Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schlitz; Schlitzhaue; Schlochau; Schlögl; Schlömilch; Schlönbach

535

Schlitz - Schlönbach.

den europäischen Hauptstädten Schule gemacht. Die eifrigsten Schüler hat Haynes wohl in Wien hinterlassen, wo jetzt nicht bloß Herren, sondern auch Damen mit den New Yorkern an Fertigkeit wetteifern. - Die Schlittschuhe sind nicht zu verwechseln mit den Schneeschuhen (s. d.) der Skandinavier. Hauptsächlich durch die Anregung der Schlittschuhszene in Meyerbeers "Propheten" sind in neuerer Zeit auch die schon früher von J. ^[Jean] Garcin erfundenen Rollschuhe als Schlittschuhsurrogat aufgekommen, auf denen in mit Asphalt oder besser mit Zement ausgelegten Hallen (Skating-Rinks) gefahren wird. Diese Bewegung kam zuerst in den Vereinigten Staaten von Nordamerika mit Erfolg auf und fand rasch auch in Europa Nachahmung. Jährlich werden Dutzende von Patenten auf neue Rollschuhe genommen. In England und an einigen Orten des Kontinents baute man sogar Skating-Rinks, in denen durch ein Röhrensystem, in welchem sehr kalte Salzlösungen zirkulieren, eine wirkliche Eisbahn im Sommer erzeugt wurde, oder ahmte die Eisfläche durch kristallisierende Salzmischungen nach, die täglich neu geglättet wurden. Das Rollschuhfahren ist besonders für die südlichen Länder, welche kein Eis haben, ein recht hübscher Ersatz; gleichwohl ist dieser Sport bereits wieder im Rückgang begriffen. Vgl. Anderson, The art of skating (Lond. 1867); Vandervell und Wetham, A system of figure-skating (3. Aufl., das. 1874); Swatek, Das Schlittschuhlaufen (Wien 1874; "Figuren", das. 1885); Wirth u. a., Spuren auf dem Eise (das. 1880); Brink, Schlittschuhfahrkunst (Plauen 1881); Calisius, Kunst des Schlittschuhlaufens (Wien 1885).

Schlitz, Stadt in der hess. Provinz Oberhessen, Kreis Lauterbach, an der Schlitz (Nebenfluß der Fulda), 230 m ü. M., Hauptort der gleichnamigen, dem Grafen von S.-Görtz gehörigen Grafschaft, hat eine alte evang. Kirche (812 eingeweiht), 5 Burgen (darunter die Hallenburg mit schönem Park, Residenz des Grafen von Görtz), ein Amtsgericht, ein Forstamt, Lein- und Baumwollweberei, Bleicherei, Ziegelbrennerei und (1885) 2594 Einw.

Schlitzhaue, s. Keilhaue.

Schlochau, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Marienwerder, zwischen zwei Seen, an der Linie Ruhnow-Konitz der Preußischen Staatsbahn, 160 m ü. M., hat eine evangelische und eine kath. Kirche, eine Schloßruine, eine landwirtschaftliche Winterschule, eine Taubstummenanstalt, ein Amtsgericht und (1885) 3281 meist evang. Einwohner.

Schlögl, Friedrich, Schriftsteller, geb. 7. Dez. 1821 zu Wien, erhielt 1840 nach vollendeten Gymnasialstudien einen kärglichen Posten in einer Militärrechnungskanzlei, ward nach neun Jahren zur Hofkriegsbuchhaltung versetzt, verließ aber 1870 die amtliche Laufbahn und lebt seitdem als Feuilletonschriftsteller und Journalist in Wien. S. hat sich namentlich als Schilderer wienerischer Figuren und Volkstümlichkeiten bekannt gemacht und weiß die untern Volksschichten der Kaiserstadt so drastisch, zugleich mit ihrem Dialekt, darzustellen, wie dies Glaßbrenner als Vorgänger für Berlin gethan. Sein "Wiener Blut. Kleine Kulturbilder aus dem Volksleben" (Wien 1873, 4. Aufl. 1875), "Alte und neue Historien von Wiener Weinkellern" (das. 1875) und "Wiener Luft", Porträte und Szenen aus dem Wiener Volksleben (2. Aufl., das. 1876), machten solches Glück, daß der Autor letztern Titel zu einer Wochenschrift benutzte, welche mit Langers "Hansjörgl" erfolgreich konkurriert. Neuerdings erschienen: "Das kuriose Buch. Eine Spende für Gleichgesinnte und für Gegner" (Wien 1882); "Wienerisches" (das. 1883) und "Vom Wiener Volkstheater" (Teschen 1884).

Schlömilch, Oskar, Mathematiker, geb. 13. April 1823 zu Weimar, studierte in Jena, Berlin und Wien Mathematik und Philosophie, habilitierte sich 1844 in Jena als Privatdozent für Mathematik, ward 1846 daselbst außerordentlicher Professor und ging 1849 als Professor der höhern Mathematik und analytischen Mechanik an die technische Bildungsanstalt in Dresden, trat 1874 in das Kultusministerium und übernahm bis zu seiner Pensionierung 1875 die Leitung des sächsischen Realschulwesens. Er schrieb: "Analytische Studien" (Leipz. 1848, 2 Bde.); "Handbuch der algebraischen Analysis" (6. Aufl., Jena 1881); "Kompendium der höhern Analysis" (5. Aufl., Braunschw. 1881, 2 Bde.); "Übungsbuch zum Studium der höhern Analysis" (4. Aufl., Leipz. 1887, 2 Tle.); "Grundzüge einer wissenschaftlichen Darstellung der Geometrie des Maßes" (7. Aufl., das. 1888, 2 Tle.); "Analytische Geometrie des Raums" (5. Aufl., das. 1886). Außerdem veranstaltete er eine deutsche Ausgabe von Duhamels "Lehrbuch der analytischen Mechanik" (2. Aufl., Leipz. 1861), gab das "Handbuch der Mathematik" (Bresl. 1879-81, 2 Bde.) in der "Encyklopädie der Naturwissenschaften" heraus und ist seit 1856 Mitherausgeber der "Zeitschrift für Mathematik und Physik" (Leipz.).

Schlönbach, 1) Karl Arnold, Schriftsteller, geb. 31. Aug. 1817 auf einem Hüttenwerk bei Missen an der Sieg, betrat nach absolvierten Studienjahren zuerst die theatralische, dann die litterarische Laufbahn und lebte abwechselnd in Hamburg, Leipzig, Mannheim, zuletzt in Koburg, wo seine Frau, Schauspielerin und Schwester der Schröder-Devrient, 1857 Engagement am Hoftheater fand. Er starb 17. Sept. 1866 in Koburg. Von seinen Schriften sind hervorzuheben: "Geschichte, Gegenwart, Gemüt", Gedichte (Hamb. 1847); "Dramatische Werke" (Dresd. 1852); "Originale, Genrebilder aus der Wirklichkeit" (Bresl. 1853, 2 Bde.); "Der letzte König von Thüringen", Schauspiel (Jena 1854); "Weltseele", Dichtungen (Leipz. 1855); "Zwölf Frauenbilder aus der Goethe-Schiller-Epoche" (Hannov. 1856); "Die Hohenstaufen", Epos (Hildburgh. 1859); "Ulrich von Hutten", Gedicht (Berl. 1862); "Der Stedinger Freiheitskampf", Gedicht (Brem. 1864).

2) Urban, Geolog, geb. 10. März 1841 zu Liebenhall bei Salzgitter, studierte seit 1859 in Göttingen und Tübingen und widmete sich unter dem Einfluß Oppels in München ausschließlich der Geologie. 1862 studierte er den Schweizer Jura, ging nach Berlin und promovierte 1863 in Halle mit der Dissertation "Über den Eisenstein des mittlern Lias im nordwestlichen Deutschland". In den folgenden Jahren machte S. mehrere wissenschaftliche Reisen und begann mit Waagen und Benecke die Herausgabe der "Geognostisch-paläontologischen Beiträge". 1867 erhielt er eine Anstellung bei der Geologischen Reichsanstalt in Wien, 1870 eine Professur am Polytechnikum in Prag, starb aber schon 13. Aug. 1870 in Bersaska. Er schrieb: "Beiträge zur Paläontologie der Jura- und Kreideformation im nordwestlichen Deutschland" (Kassel 1865 u. 1866); "Über die Parallele zwischen dem obern Pläner Norddeutschlands und den gleichalterigen Bildungen im Seinebecken" (1865); "Über die Brachiopoden aus dem untern Gault von Ahaus" (1866); "Über die Brachiopoden der norddeutschen Cenomanbildungen" (Münch. 1867); "Über die norddeutschen Galeritenschichten und ihre Brachiopodenfauna" (Wien 1868); "Die Brachiopoden der böh-^[folgende Seite]