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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schloß; Schlossar

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Schloß - Schlossar.

andern sind so angeordnet, daß die höchsten in die Zuhaltungen mit den tiefsten Aushöhlungen eingreifen, so daß beim Drehen des Schlüssels jede einzelne Zuhaltung gerade bis zu der richtigen Stellung gehoben wird, bei welcher der Stift c durch alle Querschlitze h gleiten und somit der Riegel verschoben werden kann. - Das aus Amerika stammende Yale-S. ist das Vorbild der sogen. Steckschlösser, die in zahlreichen Abarten fabriziert werden. Seine Einrichtung zeigt Fig. 11. Der Schlüssel a besteht hier aus einem besonders geformten Stahlblech, welches durch den Spalt b in das S. hineingesteckt wird. In demselben befinden sich Stifte c und d, und zwar sitzen die Stifte c in der drehbaren Walze e, während die Stifte d dem festen Teil des Schlosses angehören und durch Federn f herabgedrückt werden. Eine Bewegung der Walze ist nur dann möglich, wenn sämtliche Stifte c und d sich genau auf der Fuge g g berühren; steht ein einziger Stift falsch, etwas zu hoch oder zu tief, so ist das S. gesperrt. Diese genaue Stellung wird nun während des Schließens durch die eigentümliche Form des Schlüssels herbeigeführt. Im geschlossenen Zustand treten die obern Stifte zum Teil in die Löcher der Walze hinein und verhindern so die Bewegung. Mit der Walze sind bei h irgend welche für verschiedene Zwecke verschieden geformte Teile verbunden, welche die Bewegung des Riegels bewirken.

Die Sicherheitsschlösser sind häufig in Verbindung mit noch andern Sicherheitsvorrichtungen, wozu z. B. die sogen. Vexiere gehören; es sind das Vorrichtungen, welche nach ähnlichem Prinzip wie die Buchstabenschlösser eingerichtet sind, und bilden entweder noch eine besondere Zuhaltung, oder verhindern, den Schlüssellochdeckel von demselben zu entfernen, bevor sie nicht in eine nur dem Besitzer bekannte Stellung gebracht worden sind. Zu dergleichen Vorrichtungen werden häufig an Geldschränken die auf der Thür angebrachten Knöpfe oder Rosetten benutzt. Vgl. König, Grundriß der Schlosserkunst (5. Aufl., Weim. 1872); Schubert, Kombinations- und Sicherheitsschlösser (das. 1880); Lüdicke, Handbuch für Kunst-, Bau- und Maschinenschlosser (das. 1878); Barberot, Traité de serrurerie (Par. 1888).

Verschlußvorrichtungen in Form von hölzernen Riegeln, welche in Krampen eingreifen, waren schon den alten Ägyptern bekannt. Ausgrabungen an Stätten altgriechischer Kultur haben auch einzelne Schloßteile aus Kupfer und Bronze zu Tage gefördert. Auch aus römischer Zeit haben sich nur einzelne Schloßteile und Schlüssel aus Bronze und Eisen erhalten (s. Tafel "Schmiedekunst", Fig. 1), aus denen jedoch so viel hervorgeht, daß das altrömische S. sich aus dem uralten Holzriegelschloß entwickelt hat und auf einem vereinigten Stech- und Schiebesystem beruhte. Das Holzriegelschloß war im übrigen Europa noch bis zum Anfang des 10. Jahrh. allgemein üblich. Dann wurde zuerst der hölzerne Schlüssel durch den metallenen ersetzt, worauf metallene Riegel und im 11. Jahrh. die Einführung einer metallenen Unterlage folgten, auf welche der Riegel gelegt wurde. Dadurch wurde das Schlüsselloch nötig, da man bisher den Schlüssel von der Seite eingeführt hatte. Durch die Entwickelung der Schmiedekunst in der gotischen Periode erfuhren auch S. und Schlüssel eine künstlerische Verzierung, die sich schließlich bis zu reichster Ornamentik verstieg und im Lauf der Jahrhunderte den verschiedenen Stilwandlungen (Renaissance, Barock und Rokoko) folgte (s. Tafel "Schmiedekunst", Fig. 6, 7, 13, 16, 18 u. 20). Um das Schlüsselloch herum wurde, um das Auffinden desselben zu erleichtern und zugleich die Ausstemmungen im Holze zu verdecken, das Schlüsselschild oder Schlüsselblech gelegt, welches zumeist aus Rankenwerk, aber auch aus Figuren und Grotesken gebildet wurde (s. Textfigur 12 und Tafel "Schmiedekunst", Fig. 4 u. 17). Zu Ende des 15. Jahrh. wurde das Unterlagsblech umgewendet und dadurch der innere Mechanismus des Schlosses sichtbar, was zu einer künstlerischen Gestaltung und Verzierung der Konstruktion Anlaß gab (s. Tafel "Schmiedekunst", Fig. 24). Um die Mitte des 17. Jahrh. wurde dieses Schloßsystem durch das französische verdrängt, welches den Mechanismus in einem Kasten von Eisen mit Messingblech überdeckte. Zu Ende des 18. Jahrh. hörte die künstlerische Verzierung von S. u. Schlüssel auf, da man den Schwerpunkt auf das Praktische, d. h. auf Sicherheit der Schlösser und präzises Eingreifen der Schlüssel, legte. Vgl. "Katalog der Sammlung von Schlüsseln und Schlössern im Besitz des Herrn Andreas Dillinger" (Wien 1886); Nötling, Studie über altrömische Thür- und Kastenschlösser (Mannh. 1870); Sales Meyer, Handbuch der Schmiedekunst (Leipz. 1888), und die Litteratur bei Schmiedekunst.

^[Abb.: Fig. 11. Yale-Schloß. Querschnitt; Längsschnitt; Vordere Ansicht. Fig. 12. Schlüsselschild (Museum Stuttgart).]

Schloß, in der Jägersprache beim Haarwild die durch die Beckenknochen gebildete Höhle, durch welche der Weidedarm (Mastdarm) geht.

Schlossar, Anton, Kultur- und Litterarhistoriker, geb. 27. Juni 1849 zu Troppau, studierte in Graz,