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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schopffackeldistel; Schopfheim; Schopfhühner; Schöpflin; Schöpfräder

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Schopffackeldistel - Schöpfräder.

vorstellenden Subjekt (dem Intellekt) auf Grund (subjektiver) räumlicher und zeitlicher Anschauungsform im Raum und in der Zeit angeschaute und auf Grund der (gleichfalls subjektiven) Kausalitätsform, welche zu jeder Erscheinung eine (reale) Ursache hinzuzudenken nötigt, (fälschlich) als real (objektiv) vorgestellte Welt ist daher (wie bei Fichte) in Wahrheit bloße "Welt als Vorstellung", Erscheinung ohne derselben zu Grunde liegendes Ding an sich, Fiktion des Intellekts oder des (nach S.) mit diesem identischen Gehirns, leeres "Hirngespinst". Geht aber S. (wie Fichte) in dieser (idealistischen) Richtung weit über Kant hinaus, so geht er in der andern (realistischen) Richtung weit hinter denselben zurück, indem er (allerdings auf anderm Weg) nicht nur, wie dieser, die Existenz eines "Dinges an sich", eines Realen, ausdrücklich anerkennt, sondern, was Kant für unmöglich erklärte, die Qualität desselben erkannt zu haben behauptet. Dasselbe wird, sowohl seiner Existenz als seiner Qualität nach, zwar nicht durch den Intellekt, das (nach Kant einzige) Erkenntnisorgan, aber doch und zwar "unmittelbar" als "Wille" erkannt und daher die (reale) "Welt als Wille" von der (imaginären) "Welt als Vorstellung" unterschieden. Während die letztere als "Gehirnphänomen" im und für den Intellekt, also nur im "Bewußtsein" ist, existiert die erstere, das "Ding an sich", ursprünglich ohne Intelligenz und ohne Bewußtsein, als zugleich "dummer" und "blinder" rastloser "Wille zu leben". Dumm ist derselbe, weil (wie S. unabhängig von seinem philosophischen System aus der Erfahrung darzuthun unternimmt) diese Welt (im Gegensatz zu Leibniz' "bester unter den möglichen": Optimismus) die "schlechteste unter den möglichen Welten" (Pessimismus) ist; weil das Leben keinen Wert hat; weil die Summe der durch dasselbe aufgedrungenen Schmerzen weit beträchtlicher ist als jene der durch dasselbe ermöglichten Genüsse; blind ist derselbe, weil das Licht der Intelligenz erst auf der höchsten und letzten Entwickelungsstufe des Willens im menschlichen Gehirn als Bewußtseinsträger entzündet wird. Mit dem Erwachen des Bewußtseins ist aber auch das Mittel gegeben, die "Dummheit" des Willens wieder gutzumachen. Indem der Intellekt zur Einsicht gelangt, daß der unerträgliche Zustand überwiegenden Leidens nur durch den unaufhörlichen Willen zu leben hervorgebracht wird, gewahrt er zugleich, daß eine Heilung desselben (nach buddhistischem Vorbild) durch Lebensflucht, d. h. durch die Verneinung des Willens zu leben, erreicht werden kann. Die Durchführung der letztern, das "Quietiv des Willens", das mit dem Übergang ins buddhistische Nirwâna, in die schmerzlose Stille des Nichtseins, verglichen werden kann, ist jedoch, wie S. ausdrücklich betont, keineswegs mit dem Selbstmord gleichbedeutend.

Seinen (späten) Erfolg als Philosoph hat S. weniger seinem widerspruchsvollen, die ausschließenden Gegensätze eines extremen Idealismus und eines naiven Realismus unbefangen nebeneinander umfassenden System als seiner mit glänzender Eloquenz durchgeführten Verteidigung einer pessimistischen Weltansicht, seinem zur Schau getragenen Haß gegen die "Schulphilosophie" und seiner (besonders in den kleinern Schriften) von philosophischer Kunstsprache freien, geistreich-populären Darstellungsgabe zu verdanken, wodurch er (wie die von ihm sehr hoch gestellten englischen und französischen Popularphilosophen) vorzugsweise der Philosoph für die "Weltleute" geworden ist. Als solcher hat S. zwar viele dilettantische Anhänger, aber nur wenige systematische Fortbildner gefunden, also im wissenschaftlichen Sinn keine Schule gemacht. Die Zahl der erstern ist Legion, unter den letztern stehen E. v. Hartmann (s. d. 12), der aber kein Pessimist sein will, Bahnsen, Lindner u. a. obenan. Um die Verbreitung, Erläuterung und Herausgabe seiner Werke hat sich vor allen Frauenstädt ("Briefe über die Schopenhauersche Philosophie", Leipz. 1854; "Neue Briefe", das. 1876, und "Schopenhauer-Lexikon", das. 1871, 2 Bde.), um seine Biographie haben sich außer Frauenstädt, der auch "Memorabilien" (bei Lindner, s. unten), "Aus Schopenhauers handschriftlichem Nachlaß" (das. 1864) und "Lichtstrahlen" aus Schopenhauers Werken (6. Aufl., das. 1888) herausgab, E. O. Lindner ("S. Von ihm. Über ihn, Memorabilien etc.", Berl. 1863) und vor allen Gwinner ("S. aus persönlichem Umgang", Leipz. 1862; 2. Aufl. als "Schopenhauers Leben", 1878) verdient gemacht. Neuerlich erschien der "Briefwechsel zwischen S. und J. A. ^[Johann August] Becker" (Leipz. 1883). In Frankreich ist S. durch Foucher de Careil ("Hegel et S.", Par. 1862; deutsch, Wien 1888), Ribot ("La philosophie de S.", 1874) und neuestens durch die Übersetzungen seiner Hauptschriften von Kantakuzenos, Reinach u. a., in England durch H. Zimmern ("A. S., his life and his philosophy", Lond. 1877) und seitdem durch die Übersetzung seines Hauptwerkes von Haldane und Kemp (das. 1883-86, 3 Bde.) eingeführt worden. Über seine Philosophie vergleiche außer der noch unübertroffenen Rezension Herbarts über die erste Auflage des Schopenhauerschen Hauptwerkes (im 12. Band seiner "Sämtlichen Werke", S. 377 ff.): Haym, Arthur S. (Berl. 1864); Busch, Arthur S. (2. Aufl., Münch. 1878); R. v. Koeber, Die Philosophie A. Schopenhauers (Heidelb. 1888). Die umfangreiche S.-Litteratur stellten Laban ("Die S.-Litteratur", Leipz. 1880) und Grisebach ("Edita und Inedita Schopenhaueriana", das. 1888) zusammen.

Schopffackeldistel, s. Melocactus.

Schopfheim, Bezirksamtsstadt im bad. Kreis Lörrach, an der Wiese, Knotenpunkt der Linien Basel-Todtnau und Leopoldshöhe-Säckingen, 375 m ü. M., hat eine evang. Kirche, eine Realschule, ein Amtsgericht, eine Bezirksforstei, Baumwollspinnerei und -Weberei, Papier- und Thonwarenfabrikation, eine mechanische Werkstätte, Bleichen, Holzhandel und (1885) 2733 meist evang. Einwohner. Südwestlich davon Dorf Dossenbach, wo 27. April 1848 ein Gefecht zwischen württembergischen Truppen und einer Freischar unter Herwegh stattfand.

Schopfhühner, s. Hühnervögel.

Schöpflin, Johann Daniel, Geschichts- und Altertumsforscher, geb. 7. Sept. 1694 zu Sulzburg i. Br., studierte zu Basel und Straßburg, erhielt hier 1720 einen Lehrstuhl der Geschichte und der Beredsamkeit sowie 1727 das Kanonikat zu St. Thomas, ward 1760 französischer Historiograph; starb 7. Aug. 1771. Er schrieb unter anderm: "Alsatia illustrata" (Kolm. 1751-61, 2 Bde.) und "Historia Zaringo-Badensis" (Karlsr. 1763-66, 7 Bde.) und gab mit Lamey die "Alsatia diplomatica" (Mannh. 1772-75, 2 Bde.) heraus. Seine reiche Bibliothek sowie seine Sammlung von Altertümern vermachte er der Stadt Straßburg, wo sie beim Bombardement 24. Aug. 1870 mit der Stadtbibliothek zu Grunde gingen. Vgl. Pfister, Jean Dan. S. (Nancy 1888).

Schöpfräder, um eine horizontale Achse rotierende Räder, welche mit einem Teil ihres Umfangs in Wasser tauchen und mit kleinen Gefäßen besetzt sind, die sich mit diesem Wasser füllen und es in eine Rinne ausgießen, sobald sie ihren höchsten Stand erreicht