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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schnellkraft; Schnellläufer; Schnelllot; Schnellpresse

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Schnellkraft - Schnellpresse.

fressen. Der Saatschnellkäfer (Agriotes segetis L., s. Tafel "Käfer"), 10 mm lang, gewölbt, schwarzbraun, grau behaart, an Fühlern, Beinen und Flügeldecken gelblich, an letztern braun gestreift, ist in Deutschland sehr gemein, findet sich auf Feldern und Wiesen, überwintert in einem Versteck und paart sich im Frühjahr; seine glänzend gelbe Larve wird 2 cm lang, hat sehr harte, glänzend gelbe Körperbedeckung und eine stumpfe, braune Spitze am Körperende, lebt mehrere Jahre und beschädigt die Wurzeln von Getreide, Rüben, Kohlarten, Erbsen, Nelken, Levkojen etc. In leichtem Boden wird er schädlicher als in schwerem, und in drainierten, gekalkten und neu urbar gemachten Feldern hat er die bedeutendsten Verheerungen angerichtet. Als Gegenmittel empfiehlt sich in Gärten das Ködern mit Salatstrünken od. dgl., auf Feldern das zwei bis drei Jahre wiederholte Unterbringen von in haselnußgroße Stückchen zerschlagenem Ölkuchen auf etwa 10 cm Tiefe. Die Puppe ruht ohne Kokon in der Erde, und etwa im Juli schlüpft der Käfer aus. Andre Drahtwürmer (vielleicht die Larve von Lacon murinus L., einem 12 mm langen, kräftig, breit gebauten, schwarzen, überall dicht graubraun und weiß marmoriert beschuppten, aus der Oberseite des Hinterleibes lebhaft gelben Käfer) werden in Baumschulen schädlich. Vgl. Candèze, Monographie des Élatérides (Lütt. 1857-63, 4 Bde.).

Schnellkraft, s. Elastizität.

Schnellläufer, s. Läufer.

Schnelllot, s. Lot, S. 920.

Schnellpresse (hierzu Tafel "Schnellpresse"), im Gegensatz zur Handpresse (s. Presse, S. 331) derjenige Apparat, welcher alle Manipulationen des typographischen oder lithographischen Druckes, mit Ausnahme des Einlegens der Druckbogen, selbstthätig ausführt und zwar in einem bis hundertfach beschleunigten Tempo. Erfinder der S. ist Friedrich König (s. d. 1), welcher seine Thätigkeit 1803 in Suhl begann und in London, unterstützt durch die Buchdrucker Bensley und Taylor daselbst sowie unter thätiger Mithilfe des Mechanikers A. F. Bauer (s. d. 2), 1810 eine Druckmaschine herstellte, die 1811 beim Druck des "Annual Register", Bogen H, "Principal occurrences", 3000 Auflage, angewandt wurde. Es war eine Flachdruckmaschine, welche noch die meisten Bestandteile der alten Holzpressen enthielt, das Einschwärzen der Schrift (Auftragen der Farbe) jedoch mit Walzen anstatt mit Ballen selbstthätig besorgte und auch in der Schnelligkeit ihrer Leistungen erstern um mehr als das Doppelte überlegen war. König gab indes das Prinzip des Flachdrucks auf und setzte an Stelle der druckenden Platte (Tiegel) eine große Walze (Cylinder), die in drei Felder geteilt war. Diese waren mit dünnem Filz bezogen und dienten zur Abgabe des Druckes; war das Papier auf eine derselben gelegt, so wurde es durch Rähmchen, die später durch Bänder ersetzt wurden, daselbst während des Druckes festgehalten. Diese Maschine befriedigte weit mehr als die erste und druckte 800 Bogen in der Stunde; Walter, der Besitzer der "Times", der sie arbeiten sah, bestellte zwei derselben für sein Blatt. Das Patent dieser ersten Cylinderdruckmaschine ist datiert vom 30. Okt. 1811. In demselben waren die Einrichtung für einen zweiten Druckcylinder und ein ganzes kombiniertes Walzensystem gleich vorgesehen. Bereits 23. Juli 1813 nahm König ein drittes Patent für neue Verbesserungen, welche bei dem Bau der für die "Times" bestimmten Maschinen in Anwendung kamen. Diese Maschinen wurden mit zwei Druckcylindern versehen, so daß die auf dem Karren ruhende Schriftform bei jedem Hin- und Hergang desselben zweimal statt einmal eingeschwärzt und gedruckt ward, was zu einem Gesamtergebnis von 1100 Bogen in der Stunde führte und durch spätere Verbesserungen bis auf 2000 gebracht wurde. Am 29. Nov. 1814 erschien die "Times" zum erstenmal auf der S. gedruckt, welches Ereignis sie in einem seitdem zu historischer Bedeutung gelangten Leitartikel feierte. Die erste Cylinderdruckmaschine hatte Bensley erhalten; sie sowie die beiden Timesmaschinen und alle von König u. Bauer bis 1825 gebauten wurden durch Dampfkraft betrieben. Dem Bau dieser Doppelmaschine folgte der der Schön- und Widerdruck- oder Komplettmaschinen, für die König sein letztes Patent in England 24. Dez. 1814 nahm. Dieselben enthielten an jedem Ende ein Farbewerk; auch ging der Karren mit der Form nicht mehr unter beiden Druckcylindern durch, sondern jeder derselben druckte eine besondere Form; der Bogen wurde vermittelst Schnuren und eines Leitungstuchs von einem Cylinder auf den andern übergeführt, so daß er auf beiden Seiten fertig bedruckt die Maschine verließ, daher auch ihr Name: Komplettmaschine. Ihre Leistungsfähigkeit betrug 900-1000 beidseitig bedruckte Bogen in der Stunde; aufgestellt wurde die erste 1816 in der Druckerei von Bensley. Königs Erfolge regten auch andre Konstrukteure an, und 1813 ließen sich Bacon und Donkin in London eine S. patentieren, die aber nie im großen zur Ausführung gekommen ist; bei ihr stand die Schrift nicht auf einer einzigen horizontalen Fläche, sondern auf einem prismatischen, sich drehenden Cylinder, welcher seine verschiedenen von einem Walzenapparat eingeschwärzten Seiten an einem zweiten, ebenfalls prismatischen Druckcylinder zum Empfang des Druckes vorbeiführte. Bacon und Donkin wendeten zuerst anstatt Walzen aus Leder solche aus Sirup und Leim zur Erzielung guter Färbung an, welche Masse sie nach dem Zusammenschmelzen auf Leinwand gossen und um die Walzencylinder befestigten; dieselbe ist ca. 50 Jahre lang allgemein für Buchdruckwalzen beibehalten worden, nur hat man sie sehr bald direkt um die Walzenkerne gegossen. Die Einführung des zu druckenden Papiers erfolgt bei Donkins Maschine auf einem Tuch, von welchem es ein Greiferlineal abhob. Eine folgenschwerere Konkurrenz sollte König durch Bensley erwachsen, welcher sich mit Cowper und Applegath vereinigte und unter Anwendung unwesentlicher, als Verbesserungen bezeichneter Abänderungen selbst zum Bau Königscher Maschinen schritt. Rutt und Napier, zwei weitere Nachahmer, folgten bald, und König zog es vor, bald, gefolgt von Bauer, nach Deutschland zurückzukehren, wo er die Gebäude der ehemaligen Prämonstratenserabtei Oberzell bei Würzburg 1818 in eine Maschinenfabrik umwandelte. Die ersten vier Schnellpressen in Deutschland und zugleich die ersten Erzeugnisse der Fabrik zu Oberzell empfingen 1822 die v. Deckersche Hofbuchdruckerei zu Berlin und die Druckerei der "Spenerschen Zeitung" ebendaselbst.

Der Mechanismus der S. besteht (s. Abbild., S. 583) zunächst in einem vierwandigen, innerhalb durch Kreuzstreben verbundenen Gestell, in dessen oberm Teil in der Mitte der Druckcylinder in Lagern liegt, während unter ihm, auf Schienen gleitend, der Karren, d. h. das die zu druckende Schriftform tragende Fundament (eine glatte Eisenplatte in horizontaler Lage), hin- und hergetrieben wird, um durch dasselbe überlagernde Auftragwalzen aus dem Farbapparat die für den Druck erforderliche Färbung zu erhalten. Die letztere kann entweder mittels Tischfärbung oder Cy-^[folgende Seite]