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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schottland

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Schottland (Kirchen- und Schulwesen, Landwirtschaft etc.).

Verkehr hatten, war der Wohnsitz und das Eigentum eines Stammes oder Clans mit patriarchalischer Regierung, einer Art von erblicher Monarchie, die mehr auf Gewohnheit gegründet und durch allgemeine Einwilligung bestätigt, als durch Gesetze geregelt war. Cromwell zwang die Clans, die Waffen niederzulegen und Bürgschaft für friedliches Betragen zu leisten. Nach der Wiederherstellung des Hauses Stuart befestigte sich die alte Stammverfassung aufs neue. Aber die Gefahren, die der 1715 für das vertriebene Haus Stuart ausgebrochene Aufstand drohend gezeigt hatte, führten zu verschiedenen Maßregeln, um die Macht der Stammeshäupter zu brechen. Durch die sogen. Clanakte wurde das Eigentum des Lehnsmannes, der in einem Aufstand die Waffen ergriffen hatte, dem treu gebliebenen Lehnsherrn und umgekehrt dem pflichtgetreuen Lehnsmann das unbeschränkte Eigentumsrecht über seine Ländereien zugesprochen, wenn sein Lehnsherr sich empört hatte. Die Häuptlinge boten alles auf, ihre bedrohte Gewalt zu behaupten und den Neuerungen entgegenzuarbeiten, wodurch die Regierung die Bande des Clanverhältnisses zu lockern suchte. Der Aufstand von 1745 war eine Folge des heimlichen Grolles der Hochländer und der Anreizungen von außen. Der für jene unglückliche Ausgang des Kampfes gab der Regierung Anlaß, die patriarchalische Verfassung der Hochländer 1747 aufzuheben, die Entwaffnung derselben streng zu vollziehen und selbst die Volkstracht zu verbieten. Obwohl das Verbot 1782 wieder aufgehoben wurde, hat sich die alte Volkstracht allmählich verloren und ist nur noch in einigen Gegenden, jedoch mit der Tracht der Niederschottländer vermischt und nur unter der niedern Volksklasse, üblich. Diese Tracht besteht aus einem Kilt, der die nackten Schenkel umgibt, einer Weste, kurzer Jacke, einem über der linken Schulter hängenden gewürfelten Plaid oder Tartan, dessen Muster und Farben je nach den Clans verschieden sind, und einer Mütze (bonnet). Man rühmt dem Hochschotten Mut und Freiheitsliebe, Anhänglichkeit an die Heimat, Gastfreiheit, Redlichkeit im Privatverkehr und Treue gegen das Haupt seines Stammes nach. Dabei ist er aber voll von Vorurteilen und Aberglauben. In den Hochlanden herrscht jetzt vollständiger Friede. Die Niederschotten erinnern in ihrem Äußern an die Nordgermanen. Von mittlerer Größe und kräftig gebaut, sind sie hager, haben verhältnismäßig lange Beine, hervorstehende Backenknochen und hell blickende Augen. Sie sind verständig und besonnen und dabei ausdauernd in allem, was sie unternehmen. Selbst in der Fremde bewahren sie die Anhänglichkeit an ihr Vaterland und ihre Stammesgenossen. Im Umgang sind sie zugänglicher als die Engländer und von größerer Geselligkeit. Ihre Sparsamkeit artet aber oft in Geiz, ihre Vorsicht in Mißtrauen aus. Die skandinavischen Elemente der Bevölkerung sind jetzt ganz in den Schotten aufgegangen.

Landeskirche ist die presbyterianische (s. Schottische Kirche), der 45 Proz. der Bevölkerung angehören. Sie zählt 1671 Gemeinden und 571,000 Mitglieder. Ausgeschieden aus ihr sind die Free Kirk (1118 Gemeinden mit 331,055 Mitgliedern) und die United Presbyterian Church (569 Gem. mit 182,063 Mitgl.). Die protestantisch-bischöfliche Kirche (unter 7 Bischöfen) hat unter den obern Ständen einigen Anhang und infolgedessen auch Einfluß. Die Katholiken unter 6 Bischöfen bilden jetzt 9 Proz. der Bevölkerung. Außer den Iren in den Städten gehören zu ihnen auch die Bewohner der Inseln Barra, Süd-Uist, Eigg und Canna und von einigen abgelegenen Thälern in Inverneßshire. - Für Volksbildung war in S. lange gesorgt, ehe man noch in England daran dachte, und bereits 1696 wurde jeder Gemeinde befohlen, eine Schule zu errichten, was auch wirklich geschah, wenn auch ein Schulzwang für Kinder von 5-13 Jahren erst 1872 eingeführt wurde. Wenn von 100 der Erwachsenen 1884: 9 Proz. immer noch nicht schreiben können, so liegt das wesentlich an dem irischen Element der Bevölkerung. Die vier Universitäten (zu Edinburg, Glasgow, Aberdeen und St. Andrews) wurden 1887 von 6810 Studenten besucht und schließen sich in ihrer Einrichtung mehr den deutschen Hochschulen an, als dies mit den Universitäten Englands der Fall ist. Neben ihnen bestehen noch 4 Schulen für Ärzte, 3 Veterinärschulen, zahlreiche Seminare für Geistliche und Lehrer, 13 Kunstschulen, eine landwirtschaftliche Akademie und in jeder Stadt von Bedeutung wenigstens ein Gymnasium (s. Großbritannien, S. 765).

[Nahrungszweige.] Die Landwirtschaft hat in Südschottland einen so hohen Aufschwung genommen, daß sie selbst die englische überflügelt hat. Noch um die Mitte des vorigen Jahrhunderts zeigte man bei Edinburg ein kleines Weizenfeld als Kuriosität, jetzt aber wird diese Frucht auf 27,800 Hektar angebaut und gedeiht längs der Küste bis zum Dornoch Firth. In den Hügellandschaften baut man indes nur Hafer, Gerste und Roggen, und aus Hafer bereitet der Landmann meist sein Brot. Von der gesamten Oberfläche sind 1888: 16,5 Proz. unter dem Pflug, 8,5 bestehen aus Wiesen, 6,1 aus Weiden, und 4,5 Proz. sind Wald. Von ungemeiner Wichtigkeit ist die Viehzucht, in den Hügellandschaften namentlich die Schafzucht, während die ebenern Gegenden England sein bestes Schlachtvieh liefern. Allbekannt sind die kleinen hochländischen Pferde. Im J. 1887 zählte man 189,787 Acker- und Zuchtpferde, 1,110,260 Rinder, 6,730,567 Schafe und 154,559 Schweine. Noch mehr als in England befindet sich das Land in den Händen von Großgrundbesitzern. Es teilten sich in dasselbe 1877: 132,131 Besitzer, von denen indes 171 über die Hälfte (58,2 Proz.) des gesamten Areals ihr eigen nannten, unter ihnen voran der Herzog von Sutherland mit 5498 qkm, die wüsten Strecken seines Gebiets ungerechnet. Die Durchschnittsgröße der (1888) 82,193 Pachtgüter beträgt 24 Hektar (ohne Wald). In den Wäldern wurde nach Niederwerfung der Hochlande arg gehaust, in neuerer Zeit hat man aber mit Erfolg den angerichteten Schaden teilweise wieder gutgemacht. Wild ist in den nördlichen Gegenden noch in Menge vorhanden. Hirsche und Rehe, auch Wildschweine, sind nichts Seltenes. Iltisse, Marder, wilde Katzen und Füchse finden sich in den dichten Waldungen häufig. Die Fischerei ist bei der großen Küstenausdehnung sehr bedeutend; der Ertrag des Heringsfanges ist durch die Verbesserung des Einsalzens bedeutend gestiegen. Im Durchschnitt der letzten Jahre beschäftigten die Fischereien 15,000 Boote und 52,000 Menschen; gewonnen wurden 1,830,000 Faß Heringe (zu 900 Stück), 15,000 Ton. Kabeljau u. dgl., 23,000 T. Seezungen, 18,000 T. andre Fische, insgesamt im Wert von 2½ Mill. Pfd. Sterl. Allein die 1887 von den Häfen ins Binnenland expedierten Fische hatten einen Wert von 1,396,963 Pfd. Sterl. Der Walfischfang an der Küste von Grönland und in der Davisstraße wird von S. aus eifrig betrieben. Lachs, der sich häufig in den Flüssen und Seen findet, wird in Eis gepackt nach London gebracht. Ziemlich reich ist das Land an Mineralien, namentlich an Steinkohlen und Eisen, in dem Landstrich, der sich zwischen