Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Schnellpresse (einfache, Zweifarbenmaschine etc.).

linderfärbung geschehen; bei ersterer erfolgt die gleichmäßige Verteilung der Farbepartikelchen durch Verreibung auf vor oder hinter dem Fundament angebrachten Farbentischen, bei letzterer geschieht es nur auf einer Anzahl übereinander gelagerter Walzen, die man je nach ihrer Zahl und Stellung als einfacherer doppelte (übersetzte) Färbung bezeichnet. In jüngster Zeit hat man auch die Zahl der Auftragwalzen von zwei auf vier gebracht und die ihnen überlagernden Verreiber entsprechend vermehrt behufs Erzielung einer feinern und durchaus gleichmäßigen Färbung. Die Grundzüge der S. haben mit der Ausbreitung letzterer durch die zahlreichen Fabrikanten, die sich ihrem Bau zuwandten, wesentliche Modifikationen erfahren; eine sehr wichtige Verbesserung war die Ersetzung der Zuführbänder durch am Druckcylinder angebrachte bewegliche Klammern (Greifer), in welche das zu bedruckende Papier gelegt wird, und die dem häufig auftretenden Übelstand des Faltenbildens abhalfen, auch nebst den Punkturen (im Cylinder befestigten Stahlstiften) ein vollkommen genaues Aufeinanderpassen der Seiten (Registerhalten) ermöglichten.

Man bezeichnete die mit Greiferapparat versehenen Schnellpressen fortan als Greifermaschinen zum Unterschied von den bis dahin gebräuchlichen Schnurenmaschinen, die seitdem ganz außer Gebrauch gekommen sind. Auch der Bewegungsmechanismus des Karrens ward geändert; er unterscheidet sich noch in Krummzapfen- oder Kurbel-, Eisenbahn- und Kreisbewegung, letztere eine der wesentlichsten von Bauer gemachten Verbesserungen. Sir William Congreve (s. d. 2) baute eine Maschine zur Ausführung des nach ihm benannten Congrevedrucks, die zwar keine große Ausbreitung gefunden hat, aber als erste Maschine für zweifarbigen Druck Erwähnung verdient. Dieser wurde in andrer Weise erreicht durch die von der Fabrik König u. Bauer zuerst vollkommen zweckentsprechend gebaute (von Königs erstem Sohn, Wilhelm, gegenwärtig Mitchef der Firma König u. Bauer, ersonnene) Zweifarbenmaschine; auf ihr wird das Papier zweimal nacheinander, unter doppelter Drehung des Cylinders, von getrennten, sich gegenseitig ergänzenden Formen gedruckt, wobei es nach dem ersten Abdruck unverrückt in seiner Lage festgehalten wird, bis es den zweiten Druck empfangen hat; die Congrevemaschine trennte selbstthätig die beiden zu druckenden Platten, vereinigte sie dann wieder nach erfolgter separater Färbung und gab erst hierauf den Druck ab. Skandinaviapresse wurde eine von dem Schweden Holm erfundene und um 1840 zuerst in England gebaute S. genannt, welcher, gleich der ersten Flachdruckmaschine Königs, das Tiegel-, d. h. Plattendrucksystem zu Grunde lag; der Umstand, daß man damals auf der S. mit Cylinderdruck noch nicht den feinen Werk- und namentlich den Illustrationsdruck mit allen Anforderungen entsprechender Vollendung zu erreichen verstand, mag die Veranlassung gewesen sein zu ihrer Konstruktion. Die Skandinaviapresse hat viele Teile der Handpresse; der Tischfärbungsapparat ist selbstthätig, die Bewegung des Karrens erfolgt entweder durch eine exzentrische Scheibe auf einer Krummzapfenwelle oder durch eine sich drehende Trommel mit diagonaler Rinne, in welcher ein unterhalb des Karrens angebrachter "Fisch" läuft; der Tiegel geht in solider Führung auf und nieder. Anfänglich nur für eine Form, hat man sie später auch doppelt, mit einer Form nach jeder Seite, jedoch so gebaut, daß sowohl beide Seiten als auch jede einzelne unabhängig von der andern arbeiten können. Die einfache Skandinaviapresse liefert 500 bis 700, die doppelte bis 900 Abdrücke pro Stunde; man bedient sich ihrer noch vielfach in England bei feinen Arbeiten mit oder ohne Illustrationen; in Deutschland, wo man von jeher dem Cylinderdruck größere Sorgfalt zuwandte, hat sie nur eine beschränkte Verbreitung gefunden.

Um den sich täglich steigernden Anforderungen des Zeitungsdrucks zu genügen, waren manche Blätter genötigt, ihren Satz zwei- bis viermal anfertigen zu lassen, wodurch natürlich ihre Herstellungskosten ganz außerordentlich gesteigert werden mußten. Man war daher eifrig bestrebt, die Leistungsfähigkeit der Maschinen zu erhöhen, und schon 1828 hatte Applegath in London, nachdem König zu Oberzell wegen Überbeschäftigung den Auftrag abgelehnt, es übernommen, eine viercylindrige S. für den Druck der "Times", mit einer Leistungsfähigkeit von 4000 Exemplaren in der Stunde, zu erbauen; 1846 aber trat Little in London mit einer vervollkommten viercylindrigen Druckmaschine in die Öffentlichkeit,

^[Abb.: Aufriß einer einfachen Maschine mit sogen. Eisenbahnbewegung.

a a Treibräder, d d Karrenrollen, c Traverse oder Wagenverbindungsstange, d Karrenstange, e aufrechte Stange, f Zugstange, g Zwischenrad, daneben der Nacktcylinder für die Farbenreibung. Der Lauf des Papiers ist durch punktierte Pfeile angegeben.]