Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schlesien; Schlesinger

518

Schlesien - Schlesinger.

diesem 1366 das Herzogtum Jägerndorf abtrennte. Bald ward jede nur irgend bedeutendere Stadt der Sitz eines Fürsten. Zu Anfang des 14. Jahrh. bestanden in S. 18 regierende Fürstenhäuser, nämlich: in Niederschlesien Brieg, Breslau, Liegnitz, Schweidnitz, Jauer, Münsterberg, Glogau, Steinau, Sagan, Öls; in Oberschlesien Kosel, Teschen, Beuthen, Falkenberg, Oppeln, Strehlitz, Ratibor und Troppau; daneben noch ein bischöfliches Fürstentum, Neiße. König Johann von Böhmen wurde 1327 von sämtlichen Herzögen Oberschlesiens und von Breslau, 1329 von den meisten Herzögen Niederschlesiens als Oberherr anerkannt und wußte den König Kasimir d. Gr. von Polen 1335 zum Verzicht auf die Oberhoheit über S. zu bestimmen. Aus der Schutzherrschaft entwickelte sich bald die Lehnshoheit Böhmens. Kaiser Karl IV. erwarb durch seine Gemahlin Anna das Erbfolgerecht in den beiden Fürstentümern Jauer und Schweidnitz, welche die böhmische Lehnshoheit noch nicht anerkannt hatten, und brachte so ganz S. unter die Krone Böhmen und zum Deutschen Reich. Doch ward S. als ein Ganzes angesehen, dessen allgemeine Angelegenheiten auf den sogen. Fürstentagen besorgt wurden. Den Herzögen von Liegnitz, Teschen, Oppeln und Ratibor erteilte Wladislaw 1498 und 1511 das Recht, in Ermangelung männlicher Nachkommen ihre Länder testamentarisch auf andre zu übertragen. Deshalb hielt sich Herzog Friedrich II. von Liegnitz, Brieg und Wohlau (s. Friedrich 26) für berechtigt, mit Joachim II. von Brandenburg 1537 eine Erbverbrüderung zu schließen. Aber König Ferdinand I., an den 1526 Böhmen übergegangen war, erklärte 1546 diese Abmachung für nichtig. Der Verbreitung der Reformation setzten die schlesischen Herzöge kein Hindernis entgegen, wohl aber die deutschen Kaiser aus dem Haus Habsburg, welche die an sie heimgefallenen Gebietsteile durch einen Oberlandeshauptmann regieren ließen. Besonders suchte Ferdinand II. die Schlesier zum alten Glauben zurückzuführen, und das widerstrebende, überwiegend protestantische Land hatte während des Dreißigjährigen Kriegs unsägliche Leiden zu erdulden. Damals verlor ein Hohenzoller, Johann Georg, sein Fürstentum Jägerndorf (s. d.), weil er Friedrich V. von der Pfalz angehangen. Die Jesuiten wurden 1648 förmlich aufgenommen, die evangelischen Kirchen, mit Ausnahme einiger kleiner Friedenskirchen zu Jauer, Schweidnitz und Glogau, dagegen geschlossen und ihr Vermögen eingezogen. Die Fürstentümer Münsterberg, Sagan, Oppeln und Ratibor wurden teils verkauft, teils verpfändet. Unter dem Kaiser Leopold I. wurde jenes harte Verfahren auch auf die Herzogtümer Liegnitz, Wohlau und Brieg ausgedehnt, die nach dem 1675 erfolgten Ableben des letzten piastischen Herzogs, Georg Wilhelm, an den Kaiser fielen. Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg, dem diese Herzogtümer nach jenem Erbvertrag eigentlich gebührten, erhielt nur den Kreis Schwiebus, den Kurfürst Friedrich III. einer als Kurprinz eingegangenen Verpflichtung gemäß 1694 für 250,000 Gulden wieder an den Kaiser zurückgab. Durch die Altranstädter Konvention von 1707 und den kaiserlichen Rezeß von 1709 erhielten die Protestanten in S. neben der Teilnahme an öffentlichen Ämtern 128 Kirchen zurück und die Erlaubnis zur Erbauung von sechs neuen Kirchen (Gnadenkirchen) in Freistadt, Hirschberg, Landeshut, Militsch, Sagan und Teschen.

Um so ungünstiger gestaltete sich die Lage der Protestanten unter Karl VI. Dennoch erkannten die schlesischen Stände 1720 die Pragmatische Sanktion und damit Maria Theresia als ihre künftige Landesherrin an. Doch machte Friedrich II. von Preußen, als Maria Theresia 1740 ihrem Vater folgte, Ansprüche auf die schlesischen Fürstentümer Liegnitz, Brieg, Wohlau und Jägerndorf und bot Maria Theresia ein Bündnis gegen alle ihre Feinde an, wenn sie einen Teil Schlesiens abtrete. Die ablehnende Haltung Österreichs veranlaßte Friedrich 16. Dez. 1740 zu einem Einfall in S., welcher den erstem Schlesischen Krieg (s. d.) herbeiführte. Durch den Frieden zu Breslau 11. Juli 1742 ging ganz S., mit Ausnahme der Fürstentümer Teschen, Troppau, Jägerndorf und des kleinen Gebiets jenseit der Oppa, an Preußen über. Friedrich II. nahm durchgreifende Veränderungen in Verfassung, Verwaltung u. Rechtspflege des Landes vor; er stellte einen eignen Minister für S. an die Spitze der Verwaltung, errichtete zwei Kriegs- und Domänenkammern zu Breslau und Glogau, stellte Landräte an, teilte das Land in 48 Kreise etc. Allen Religionsparteien ward völlige Religionsfreiheit gewährt. Neue und tiefe Wunden wurden S. durch den zweiten Schlesischen sowie durch den Siebenjährigen Krieg geschlagen, doch wußte Friedrich auch diese zu heilen. S. hat fortan seine Anhänglichkeit an Preußen oft bethätigt, so 1813 und noch 1866.

Vgl. Sommersberg, Scriptores rerum silesicarum (Leipz. 1729-32, 3 Bde.; dazu "Berichtigungen und Ergänzungen", Bresl. 1790, 3 Bde.); Stenzel, Scriptores rerum silesicarum (das. 1835-51, 5 Bde.); "Codex diplomaticus Silesiae" (Berl. 1859 bis 1888, Bd. 1-13); Stenzel und Tzschoppe, Urkundensammlung zur Geschichte des Ursprungs der Städte etc. in S. (Hamb. 1832); Stenzel, Geschichte Schlesiens (Berl. 1853, Bd. 1); Grünhagen, Geschichte Schlesiens (Gotha 1884-86, 2 Bde.); Derselbe, Wegweiser durch die schlesischen Geschichtsquellen bis 1550 (Bresl. 1876); Derselbe, Regesten zur schlesischen Geschichte (2. Aufl., das. 1880-84); Grotefend, Stammtafel der schlesischen Fürsten bis 1740 (das. 1876); "Acta publica". Verhandlungen und Korrespondenzen der schlesischen Fürsten und Stände (hrsg. von Krebs, das. 1865-85, Bd. 1-6); "Lehns- und Besitzurkunden Schlesiens und seiner Fürstentümer im Mittelalter" (hrsg. von Grünhagen und Markgraf, Leipz. 1881-83, Bd. 1 u. 2); Ziegler, Die Gegenreformation in S. (Halle 1888); Zimmermann, Vorgeschichtliche Karte von S. (Bresl. 1879); "Zeitschrift des Vereins für Geschichte und Altertum Schlesiens" (seit 1855); "Schlesiens Vorzeit in Bild und Schrift", Zeitschrift des Vereins für das Museum schlesischer Altertümer (seit 1864); die seit 1862 aufs neue herausgegebenen "Schleschen Provinzialblätter" ^[richtig: "Schlesischen Provinzialblätter"] (gegründet 1785); die "Jahresberichte" sowie die "Abhandlungen der Schlesischen Gesellschaft für vaterländische Kultur".

Schlesinger, 1) Siegmund, Lustspieldichter, geb. 15. Juni 1832 zu Waag-Neustadl in Ungarn, studierte zu Wien und begann hier frühzeitig schriftstellerisch zu wirken. Er schrieb anfänglich Possen und Schwänke, teils allein, teils mit andern, und sah sie mit Erfolg über die Vorstadtbühnen gehen, wendete sich aber plötzlich (1863) mit den Stücken: "In den Rauchwolken" und "Mit der Feder" dem feinern einaktigen Lustspiel zu, das ihm rasch ungewöhnlichen Ruf eintrug. Von seinen weitern Stücken sind hervorzuheben: "Gustel von Blasewitz", "Wenn man nicht tanzt", "Ein Opfer der Wissenschaft", "Die Schraube des Glücks" u. a., die sämtlich wegen ihrer zartsinnigen Eigenart mit Erfolg über die deutschen Bühnen gingen, ferner die mehraktigen Schauspiele: