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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schlöth; Schlotheim; Schlotte; Schlotten; Schlottenzwiebel; Schlotthauer; Schlottmann; Schlözer

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Schlöth - Schlözer.

Schlöth, Lukas Ferdinand, schweizer. Bildhauer, geb. 25. Jan. 1818 zu Basel, bildete sich dort, in München und Rom. Seine erste Marmorstatue, eine Psyche, erwarb das Museum seiner Vaterstadt. Bei einer Konkurrenz für ein Winkelried-Denkmal in Stans trug sein Projekt den ersten Preis davon. Das Denkmal (1865 vollendet) stellt einen jungen Schweizer dar, der über die Leiche des "der Freiheit eine Gasse öffnenden" Winkelried in die Linien der Feinde eindringt. Ein zweites Werk von ergreifender Wirkung ist das St. Jakobs-Denkmal bei Basel zum Andenken an den Kampf der Eidgenossen 26. Aug. 1444 gegen die Franzosen (1872, eine Helvetia als Siegesgöttin mit vier sterbenden Kriegern am Sockel). Für die Universität Basel führte er zehn Marmorbüsten von Koryphäen der Wissenschaft aus.

Schlotheim, Stadt in der schwarzburg-rudolstädt. Unterherrschaft, Bezirk Frankenhausen, an der Notter, hat ein Schloß, ein Amtsgericht, Seilerwarenfabrikation und (1885) 2097 evang. Einwohner.

Schlotheim, Ernst Friedrich, Freiherr von, Geolog und Paläontolog, geb. 2. April 1764 aus dem Rittergut Almenhausen in Schwarzburg-Sondershausen, studierte zu Göttingen die Rechte, widmete sich sodann den Naturwissenschaften und studierte zu Freiberg noch Bergbaukunde u. Hüttenwesen. Nachdem er dann im Harz praktischen Beschäftigungen im Bergbau und in der Hüttenkunde obgelegen, trat er 1793 in Gotha als Beisitzer ins Kammerkollegium ein, wurde 1805 Kammerrat, 1817 Kammerpräsident und 1822 Oberaufseher des neugebildeten Museums, 1828 koburg-gothaischer Oberhofmarschall und starb 28. März 1832. Er schrieb: "Die Petrefaktenkunde auf ihrem jetzigen Standpunkt etc." (Gotha 1820; Nachträge 1822-23, 2 Tle.).

Schlotte, s. Physalis.

Schlotten, unterirdische Höhlungen, durch Auslaugung leicht löslichen Gesteinsmaterials, namentlich des Gipses, des Kalkes oder Steinsalzes, entstanden. Nimmt die Fortführung des Gesteins durch versinkende Wasser größere Dimensionen an, so führt sie zu Einstürzen, welche häufig als oberirdische Zeichen Vertiefungen (Erdfälle) oder Spalten zurücklassen. Vgl. Gips, S. 355.

Schlottenzwiebel, s. Lauch, S. 551.

Schlotthauer, Joseph, Maler, geb. 14. März 1789 zu München, besuchte die Akademie daselbst, wurde 1819 Gehilfe von Cornelius bei Ausführung seiner Kompositionen in der Glyptothek, wobei S. Gelegenheit fand, an der Ausbildung der Technik der Freskomalerei wesentlichen Anteil zu nehmen. Nachdem er 1830 Italien besucht, wurde er Professor der Malerei an der Münchener Akademie. Gemeinschaftlich mit dem Oberbergrat v. Fuchs erfand er die Stereochromie (s. d.) und lieferte eine Nachbildung von Holbeins Totentanz in Steindruck (53 Blätter mit Text, Münch. 1832). Als Lehrer entwickelte S. eine einflußreiche Thätigkeit, war aber künstlerisch wenig produktiv. Seine Arbeiten stehen unter dem Einfluß des Nazarenertums. Er starb 15. Juni 1869 in München.

Schlottmann, Konstantin, protest. Theolog, geb. 1819 zu Minden, studierte in Berlin, habilitierte sich 1847 für Altes Testament an der Berliner Universität, ging 1850 als preußischer Gesandtschaftsprediger nach Konstantinopel, wurde 1855 ordentlicher Professor der Theologie in Zürich, 1859 zu Bonn und 1866 in Halle, wo er 8. Nov. 1887 starb. Außer zahlreichen Abhandlungen zu den orientalischen Wissenschaften, zur Religionsphilosophie etc. schrieb er: "Das Buch Hiob verdeutscht und erläutert" (Berl. 1851); "De Philippo Melanchthone, rei publicae litterariae reformatore" (Bonn 1860); "De rei publicae litterariae originibus" (das. 1861); "David Strauß als Romantiker des Heidentums" (Halle 1878); "Erasmus redivivus" (das. 1881; daraus besonders: "Der deutsche Gewissenskampf gegen den Vatikanismus", deutsch von Jacobi, das. 1882); "Die Osterbotschaft und die Visionshypothese" (das. 1886). Er war einer der sachkundigsten Vertreter des Werkes der lutherischen Bibelrevision.

Schlözer, 1) August Ludwig von, berühmter deutscher Publizist und Geschichtsforscher, geb. 5. Juli 1735 zu Gaggstedt im Hohenlohe-Kirchbergischen, wo sein Vater Prediger war, widmete sich seit 1751 zu Göttingen und dann zu Wittenberg theologischen Studien, ging 1755 als Hauslehrer nach Stockholm und dann nach Upsala und kehrte 1759 nach Göttingen zurück. Von dem russischen Reichshistoriographen Müller 1761 eingeladen, als Hauslehrer und litterarischer Gehilfe in seine Dienste zu treten, erlernte S. in Petersburg die russische Sprache, studierte die russische Geschichte und ward bald zum Adjunkt bei der Akademie und dann zum ordentlichen Professor für die alte russische Geschichte ernannt. 1769 kehrte er jedoch als Professor der Politik nach Göttingen zurück, wo er eine nur durch zwei wissenschaftliche Reisen nach Frankreich (1773-74) und Italien (1781-82) unterbrochene erfolgreiche Thätigkeit entfaltete. 1804 trat er, unter gleichzeitiger Erhebung in den Adelstand durch den Kaiser von Rußland, in den Ruhestand und starb 9. Sept. 1809. Seine Vorträge über Statistik, Politik und Geschichte gehörten ihrer Zeit zu den besuchtesten der Universität. Unter seinen Schriften sind hervorzuheben: "Versuch einer allgemeinen Geschichte des Handels und der Schiffahrt" (schwed., Stockh. 1758; deutsch, Rost. 1761); "Allgemeine nordische Geschichte" (Halle 1772, 2 Bde.) und die "Übersetzungen des russischen Chronisten Nestor bis zum Jahr 980" (Götting. 1802-1809, 5 Bde.). Von großem Einfluß auf die Entwickelung der öffentlichen Meinung und der Publizistik in Deutschland waren ihrer Zeit sein "Briefwechsel", meist historischen und politischen Inhalts (Götting. 1776-82, 10 Bde.), seine "Staatsanzeigen" (das. 1783-93, 18 Bde.), welche 1793 verboten wurden, und seine "Vorbereitung zur Weltgeschichte für Kinder" (3. Aufl., das. 1790), deren freisinnige Ansichten den Verfasser in manchen Streit verwickelten. Vgl. Schlözers Biographie von seinem Sohn Christian (Leipz. 1828, 2 Bde.); Zermelo, August Ludwig S. (Berl. 1875); Wesendonck, Die Begründung der neuern deutschen Geschichtschreibung durch Gatterer und S. (Leipz. 1876). - Schlözers Tochter Dorothea, verehelichte Bürgermeister Rodde zu Lübeck, geb. 1770, war berühmt durch ihre gelehrten Kenntnisse. Sie bearbeitete unter anderm die russische Münzgeschichte und erhielt 1787 die Doktorwürde; starb auf einer Reise 12. Juni 1825 in Avignon. Vgl. Reuter, Dorothea S. (Götting. 1887). - Sein Sohn Christian von S., geb. 1. Dez. 1774, früher Professor an der Universität zu Moskau, dann außerordentlicher Professor an der philosophischen Fakultät zu Bonn, machte sich durch die "Anfangsgründe der Staatswirtschaft" (russ. u. deutsch, Riga 1804-1806, 2 Bde.) und durch eine Biographie seines Vaters bekannt. Er starb 1831 in Lübeck.

2) Kurd von, Geschichtschreiber und Diplomat, Enkel des vorigen, geb. 5. Jan. 1822 zu Lübeck, widmete sich zu Göttingen, Bonn und Berlin orientali-^[folgende Seite]