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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schnitzler; Schnorr von Carolsfeld

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Schnitzler - Schnorr von Carolsfeld.

Schnitzler, 1) Johann Heinrich, Statistiker und Geschichtschreiber, geb. 1. Juni 1802 zu Straßburg, lebte 1823-28 als Hauslehrer einer kurländischen Adelsfamilie in Rußland, leitete darauf in Paris die "Encyclopédie des gens du monde", unterrichtete die Prinzen und Prinzessinnen von Orléans im Deutschen und ward 1847 Professor in Straßburg, wo er 19. Nov. 1871 starb. Von seinen zahlreichen Werken über Rußland seien genannt: "Essai d'une statistique générale de l'empire de Russie" (Par. 1829); "La Russie, la Pologne et la Finlande, tableau statistique, géographique et historique" (das. u. Petersb. 1835); "Histoire intime de la Russie sous les empereurs Alexandre I et Nicolas" (Par. 1847, 2 Bde.; deutsch, Leipz. 1847); "La Russie ancienne et moderne; histoire, description, mœurs" (Par. 1854); "Description de la Crimée" (Straßb. 1855); "La mission de l'empereur Alexandre II et le général Rostoftsof" (Par. 1860); "L'empire des Tsars au point actuel de la science" (Straßb. 1856-69, 4 Bde.); "La Russie en 1812. Rostopchine et Koutousof" (Par. 1863); "Catherine II et sa cour" (Straßb. 1865); "Marie Feodorovna, née princesse de Wurtemberg-Montbéliard, avant son élévation au trône impérial de Russie, 1759-81" (Halle 1865); "Les institutions de la Russie depuis Alexandre II" (Straßb. 1866, 2 Bde.). Außerdem sind zu erwähnen: "De la création de la richesse, ou des intérêts matériels en France; statistique comparée" (Par. 1842, 2 Bde.); "Statistique générale de la France" (1842-46, 4 Bde.); "Atlas historique et pittoresque" (Straßb. 1859-62, 4 Bde.).

2) Johann, Mediziner, geb. 10. April 1835 zu Groß-Kanizsa, studierte in Budapest und Wien, arbeitete von 1863 bis 1867 als klinischer Assistent Oppolzers, habilitierte sich in dieser Zeit als Privatdozent und wurde 1878 außerordentlicher, 1880 ordentlicher Professor für Krankheiten der Respirations- und Zirkulationsorgane an der Wiener Universität. S. ist der eigentliche Begründer der Wiener Poliklinik, welche als Heil- und Lehranstalt eine wertvolle Ergänzung der Wiener medizinischen Fakultät bildet. Er schrieb: "Über Laryngoskopie und Rhinoskopie" (Wien 1878); "Die laryngoskopische Diagnostik und lokale Therapie der Kehlkopfgeschwüre"; "Über Stimmbandlähmung"; "Über die Anwendung der Galvanokaustik im Innern des Kehlkopfs"; "Über Miliartuberkulose des Rachens und des Kehlkopfs"; "Die pneumatische Behandlung der Lungen- und Herzkrankheiten" (2. Aufl., das. 1877); "Zur Diagnose der Therapie der Laryngo- und Tracheostenosen" (das. 1877); "Die Lungensyphilis und ihr Verhältnis zur Lungenschwindsucht" (das. 1880); "Über Asthma in seinen Beziehungen zu den Krankheiten der Nase" etc. Seit 1860 gibt er die "Wiener medizinische Presse", mit dem Beiblatt "Wiener Klinik", heraus.

Schnorr von Carolsfeld, 1) Julius, Ritter, Maler, Sohn des Malers Johann Veit S. (geb. 1764 zu Schneeberg, gest. 1841 als Direktor der Leipziger Akademie) und Bruder des Malers Ludwig Ferdinand S. (geb. 1788 zu Leipzig, gest. 13. April 1853 als Kustos der Belvederegalerie in Wien), geb. 26. März 1794 zu Leipzig, erhielt den ersten Unterricht in der Kunst von seinem Vater, bildete sich dann seit 1811 auf der Wiener Akademie aus und trat hier einer Vereinigung von jungen Künstlern bei, welche ihren eignen Weg gehen wollten. Damals entstanden seine Bilder: das Almosen des heil. Rochus (Museum zu Leipzig) u. die Familie Johannes des Täufers bei der Familie Christi (Dresdener Galerie). 1817 begab er sich nach Rom, wo er als jüngstes Mitglied jener von Cornelius, Overbeck u. a. begründeten deutschen Genossenschaft, die durch die Romantik und den Neukatholizismus die alte Kunst wiederherzustellen strebte, sich bald rühmlich hervorthat; doch war er der einzige derselben, der seinen protestantischen Überzeugungen treu blieb. Von seinen in jener Zeit ausgeführten Ölgemälden sind hervorzuheben: die Hochzeit zu Kana, eine reiche Komposition mit mehr als 60 Figuren; Jakob und Rahel; eine heilige Familie und eine Madonna mit dem Kinde; die drei christlichen und die drei heidnischen Ritter nach Ariosto; Ruth auf Boas' Feld, für den Hamburger Kunstverein. Daneben entstand in den Jahren 1819-27 eine Reihe von ca. 100 landschaftlichen Naturstudien (hrsg. von Jordan, Berl. 1878). Hauptsächlich beschäftigte ihn aber in den Jahren 1820-26 die Ausmalung eines Zimmers in der Villa Massimi mit Fresken nach Ariostos "Rasendem Roland" in 23 Kompositionen. 1827 wurde er als Professor der Historienmalerei an die Akademie zu München berufen, und König Ludwig erteilte ihm zugleich den Auftrag, im Erdgeschoß des Königsbaues fünf Prunkgemächer mit Darstellungen aus dem Nibelungenlied sowie drei Säle des Festsaalbaues in der königlichen Residenz mit Darstellungen aus dem Leben Karls d. Gr., Barbarossas und Rudolfs von Habsburg zu zieren. Erstere führte er a fresco, letztere in enkaustischer Manier aus; doch gelangten die Nibelungenfresken erst 1867 zur Vollendung. Daneben entwarf er eine Reihe von Federzeichnungen zu den Homerischen Hymnen, nach welchen Hiltensperger enkaustische Deckengemälde in einem Zimmer des Königsbaues ausführte. 1846 folgte er einem Ruf als Professor der Akademie und Direktor der Gemäldegalerie nach Dresden. Von seinen hier entstandenen Bildern in Öl sind zu nennen: eine heilige Familie im Grünen, Christus mit dem Kreuz, vor den Thoren Roms dem heil. Petrus begegnend, und der Abschied Siegfrieds von Kriemhild. Weiter sind hervorzuheben seine Zeichnungen für die Cottasche Prachtausgabe: "Der Nibelungen Not" und für die Wigandsche "Bibel in Bildern", welch letztere, von echt protestantischem Geist erfüllt, seine bedeutendste künstlerische Schöpfung bilden. Noch entstanden Kartons zu Glasgemälden für die Paulskirche in London, das Ölbild: Luther in Worms für das Maximilianeum in München und: das neue Jerusalem (unvollendet). S. starb 24. Mai 1872 in Dresden. S. war ein vermittelnder Künstler, da seine Bildung sich zwar in jener Zeit vollendete, wo die altdeutsche Kunst zu Rom eine Erneuerung in religiösem und zwar katholischem Sinn erfuhr, er aber, ohne sich in dem Grundprinzip von seinen Genossen loszusagen, gegenüber verschiedenen Ausschreitungen derselben stets die Mittelstraße einhielt und seine künstlerische Eigentümlichkeit ebenso streng zu wahren wußte wie seine persönliche. Der Geist des Protestantismus ist auch in seinen Werken stets lebendig geblieben, und selbst seine biblischen Gemälde sind frei von jener krankhaft schwärmerischen Auffassung des Religiösen, wie sie sich bei Overbeck und Schadow findet. Auch in der Technik hielt er sich entfernt von jenem Extrem seiner Genossen, die mit fast ausschließlicher Beachtung des Geistigen auf die Malerei des Körperlichen wenig Wert legten und sich dadurch oft einer unrichtigen, schwächlichen Zeichnung und matten Farbengebung schuldig machten. Schnorrs Behandlung des Fleisches ist dagegen kräftig und lebensvoll. Vgl. "Briefe aus Italien von J. S. v. C." (Gotha 1886).