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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schmidt

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Schmidt (Militär, Gelehrte).

ging nach vollendeter Lehrzeit nach Brasilien, wo er sich durch Unternehmungsgeist und Thatkraft zu großem Wohlstand emporschwang und Chef der Handlung "F. S., Groß u. Komp." in Rio de Janeiro, 1852 auch österreichischer Generalkonsul für Brasilien wurde. Später trat er in nähere Beziehungen zum Erzherzog Maximilian von Österreich. Seit 1872 lebte er vorwiegend in Paris, seit 1875 wieder in Rio de Janeiro. Er starb 19. März 1888 in Bern. Schmids poetische Produktionen sind formell schöne Lebensäußerungen eines elegisch-ernsten und bedeutend angelegten Geistes, in welchem Dichten und Denken eins sind. Seine Werke sind: "Poetische Fragmente" (Leipz. 1860, 2. Aufl. 1865); "Kaiser Maximilian", Gedicht (Raab 1868), und "Requiem", eine philosophisch-psychologische Dichtung (2. Aufl., Leipz. 1870). Seine "Gesammelten Dichtungen" (Berl. 1873, 3. Aufl. 1879) enthalten außer den genannten auch den "Dämonenwalzer".

13) Matthias, Maler, geb. 14. Nov. 1835 zu See im Paznauner Thal, kam 1853 nach München zu einem Vergolder und blieb dort drei Jahre, worauf er die Akademie besuchte. Anfangs widmete er sich der religiösen Malerei, fand aber erst den richtigen Boden für sein Talent, als er nach mannigfachen Schicksalen 1869 in die Schule Pilotys trat. Nach dem Beispiel Defreggers wählte er zunächst die Stoffe zu seinen Bildern aus dem Tiroler Volksleben, aus welchem er jedoch auch die Schattenseiten mit polemischer Tendenz hervorhob. Seine Hauptwerke dieser Gattung sind: der Herrgottschnitzer, die Bettelmönche, die Beichtzettelsammlung, der Sittenrichter, das Brautexamen und der Auszug der Zillerthaler. Seit 1879 schuf er auch eine Reihe von Genrebildern ohne Tendenz, unter welchen das Verlöbnis, der Jägergruß, der eingeseifte Herr Pfarrer, die Rettung einer abgestürzten Edelweißpflückerin durch ihren Burschen und der Gang zur Wallfahrt hervorzuheben sind. Mit Tiefe und Wahrheit der Charakteristik verbindet er große Anmut der Formengebung und ein weiches, zartes Kolorit. Er ist königlicher Professor.

Schmidt, 1) Karl von, Militär, geb. 12. Jan. 1817 zu Schwedt a. O., trat 1834 aus dem Kadettenhaus in das 4. Ulanenregiment. Die Feldzüge 1864 und 1866 machte er als Kommandeur des Kürassierregiments Nr. 4 mit, und in den Feldzug 1870 zog er an der Spitze des Husarenregiments Nr. 16. Schon 16. Aug. aber erhielt er das Kommando der 14. Kavalleriebrigade, war in der Folge wiederholt Führer der 6. Kavalleriedivision und wurde nach dem Feldzug Reorganisator unsrer Reiterei. Er starb mitten in seiner Thätigkeit 25. Aug. 1875 in Danzig. Aus seinem Nachlaß gab v. Vollard-Bockelberg eine "Instruktion, betreffend Erziehung, Ausbildung etc. der Reiterei" (Berl. 1876, 2. Aufl. 1886) heraus.

Gelehrte.

[Theologen, Philosophen etc.] 2) Johann Ernst Christian, protestant. Theolog, geb. 1772 zu Busenborn, wurde 1793 Privatdozent und 1798 Professor der Theologie in Gießen, wo er als Geheimrat und Prälat 4. Juni 1831 starb. Unter seinen zahlreichen Schriften sind heute noch zu nennen: "Handbuch der christlichen Kirchengeschichte" (Gießen 1801-1806, 4 Bde.; s. Kirchengeschichte, S. 761) und "Historisch-kritische Einleitung in das Neue Testament, oder kritische Geschichte der neutestamentlichen Schriften" (2. Aufl., das. 1818).

3) Karl, protestant. Theolog, geb. 20. Juni 1812 zu Straßburg, wurde 1837 Privatdozent am Seminar und 1839 ordentlicher Professor der Theologie daselbst, seit 1843 und dann wieder 1872-77 auch Mitglied der theologischen Fakultät. Unter seinen Schriften heben wir hervor: "Essai sur Jean Gerson" (Straßb. 1839); "Johann Tauler" (Hamb. 1841); "Gérard Roussel" (Straßb. 1845); "Histoire et doctrine de la secte des Cathares ou Albigeois" (Par. 1849); "Essai historique sur la société civile dans le monde romain et sur sa transformation par le christianisme" (Straßb. 1853; deutsch, Leipz. 1857); "Die Gottesfreunde" (Jena 1854); "Peter Martyr Vermigli" (Elberf. 1858); "Wilhelm Farel und Peter Viret" (das. 1860); "Philipp Melanchthon" (das. 1861); "Leben und Schriften des Nikolaus von Basel" (Wien 1866); "Les libertins spirituels. Traités mystiques" (Par. 1876); "Histoire littéraire de l'Alsace à la fin du XV. et au commencement du XVI. siècle" (das. 1879, 2 Bde.); "Précis de l'histoire de l'Église d'occident pendant le moyen-âge" (das. 1885).

4) Kaspar, unter dem Pseudonym Max Stirner bekannter philosoph. Schriftsteller, geb. 25. Okt. 1806 zu Baireuth, studierte in Berlin, Erlangen und Königsberg Theologie und Philologie, ward Gymnasiallehrer zu Berlin, dann Lehrer an einer höhern Töchterschule daselbst; starb 26. Juni 1856 in Berlin. Sein Hauptwerk: "Der Einzige und sein Eigentum" (Leipz. 1845, 2. Aufl. 1882), kann als das Äußerste gelten, was der philosophische Radikalismus der Hegelschen Linken an kühner und geistreicher Negation hervorgebracht hat. Sonst schrieb er noch eine "Geschichte der Reaktion" (Berl. 1852, 2 Bde.) und übersetzte Says "Lehrbuch der praktischen politischen Ökonomie" (Leipz. 1845-46, 4 Bde.).

5) Karl, pädagog. Schriftsteller, geb. 7. Juli 1819 zu Osternienburg (Anhalt), studierte in Halle und Berlin Theologie und Philosophie, ward 1845 Gymnasiallehrer zu Köthen, 1846 Pfarradjunkt zu Edderitz, trat 1850 in die erstere Stellung zurück, in welcher er 1856 den Titel eines Professors erhielt, und folgte 1863 dem Ruf als Seminardirektor, Schulrat und Landesschulinspektor nach Gotha, wo er ein freisinniges Volksschulgesetz ins Leben rief, aber schon 8. Nov. 1864 starb. Von seinen Schriften sind hervorzuheben: "Anthropologische Briefe" (Dessau 1852; 2. Aufl. als "Anthropologie", Dresd. 1865, 2 Bde.); "Harmonie der Welten" (Leipz. 1853); "Buch der Erziehung" (Köth. 1854, 2. Aufl. 1873); "Briefe an eine Mutter" (das. 1855); "Gymnasialpädagogik" (das. 1857); "Geschichte der Pädagogik" (das. 1860 bis 1862, 4 Bde.; 4. Aufl., besorgt von Dittes und Hannak, 1888 ff.); "Geschichte der Erziehung und des Unterrichts" (das. 1863, 4. Aufl. 1883).

[Geschichtschreiber.] 6) Michael Ignaz, Geschichtschreiber, geb. 30. Jan. 1736 zu Arnstein im vormaligen Hochstift Würzburg, besuchte das bischöfliche Seminar zu Würzburg, ward sodann Erzieher der Kinder des Barons Rotenhan zu Bamberg, 1763 Seminardirektor zu Würzburg, 1771 Universitätsbibliothekar, Beisitzer der theologischen Fakultät und Lehrer der deutschen Reichsgeschichte. Er erhielt 1774 eine ansehnliche Präbende und trat als geistlicher Rat mit Sitz und Stimme in die Regierung ein. Nachdem er 1788 die Herausgabe seiner "Geschichte der Deutschen" begonnen, erfolgte seine Ernennung zum Wirklichen kaiserlichen Hofrat und Direktor des Haus- und Staatsarchivs in Wien, daneben zum Lehrer des nachmaligen Kaisers Franz II. und zum Mitglied des neuorganisierten Zensurkollegiums. S. starb 1. Nov. 1794 in Wien. Das genannte Geschichtswerk erschien unter dem Titel: "Ältere Geschichte der Deutschen" (Ulm 1778-85) und ward vom 6. Band an nach den