner Kartoffeln (2,3 Mill. hl), welche in vielen Gegenden das vorwiegende Nahrungsmittel bilden und als Rohstoff für die Industrie dienen, Zuckerrüben (630,000 metr. Ztr.), Klee, womit 15 Proz. der Anbaufläche bestellt werden (1 Mill. metr. Ztr. Ertrag), Hülsenfrüchte, Kraut, Raps, Flachs, Heu (1,7 Mill. metr. Ztr.) und etwas Obst. Die Viehzucht steht auf befriedigender Stufe; Pferde (1880: 25,378 Stück) und Rindvieh (191,390 Stück) gehören der preußisch-schlesischen, bez. norddeutschen Rasse an; doch ist unter dem Rindvieh auch der böhmisch-mährische Landschlag vertreten. An Käse und Butter werden jährlich über 52,000 metr. Ztr. erzeugt. Der Bergbau liefert vor allem aus-^[folgende Seite]