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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Schliengen - Schlingbeschwerden.

Schliengen, Flecken im bad. Kreis Lörrach, an der Linie Mannheim-Konstanz der Badischen Staatsbahn, hat Weinbau, Weinhandel und (1885) 1231 meist kath. Einwohner. Hier 24. Okt. 1796 Sieg der Österreicher unter dem Erzherzog Karl über die Franzosen unter Moreau.

Schlieren, fadenförmige oder streifige Partien im Glas, welche in der Dichtigkeit von der übrigen Glasmasse abweichen und dadurch, ohne zugleich eine verschiedene Farbe zu besitzen, sichtbar werden. Sie sind besonders in optischen Gläsern sehr störend, weil schlierenhaltige Linsen wegen der unregelmäßigen Strahlenbrechung unklare optische Bilder geben, welche starke Vergrößerungen nicht vertragen. Zu ihrer Entdeckung im Glas hat Töpler einen besondern Apparat konstruiert.

Schliersee, See in Oberbayern, am Nordfuß der Bayr. Alpen, 774 m ü. M., ist 3 km lang, 1 km breit und 54 m tief. An seinem Nordende in freundlicher Lage Dorf und Luftkurort S. mit kath. Kirche, Oberförsterei, Seebad, Zement- und Glasfabrikation, Dampfsägemühle und (1885) 642 kath. Einwohnern.

Schließblech, beim Schloß die durchbrochene Blechplatte, in welche der Riegel beim Zuschließen eintritt.

Schließfrüchte, alle trockenhäutigen, nicht aufspringenden Früchte, wie die Nuß, die Karyopse, das Achänium. Auch die Doppelschließfrüchte gehören hierher, die meist in Teilfrüchte (mericarpia) zerfallen. Den Gegensatz zu den Schließfrüchten bilden die Springfrüchte.

Schließmuskel (Sphincter, Constrictor), kreisförmiger Muskel, welcher um eine natürliche Öffnung des Körpers herumgelagert ist und sie durch seine Zusammenziehung schließt. Ein solcher findet sich bei dem Menschen am Mund, an den Augenlidern, an der Harnblase, am After etc. Ihre nicht selten vorkommende Lähmung führt zu den größten Beschwerden. S. Tafel "Muskeln des Menschen".

Schließungsbogen (Schließungsdraht) u. Schließungskreis, s. Galvanische Batterie, S. 871.

Schließungsstrom, s. Induktion, S. 932.

Schlik, reichbegüterte böhm. Adelsfamilie mit folgenden berühmten Sprößlingen:

1) Kaspar, geboren um 1400, Sohn des Patriziers v. Eger, Heinrich, königlichen Kastellans, und der Gräfin Konst. v. Collalto, seit 1415 Günstling Siegmunds, bald Seele der königlichen Kanzlei, 1421 Freiherr, 1423 Protonotar Siegmunds, dann Kanzler. Seine Liebensabenteuer ^[richtig: Liebesabenteuer] in Italien von 1432 bis 1433 gaben den Stoff zum Liebesroman seines Schützlings Enea Silvio de' Piccolomini (später Papst Pius II.): "Euryalus und Lucretia" (lat. und bald von Wyß ins Deutsche übersetzt); als Gläubiger des verschwenderischen Luxemburgers und gewinnsüchtiger Diplomat ward er bald reich, war auch Reichskanzler der Kaiser Albrecht II. und Friedrich III. und ward 1437 in den Grafenstand erhoben und mit ansehnlichen Gütern belehnt. Er starb 1449.

2) Stephan, Graf von, geb. 24. Dez. 1487, eröffnete die reichen Silberminen in Joachimsthal und ließ 1517 zuerst Joachimsthaler, auch Schlickenthaler genannt, prägen; er fiel 1526 in der Schlacht bei Mohács.

3) Franz, Graf von S. zu Bassano und Weißkirchen, geb. 23. Mai 1789 zu Prag, widmete sich dem Studium der Rechte, trat beim Ausbruch des Kriegs 1809 als Leutnant in ein Kürassierregiment ein, ward nach der Schlacht bei Aspern Oberleutnant und noch während des Feldzugs Rittmeister. Als Österreich sich 1812 mit Frankreich verbündete, nahm er seinen Abschied; nach der Kriegserklärung Österreichs an Napoleon I. im August 1813 aber trat er wieder in das Heer ein, war Ordonnanzoffizier des Kaisers Franz, erhielt bei Wachau eine gefährliche Kopfwunde, die ihm ein Auge kostete, und avancierte in den folgenden Friedensjahren zum Feldmarschallleutnant und Inhaber eines Husarenregiments. Nach der Wiener Märzrevolution von 1848 ward er Kommandant von Krakau, Ende November aber zum Befehlshaber eines Korps von 8000 Mann ernannt, das bei Dukla in Galizien zu einer Diversion nach Oberungarn zusammengezogen ward. Er erkämpfte mit demselben in einem Winterfeldzug mehrere bedeutende Siege über die weit überlegenen Insurgenten und machte dann von Kaschau aus einen meisterhaften Rückzug. Nachdem er sich mit der Hauptarmee des Fürsten Windischgrätz vereinigt hatte, verhalf er diesem in der Schlacht bei Kapolna zum Sieg. Nach Ungarns Pacifikation ward er Kommandant des 2. Armeekorps und kommandierender General in Mähren. Seit Juni 1854 Oberbefehlshaber der vierten, in Galizien stehenden Armee, ging er mit derselben 1859 auf den Kriegsschauplatz nach Italien, ward dort nach der Schlacht von Magenta an der Stelle Gyulays zum Kommandanten der zweiten österreichischen Armee in Italien ernannt und focht bei Solferino an der Spitze des rechten Flügels. Nach dem Frieden von Villafranca nahm er seinen Abschied und starb 17. März 1862. Vgl. Kocziczka, Die Winterkampagne des Graf Schlikschen Armeekorps 1848-1849 (Olmütz 1850).

Schlingbaum, s. Viburnum.

Schlingbeschwerden (Dysphagie), die Folge sehr mannigfaltiger Krankheitszustände, sowohl der Rachengebilde und des Schlundkopfes als auch der Speiseröhre bis zum Magenmund hinab. Im weitern Sinn wird hierher auch das erschwerte Saugen und Kauen gerechnet, weshalb denn auch die krankhaften Affektionen der Kaumuskeln, der Kieferknochen, der Lippen etc. dabei in Betracht kommen. Die am häufigsten vorkommenden S. sind diejenigen, welche veranlaßt werden durch die entzündliche Anschwellung der in der Rachenhöhle gelegenen Gebilde, besonders der Mandeln und des Gaumensegels mit dem Zäpfchen, sowie auch durch die Entzündung und Geschwürbildung im Bereich des Kehlkopfes und der Luftröhre (bei Schwindsüchtigen). Alle Geschwülste und entzündlichen Zustände der Speiseröhre, wie solche z. B. durch Verschlingen zu heißer Speisen, ätzender Substanzen (Schwefelsäure, Ätzkalilauge etc.) erzeugt werden, sind mit S. verbunden. Zuweilen beruhen die S. auf einem Krampf der Rachenmuskeln, z. B. bei der Hundswut. Bei Krankheiten der Nervenzentralorgane kommt gelegentlich eine Lähmung der Muskulatur des Rachens und der Speiseröhre vor, mit welcher Unvermögen zum Schlingen verbunden ist (Bulbärparalyse). Die Bedeutung der S. ist nach den angegebenen Ursachen natürlich eine sehr verschiedene. Diejenigen Fälle von S., welche auf entzündlichen Zuständen der Rachengebilde und der Speiseröhre beruhen, sind vorübergehender Art, sofern die S. mit dem Ablauf der Entzündung von selbst aufhören. Diejenigen Fälle aber, wo die S. auf narbiger Verengerung oder auf krebsiger Entartung der Speiseröhre oder auf Lähmung des Schlundes beruhen, sind mit großen Beschwerden verbunden und geben wenig oder gar keine Hoffnung auf Heilung oder auch nur auf erhebliche Besserung. Oft sind die Kranken zum Hungertod verurteilt, wenn es nicht gelingt, dieselben durch Schlundröhren mit nährenden Flüssigkeiten zu