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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schrot und Korn; Schrotleiter; Schrotmäuse; Schrotmühle; Schrötter; Schrotturm

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Schrotleiter - Schrot und Korn.

Weinsauce) so viel Wein, wie er trinken mag. Nachts liegt der Kranke in nassen Tüchern. Die höchst lästige Kur greift sehr tief ein und kann bei unvorsichtiger Anwendung Entkräftung, Skorbut, selbst den Tod herbeiführen, bei sorgsamer Überwachung hilft sie oft bei veralteter Syphilis, Gicht, chronischen Ausschwitzungen im Rippen- und Bauchfell und in den Gelenken, auch bei Magenerweiterung günstig. Die Wirkung beruht auf Konzentration des Blutserums, erhöhter Diffusionsgeschwindigkeit zwischen Blut und Gewebssäften sowie auf intensiver Anregung der Regeneration, der Um- und Neubildung des Organismus.

Schrotleiter, leiterartiges Gerät, welches als Unterlage gebraucht wird, um Lasten in einen oder aus einem Keller, von einem oder auf einen Wagen zu schaffen: Anwendung der schiefen Ebene.

Schrotmäuse (Echimyidae), s. Nagetiere, S. 980.

Schrotmühle, Maschine zum groben Zerkleinern von Getreidekörnern, Bohnen, Mais etc. Das auf der S. erhaltene Schrot entsteht durch Zerbrechen, nicht durch Zerreiben der Körner; das Quetschgut, welches wie das Schrot hauptsächlich als Viehfutter dient, wird dagegen auf Haferquetschen dadurch erzeugt, daß die Getreidekörner, hauptsächlich Hafer, lediglich zerdrückt werden, wobei jedoch der Zusammenhang der Körner erhalten bleibt. Vorzügliches Schrot erhält man auf gewöhnlichen Mahlgängen, indem man die Steine derselben entsprechend weit auseinander stellt, so daß lediglich ein Zerreißen und Zerschneiden der einzelnen Körner stattfindet. In dieser Weise wird bei der Hochmüllerei das erste Mahlprodukt erzeugt, welches durch Abscheiden der Kleie, Sortieren der Grieße und weiteres Vermahlen mit immer enger gestellten Steinen in feines Mehl verwandelt wird. Der das Schrot liefernde Mahlgang, der Schrotgang, ist nur da anwendbar, wo Göpel- oder Dampfkraft zur Verfügung steht. In kleinern, bäuerlichen Wirtschaften benutzt man daher Schrotmühlen in kleinen Abmessungen für Handbetrieb (Schrotmühlen im engern Sinn), bei welchen anderweitige Vorrichtungen zum Zerkleinern des Schrotguts verwendet werden. Die wichtigsten Systeme von Schrotmühlen sind folgende:

1) Schrotmühlen mit Scheiben. Das Prinzip derselben ist das der Mahlgänge, nur mit dem Unterschied, daß man eiserne oder stählerne Scheiben anstatt der Mühlsteine anwendet. Die Hauschläge der letztern wurden früher durch scharfe, feilenartig gehauene Riefen ersetzt, während man in neuerer Zeit Schneiden in verschiedenster Form in Anwendung bringt. Die verbreitetste, zu dieser Gruppe gehörige S. ist die Exzelsiormühle von Smeja, mit scharfen, auf den Scheiben angebrachten Zähnen.

2) Schrotmühlen mit Walzen. Zwei parallel zu einander gelagerte, an ihrer Oberfläche scharf kannelierte Walzen drehen sich in entgegengesetzter, einander zugewendeter Richtung entweder mit gleicher oder verschiedener Geschwindigkeit; über denselben befindet sich ein mit einer Zuleitungsvorrichtung versehener Rumpf, mittels dessen das zu schrotende Korn aufgeschüttet wird. Die Walzen werden in neuerer Zeit ausschließlich aus Hartguß oder Stahl gefertigt. Will man Hafer quetschen, so erhalten die Walzen oder mindestens eine derselben einen großen Durchmesser (etwa 0,50 m) und beide eine glatte Oberfläche; der Antrieb erfolgt alsdann nur bei einer Walze, während die zweite, mittels einer Feder und Stellschraube gegen die erstere angepreßt, durch die Friktion in Umdrehung versetzt wird. Nach dieser Anordnung ist die weitverbreitete Turnersche Haferquetsche konstruiert.

3) Schrotmühlen mit Stahlkegeln. Diese sind in der Regel mit geriffelten Hartgußkegeln angeordnet, welche in einem entsprechenden hohlen, ebenfalls mit Schneiden besetzten Mantel arbeiten. Das Prinzip ist somit das nämliche wie das der gewöhnlichen Kaffeemühle.

4) Schrotmühlen mit Walzen und festen Widerlagern. Die Walze arbeitet gegen ein Kreissegment, welches in regulierbarer Entfernung zu der Walze eingestellt werden kann. Solche Schrotmühlen sind in der mannigfaltigsten Konstruktion ausgeführt, vielfach auch derart, daß nicht der Umfang, sondern die Scheibe der Walze mit dem Widerlager die Arbeitsstelle bildet. Diese Scheiben können mit Vorsprüngen oder Hauschlägen in den verschiedensten Formen versehen werden; als Material dient Stahl, Hartguß oder Stein.

Leistung der Schrotmühlen: a) Schrotgänge nach dem System der Mahlgänge. Steindurchmesser 0,95 m, Betriebskraft 4 Pferdekräfte, tägliche Leistung 30-45 hl. Steindurchmesser 0,60 m, Betriebskraft dreipferdiger Göpel, tägliche Leistung 24 hl. b) Schrotmühlen für Handbetrieb mit zwei geriffelten Walzen von 0,09 m Durchmesser und 0,25 m Länge, 6 hl täglich. c) Turnersche Haferquetschen mit glatten Walzen, 10-20 hl täglich.

Schrötter, 1) Anton, Ritter von Kristelli, Chemiker, geb. 26. Nov. 1802 zu Olmütz, studierte in Wien Medizin und Chemie, wurde 1830 Supplent, 1834 Professor der Chemie und Physik am Johanneum in Graz, 1843 Professor der technischen Chemie und 1845 der allgemeinen Chemie am Polytechnikum in Wien, 1868 Direktor des Hauptmünzamtes. Er starb 15. April 1875 in Wien. Von Schrötters zahlreichen Arbeiten ist am wichtigsten die Entdeckung des amorphen Phosphors: "Über einen neuen allotropischen Zustand des Phosphors" (Wien 1848); außerdem schrieb er: "Die Chemie nach ihrem gegenwärtigen Zustand" (Wien 1847-49, 2 Bde.).

2) Leopold, Ritter von Kristelli, Mediziner, Sohn des vorigen, geb. 5. Febr. 1837 zu Graz, studierte in Wien, war 1863-69 Assistent Skodas, habilitierte sich 1867 als Privatdozent an der Wiener Universität und wurde 1870 Vorstand der neu errichteten Klinik für Kehlkopfkrankheiten. Nach Oppolzers Tod leitete er zwei Semester (1871-72) die interne Klinik desselben, 1875 erhielt er die außerordentliche Professur für Kehlkopf- und Brustkrankheiten, 1877-1881 war er erster Arzt an der Rudolf-Stiftung, seitdem am Allgemeinen Krankenhaus; seit 1884 liest er über das ganze Gebiet der innern Medizin. Schrötters Bedeutung liegt in seinen zum Teil bahnbrechenden Arbeiten auf dem Gebiet der Hals- und Brustkrankheiten, in seinen überaus glücklichen und gewandten Operationen im Kehlkopf und in seinen feinen und sichern Diagnosen. Auch als klinischer Lehrer genießt er eines wohlbegründeten Rufs. Er schrieb: "Beiträge zur laryngoskopischen Chirurgie" (1868-69, 3 Tle.); "Temperaturverhältnisse bei der kroupösen Pneumonie" (Wien 1869); "Beitrag zur Behandlung der Larynx-Stenosen" (das. 1876); "Die Herzkrankheiten" (in Ziemssens "Handbuch für spezielle Pathologie und Therapie"); "Die Kehlkopfsyphilis" (in Zeißls "Handbuch der Syphilis"); "Vorlesungen über Krankheiten des Kehlkopfes, der Luftröhre, der Nase und des Rachens" (Wien 1887 ff.); auch ist S. Mitredakteur der "Monatsschrift für Ohrenheilkunde etc." (Berl.).

Schrotturm, s. Schrot.

Schrot und Korn, Ausdrücke zur Bestimmung des innern Wertes einer Münze (s. Münzwesen, S. 893).