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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schollenbrecher; Schöllenen; Schöllkraut; Schöllkrippen; Scholten; Scholtz; Scholver; Scholz

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Schollenbrecher - Scholz.

seite weiß, lebt besonders im hohen Norden, auch an den englischen und dänischen Küsten, selten in der Ostsee, zieht im Frühjahr aus der Tiefe in die flachern Buchten und ist für die Nordländer ein sehr wichtiger Nährfisch. Die Butten (Rhombus Gthr.) haben den breitesten Körper, einen weiten Mund, Bürstenzähne in schmaler Binde, eine über der Schnauze beginnende Rückenflosse, sehr große Afterflosse, kleine oder gar keine Schuppen und auf der linken Seite stehende Augen. Der Steinbutt (Turbot, Tarbutt, R. maximus Cuv., s. Tafel "Fische II"), bis 1,25 m lang und 35 kg schwer, auf der Augenseite höckerig, braun gemarmelt und heller gefleckt, auf der Blindseite weiß, lebt in der Nord- und Ostsee, im Mittelmeer, auch in der Unterweser und Geeste und war schon bei den Römern sehr geschätzt. Der Glattbutt (R. laevis Cuv.), 40 cm lang, bis 4 kg schwer, mit glatter Augenseite, braun, dunkelbraun gemarmelt, perlenartig hell gefleckt, hat dieselbe Verbreitung wie der vorige. Die Zungenschollen (Soole, Solea Gthr.) haben einen länglichen Körper, abgerundete, schnabelartige Schnauze, auf der rechten Seite stehende Augen, eine enge, nach links gedrehte Mundspalte, nur an der blinden Seite stehende Hechelzähne, eine an der Schnauze beginnende und bis zum Schwanz verlaufende Rückenflosse, zuweilen auf einer oder beiden Seiten fehlende Brustflossen und sehr große Afterflosse. Die Zunge (Seezunge, S. vulgaris Quensel), bis 60 cm lang und bis 4 kg schwer, auf der Augenseite schwarz, auf der Blindseite bräunlich, findet sich an allen westeuropäischen Küsten bis zum Eismeer, dringt auch in die Flüsse ein, findet sich in der Ostsee bis Kiel und ist ihres zarten Fleisches halber sehr geschätzt. S., Butten und Zungen besitzen große Lebenszähigkeit, halten sich auch in der Gefangenschaft vortrefflich, verlangen nicht einmal Seewasser, gedeihen in Teichen sehr gut, pflanzen sich hier auch fort und sind (namentlich junge Tiere) für Aquarien sehr empfehlenswert.

Schollenbrecher, s. Walze.

Schöllenen, s. Reuß (Fluß).

Schöllkraut, s. Chelidonium.

Schöllkrippen, Flecken im bayr. Regierungsbezirk Unterfranken, Bezirksamt Alzenau, an der Kahl, mit Amtsgericht, Oberförsterei und (1885) 734 Einw.

Scholten, Johannes Henricus, das Haupt der kritischen Theologie in Holland, geb. 17. Aug. 1811 zu Vleuter, nahm 1831 an dem Feldzug gegen Belgien teil, studierte 1832-36 in Utrecht, wurde 1838 reformierter Pfarrer in Meerkerk, 1840 Professor am Athenäum in Franeker und 1843 an der Universität Leiden, wo er, seit 1881 emeritiert, 10. April 1885 starb. Der erste Teil seiner Wirksamkeit war der Dogmatik und der Religionsphilosophie gewidmet. Die bezüglichen Schriften sind: "Leer der hervormde kerk in hare grondbeginselen" (Leid. 1848-50, 4. Ausg. 1861-62; deutscher Auszug von Nippold in der "Zeitschrift für historische Theologie" 1865) und die auch deutsch erschienenen Werke: "Geschichte der Religion und Philosophie" (Leid. 1853, 3. Aufl. 1863; deutsch von Redepenning, Elberf. 1868) und "Der freie Wille" (Leid. 1859; deutsch von Manchot, Berl. 1874). Der Grundgedanke ist die schlechthinnige Abhängigkeit des Menschen von Gott, der ihn determiniert, so daß der Mensch die eigne Kraft als eine ihm innewohnende Gottesmacht, das eigne Denken und Wirken als inneres Offenbaren, Rufen und Ziehen Gottes betrachten und darin seine persönliche Würde finden darf. Die zweite Hälfte seiner Wirksamkeit war der neutestamentlichen Kritik gewidmet, in welcher Beziehung er in Holland eine ähnliche Stellung einnimmt wie einst der Tübinger Baur in Deutschland. Unter seinen vielen hierher gehörigen Werken nennen wir: "Historisch-kritische inleiding tot de schriften des Nieuwen Testaments" (Leiden 1855, 2. Aufl. 1856); "Geschiedenis der christelijke godgeleerdheid gedurende het tijdperk des Nieuwen Testaments" (das. 1856, 2. Aufl. 1857); "Het evangelie naar Johannes" (das. 1864; deutsch von Lang, Berl. 1867); "De oudste getuigenissen aangaande de schriften des Nieuwen Testaments" (1866; deutsch von Manchot, Brem. 1867); "Het oudste evangelie" (Leid. 1868; deutsch von Redepenning, Elberf. 1869); "Het Paulinisch evangelie" (Leid. 1870; deutsch von Redepenning, Elberf. 1881); "De apostel Johannes in Klein-Azië" (Leid. 1871; deutsch von Spiegel, Berl. 1872); "Historisch-critische bijdragen naar aanleiding van de nieuwste hypothese aangaande Jezus en Paulus" (Leid. 1882). Eine Übersicht über seine theologische Entwickelung gibt seine Schrift "Afscheidsrede bij het neerleggen van het hoogleeraarsambt" (Leid. 1881). Vgl. Kuenen, Levensbericht van J. Henricus S. (Amsterd. 1885).

Scholtz, Julius, Maler, geb. 12. Febr. 1825 zu Breslau, bildete sich auf der Kunstakademie in Dresden und bei Julius Hübner. Seine ersten Arbeiten waren Genrebilder; darunter gefielen namentlich die Darstellung: Es zogen drei Bursche wohl über den Rhein und eine Erinnerung an den italienischen Krieg von 1859. Seinen Ruf begründete er durch zwei größere Historienbilder: das Gastmahl der Wallensteinschen Generale (gemalt für die Verbindung für historische Kunst und gegenwärtig in Karlsruhe) und die Musterung der Freiwilligen durch Friedrich Wilhelm III. zu Breslau (im Museum zu Breslau, Wiederholung in der Nationalgalerie zu Berlin). Eine lebensfrische Charakteristik und wirkungsvolle Behandlungsweise zeichnen diese Bilder aus. Auch als Porträtmaler hat S. eine umfangreiche Thätigkeit entfaltet. Seit 1874 wirkt er als Professor an der Kunstakademie zu Dresden. Für die Albrechtsburg in Meißen hat er einen Cyklus von Wandgemälden ausgeführt (1880).

Scholver, Vogel, s. Kormoran.

Scholz, 1) Wenzel, Komiker, geb. 28. März 1787 zu Brixen in Tirol, war 1811-15 Mitglied der von seiner Mutter geleiteten Schauspielergesellschaft, spielte dann auf Wanderbühnen Steiermarks und Kärntens und war 1819-26 in Graz engagiert, von wo er an das Josephstädter Theater in Wien kam, wo er fortan blieb und durch seinen unerschöpflichen Humor, seine wirksame Mimik und glückliche Charakteristik bald der Liebling des Publikums wurde. Er starb 5. Okt. 1857 in Wien.

2) Johann Martin Augustin, kath. Theolog, geb. 8. Febr. 1794 zu Kapsdorf bei Breslau, wandte sich besonders der kritischen Bearbeitung des Neuen Testaments zu, zu welchem Zweck er viele Bibliotheken in Frankreich, England, Italien, auch im Orient durchforschte. Er wurde 1821 Professor zu Bonn, 1837 Domkapitular zu Köln und starb 20. Okt. 1852. Seine Hauptwerke sind: "Novum testamentum graece" (Leipz. 1830-36, 2 Bde.) und "Handbuch der biblischen Archäologie" (Bonn 1834).

3) Adolf Heinrich Wilhelm von, preuß. Minister, geb. 1. Nov. 1833 zu Schweidnitz, studierte in Berlin und Bonn die Rechte und trat 1854 in den Staatsjustiz-, 1860 in den Staatsverwaltungsdienst. Er wurde Regierungsrat in Breslau und 1864 als Hilfsarbeiter in das Kultusministerium berufen, 1870