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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schneiderkreide; Schneidervogel; Schneideschlinge; Schneidewin

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Schneiderkreide - Schneidewin.

desselben und erhielt 1868 das Großkreuz der Ehrenlegion. Seine politische Laufbahn endete mit dem Sturz des Kaiserreichs, 4. Sept. 1871. Er starb 27. Nov. 1875. Im J. 1879 wurde sein Denkmal im Creusot enthüllt.

7) Ludwig, Schauspieler und Schriftsteller, geb. 29. April 1805 zu Berlin, Sohn des Kapellmeisters Georg Abraham S. (geb. 1770, gest. 1839), begleitete schon als Knabe seinen Vater auf dessen Kunstreisen und wurde 1820 an der königlichen Bühne zu Berlin engagiert, an der er, kurze Unterbrechungen abgerechnet, fast 30 Jahre hindurch als ausgezeichneter Komiker wirkte. Außer mehreren Romanen und "Schauspielernovellen" (Berl. 1839, 2 Bde.) bearbeitete er, zum Teil nach fremden Originalen, eine Reihe kleiner Schwänke, von denen besonders "Der reisende Student", "Der Heiratsantrag auf Helgoland", "Der Kapellmeister von Venedig", "Der Kurmärker und die Picarde" sehr beliebt wurden. Unter dem Namen Both gab er das "Bühnenrepertoire des Auslandes" heraus; auch redigierte er seit 1833 den "Soldatenfreund", ein Unterhaltungsblatt für Unteroffiziere und Gemeine. Seit 1845 mit der Regie der königlichen Oper in Berlin betraut, erregte er durch seine der revolutionären Bewegung von 1848 feindliche Haltung so viel Unzufriedenheit, daß er seine Stellung am Theater aufgab und sich nach Potsdam zurückzog. Friedrich Wilhelm IV. ernannte ihn zu seinem Vorleser und verlieh ihm den Rang eines Hofrats; seitdem war S. stets, auch auf Reisen, in der Begleitung des Königs. König Wilhelm I. ließ ihn in dieser Stellung, übergab auch die königliche Privatbibliothek seiner Aufsicht und ernannte ihn 1865 zum Geheimen Hofrat. 1866 nahm S. als Berichterstatter für den "Staatsanzeiger" im großen Hauptquartier am Feldzug gegen Österreich teil, begleitete auch beim französischen Feldzug 1870/71 den Kaiser Wilhelm. Er starb 16. Dez. 1878 zu Potsdam. Von seinen Schriften sind noch anzuführen: "Die Galerie der Kostüme" (Berl. 1844-47, 12 Hefte); "Geschichte der Oper und des Opernhauses zu Berlin" (das. 1845-52, 5 Lfgn.); "König Wilhelm, militärische Lebensbeschreibung" (das. 1869); "Kaiser Wilhelm, 1867-71" (das. 1875); "Die preußischen Orden, Ehrenzeichen und Auszeichnungen" (das. 1867-72, 12 Tle.); "Der Krieg der Tripleallianz gegen die Regierung der Republik Paraguay" (das. 1872-75, 3 Bde.). Großes Aufsehen erregten die nach seinem Tod erschienenen Denkwürdigkeiten "Aus meinem Leben" (Berl. 1879-80, 3 Bde.), deren eitle Breitspurigkeit und servile Beschränktheit, die es als Hauptkennzeichen des preußischen Patriotismus betrachtet, vor dem russischen Zaren tief im Staub zu liegen, das Interesse an vielem Thatsächlichen und Neuen nicht völlig aufheben konnte. Von größerm Wert ist das später veröffentlichte Werk "Aus dem Leben Kaiser Wilhelms 1849-73" (Berl. 1888, 3 Bde.).

8) Karl, Schulmann, geb. 25. April 1826 zu Neusalz a. d. Oder, studierte in Breslau Theologie und Philosophie, ward nach längerer lehr- und pfarramtlicher Thätigkeit 1863 Seminardirektor zu Bromberg, 1867 Direktor der Waisen- und Schulanstalt und des Seminars zu Bunzlau und 1870 Direktor des Seminars für Stadtschulen in Berlin, wo ihn der Minister Falk 1872 als Hilfsarbeiter und 1873 als Geheimen Regierungs- und vortragenden Rat in sein Ministerium zog. S. begann seine bedeutende Thätigkeit in dieser einflußreichen Stellung mit der Entwerfung der "Allgemeinen Bestimmungen" vom 15. Okt. 1872 und ist seitdem für die Förderung des preußischen Volks- und Mädchenschul-, Seminar-, Taubstummen- und Blindenwesens in mannigfaltiger Weise thätig gewesen. 1876 wurde er Geheimer Oberregierungsrat und führte im Herbst 1880 eine Kommission von preußischen Schulmännern zur Beobachtung der sogen. Handfleißbestrebungen nach Dänemark und Schweden. Unter seinen zahlreichen Schriften heben wir hervor: "Volksschule und Lehrerbildung in Frankreich" (Bielef. 1867); "Handreichung der Kirche an die Schule" (das. 1867); "Volksschule und Lehrerbildung in Preußen" (1875); "Rousseau und Pestalozzi" (4. Aufl., Berl. 1889); "Das Volksschulwesen im preußischen Staat" (mit v. Bremen, Berl. 1886-1887, 3 Bde.).

9) Lina, geborne Weller, Schriftstellerin, geb. 15. Jan. 1831 zu Weimar, trieb schon frühzeitig ernste Litteraturstudien und kam 1852 infolge ihrer Vermählung mit dem Opernsänger Karl S. (gest. 1882 in Köln) nach Rotterdam, wo sie durch Vorlesungen für die Kenntnis der deutschen Litteratur sehr erfolgreich wirkte. Aufmerksam gemacht auf die indische Litteratur, erlernte sie die malaiische Schriftsprache und veröffentlichte nach dem Holländischen: "Aus dem indischen Leben"; "Ostindische Damen und Herren"; "Erinnerungen aus der Laufbahn eines indischen Offiziers" u. a. Durch das Mittelhochdeutsche wurde sie auch auf die Schätze des Mittelniederländischen hingeführt und lieferte eine metrische Übersetzung des Gedichts "Beatrijs" aus dem 14. Jahrh., welcher die Kritik die höchste Anerkennung zollte. Weiter veröffentlichte sie eine deutsche Bearbeitung von Jonckbloets "Geschichte der niederländischen Litteratur" (unter dem Namen Wilh. Berg, Leipz. 1870-72, 2 Bde.) sowie das von Nicolai komponierte Oratorium "Bonifacius". 1872 wurde sie zum Ehrenmitglied der Maatschappij van nederlandsche letterkunde in Leiden ernannt, und 1873 erhielt sie von der Regierung wegen besonderer Verdienste um die niederländische Litteratur die eigens geschlagene große goldene Verdienstmedaille. Neuerdings erschienen: "Frauengestalten der griechischen Sage und Dichtung" (Leipz. 1879) und eine neue "Geschichte der niederländischen Litteratur" (das. 1887) auf Grund der von Ferd. v. Hellwald hinterlassenen Vorarbeiten. Die Verfasserin lebt seit letzter Zeit in Köln.

Schneiderkreide, s. v. w. Talk.

Schneidervogel (Orthotomus Bennettii Horsf.), Sperlingsvogel aus der Familie der Maluriden, 17 cm lang, auf dem Scheitel rostrot, auf dem Mantel gelblichgrün, auf der Unterseite weiß, mit olivenbraunen Schwingen und Steuerfedern, von denen sich die beiden mittelsten beim Männchen verlängern, lebt in Ostindien, auf Ceylon, Java, in Birma etc. in Wäldern, Gärten, Rohrdickichten, nährt sich von Kerbtieren und baut sein Nest aus fest ineinander verwobenen Fasern und Haaren zwischen zwei Blättern, welche er mit einem Faden zusammenheftet, indem er mit dem Schnabel die nötigen Löcher sticht. Der Eingang zum Nest befindet sich in der Nähe der Blattstiele.

Schneideschlinge, s. Galvanokaustik.

Schneidewin, Friedrich Wilhelm, Philolog, geb. 6. Juni 1810 zu Helmstädt, studierte seit 1829 in Göttingen, ward 1833 Lehrer am Obergymnasium zu Braunschweig, 1836 Privatdozent zu Göttingen, 1837 außerordentlicher, 1842 ordentlicher Professor, 1850 auch ordentliches Mitglied der Societät der Wissenschaften und starb 10. Jan. 1856 daselbst. Unter seinen Arbeiten sind hervorzuheben: "Delectus poesis Graecorum" (Götting. 1838-39, 3 Tle.); Ausgaben