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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schmiedesinter; Schmiege; Schmiegel; Schmiele; Schmierapparate; Schmierbrand; Schmiere; Schmierhähne; Schmierkur; Schmiermittel

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Schmiedesinter - Schmiermittel.

Pariser Parke, die Gitter an den Bahnhöfen, für die Umfriedigung der Großen Oper die Treppengeländer für die letztere etc. wurden entweder im reichsten Stil der Hochrenaissance im Anschluß an die Loggienornamentik des Vatikans oder in den Stilrichtungen Ludwigs XIV. und Ludwigs XV. ausgeführt, wobei die Technik spielend die schwierigsten Probleme überwand. Man begnügte sich nicht mit den überlieferten vegetabilischen Ornamenten, mit den gehämmerten Ranken, Blättern und Blüten und den phantastischen Spiralen, sondern man fügte auch Namenszüge und bildliche Darstellungen, wie Figuren und Köpfe, in das ornamentale System ein, um eine möglichst reiche malerische Wirkung zu erzielen, welche auch wohl noch durch Vergoldung, Ätzung und Tauschierung verstärkt wurde. - In England hat sich die Schmiedekunst auf Grund der mittelalterlichen immer lebendig erhalten. Wie hoch sie bereits in den 30er Jahren unsers Jahrhunderts in Blüte stand, beweist unter anderm eine Publikation von Henry Shaw: "Examples of ornamental metalwork" (Lond. 1836), aus welcher hervorgeht, daß die Verwendung des Schmiedeeisens für architektonische und dekorative Zwecke eine außerordentliche Vielseitigkeit erreicht hatte. Schon damals wurden nicht allein Gitter, Geländer und Kandelaber aus Rundstäben geschmiedet, sondern auch Laternen, Laternenarme, Rosetten und Beschläge, mit welch letztern Thüren, Thorwege, Fenster, Schränke, Kasten etc. dekoriert wurden. Da die schmiedeeisernen Arbeiten ursprünglich meist bei Kirchen und Schlössern in Anwendung kamen, hielt man sich an den spätgotischen Stil, der freilich stark modernisiert wurde. Daneben fand der antike Stil in jener steifen, gezierten Form Eingang, wie sie das premier empire herausgebildet hatte. Allmählich entwickelte sich die Technik der Schmiedekunst in England zu einer solchen Bedeutung, daß auf der Wiener Weltausstellung von 1873 ein Thor von Barnard, Bishop u. Barnards in Norwich als die Krone aller Schmiedearbeiten bezeichnet werden mußte. - Auch in Österreich hat sich die Wiederaufnahme der Schmiedekunst aus dem kirchlichen Bedürfnis entwickelt. Sie trat daher zunächst in gotischen Stilformen auf, für welche Ferstel und Schmidt Entwürfe lieferten. Die also wieder belebte Technik fand bald solchen Beifall, daß auch für die Profanbauten nach Arbeiten aus Schmiedeeisen Nachfrage gehalten wurde. Für diese Zwecke wurden die Vorbilder aus der italienischen und deutschen Renaissance geschöpft und danach neue Muster komponiert. Der rein architektonische Zweck trat dabei natürlich zunächst in den Vordergrund. In der Folge aber begann man auch in Österreich, kleinere Gebrauchsgegenstände und Geräte, wie Leuchter, Kassetten u. dgl., aus Schmiedeeisen herzustellen. - In Deutschland wurden die ersten Versuche, diese Technik neu zu beleben, in Berlin gemacht und am erfolgreichsten durch Eduard Puls, welcher besonders auf die Muster der deutschen Renaissance zurückgriff und im Verein mit den hervorragendsten Architekten Berlins und durch seine umfangreiche Beschäftigung für Staats- und Kommunalbauten bald eine solche Wirksamkeit entfaltete, daß er 1877 eine große "Mustersammlung moderner schmiedeeiserner Ornamente" im Charakter der deutschen Renaissance herausgeben konnte, zu welcher seine eigne Werkstatt den größten Teil beigesteuert hatte. Die deutsche Schmiedekunst erstreckt sich gegenwärtig auf alle Arten von Umfriedigungen, Vergitterungen und Beschlägen, welche eine architektonische oder dekorative Bestimmung haben, anderseits auf Geräte und Gebrauchsgegenstände, welche einen von der Architektur und der Dekoration unabhängigen Zweck erfüllen. Um den malerischen Effekt möglichst vielseitig zu gestalten, wird das Eisen geschwärzt oder blank poliert, verkupfert, vernickelt, verzinnt und vergoldet, graviert und tauschiert. Es werden sogar einzelne Teile, wie Blätter, Blumenkelche, Rosetten etc., aus Schmiedeeisen getrieben, und mit letzterm werden auch Kupfer und die neuerfundene Deltalegierung verbunden. Die neuern Gewerbeausstellungen haben den Geschmack an den kleinern Erzeugnissen der Schmiedekunst in die weitern Kreise des Publikums getragen, so daß heute schmiedeeiserne Leuchter, Blumenständer, Kassetten etc. einen integrierenden Bestandteil von Speise- und Wohnzimmereinrichtungen bilden.

Litteratur: Daly, Motifs de serrurerie (Par.); Mathurin Jousse, Ouverture de l'art de serrurier (La Flèche 1650; neue Ausg. ohne den Originaltext, Par. 1874); Hefner-Alteneck, Eisenwerke oder Ornamentik der Schmiedekunst des Mittelalters und der Renaissance (Frankf. 1870); Raschdorff, Abbildungen deutscher Schmiedewerke (Berl. 1875-77, kleine Ausg. 1878); Riewel, Studien über Schmiede- und Schlosserarbeiten in Österreich ("Mitteilungen der k. k. Zentralkommission", Wien 1870); Böheim, Das hämmerbare Eisen in der Kunstindustrie ("Blätter für Kunstgewerbe", das. 1877); Ilg und Kabdebo, Wiener Schmiedewerk des 18. Jahrhunderts (Dresd. 1878); Fontayne, Kunstschmiedearbeiten (2. Aufl., Berl. 1884); "Die Schmiedekunst nach Originalen des 15. bis 18. Jahrhunderts" (das. 1884-87, 100 Tafeln); Walther, Die Kunstschlosserei des 16., 17. und 18. Jahrhunderts (Stuttg. 1888); Sales Meyer, Handbuch der Schmiedekunst (Leipz. 1888), Barberot, La serrurerie (Par. 1888). Zeitschriften: "Gewerbehalle" (Stuttg., seit 1863); "Les métaux ouvrés" (Paris).

Schmiedesinter, s. v. w. Hammerschlag.

Schmiege (Schrägwinkel, Schrägmaß, Stellwinkel), Winkelmaß mit drehbaren und durch eine Schraubenmutter in jeder beliebigen Stellung festzustellenden Schenkeln; Gliedermaßstab, Zollstock.

Schmiegel, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Posen, hat eine evangelische und 2 kath. Kirchen, eine Synagoge, ein Amtsgericht, Schuhmacherei, Weberei, Molkerei, Ziegelbrennerei, 49 Windmühlen, Viehhandel und (1885) 3774 meist evang. Einwohner.

Schmiele, Grasart, s. Aira.

Schmierapparate, s. Schmiervorrichtungen.

Schmierbrand, s. Brandpilze II.

Schmiere (Schmire, hebr.), in der Gaunersprache s. v. w. Wache; daher S. stehen, Wache halten, aufpassen. Dann auch vulgäre Bezeichnung für eine heranziehende Theatergesellschaft.

Schmierhähne, s. Schmiervorrichtungen.

Schmierkur, s. Hungerkur.

Schmiermittel, Substanzen von meist öliger, fettiger Beschaffenheit, welche in flüssigem, dickflüssigem oder festem Zustand dazu dienen, den beim Betrieb von Maschinen durch die Reibung bedingten Kraftverlust möglichst herabzumindern, andernteils der durch die Reibung hervorgerufenen Erhitzung und eventuellen Zerstörung der bewegten Teile vorzubeugen. Der Wert einer Substanz als S. ist bedingt durch die Größe der durch dasselbe erzielten Reibungsverminderung, durch die Größe des Verbrauchs, durch die chemische Einwirkung, welche das S. bei längerm Gebrauch auf die sich reibenden Flächen ausübt, endlich durch den Preis. Zur Bestimmung