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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schulgesundheitspflege

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Schulgesundheitspflege (Schulzimmereinrichtung, Subsellien).

fel Geschriebenes lesen kann; sie darf nicht über 9-10 m hinausgehen. Die Breite muß so beschaffen sein, daß bei seitlich gelegenen Fenstern auch die an der Gegenwand sitzenden Kinder genügendes Licht haben. Dies ist erfahrungsgemäß bis zu einer Breite von 7 m der Fall. Die Höhe des Zimmers soll mindestens 3,5-4 m betragen. Die Beleuchtung der Zimmer ist hinreichend, wenn auf 1 qm Fensterfläche höchstens 4 qm Fußboden kommen. Das Licht muß durch möglichst hohe Fenster von der linken Seite einfallen, rechtsseitige Beleuchtung ist verwerflich, das schlimmste von vorn einfallendes Licht. Wo Oberlicht durch die baulichen Verhältnisse gestattet ist, erscheint es sehr empfehlenswert. Die Fenster sollen womöglich nach N. oder O. gehen und dem direkten, unbehindert einströmenden Licht ausgesetzt sein. Gegen Sonne und Blendung sind Vorhänge oder Jalousien anzubringen, am besten solche von grüner oder grauer Farbe. Soweit künstliche Beleuchtung erforderlich ist, benutzt man Gas oder Petroleum, versieht die Lampen mit Milchglasblenden und rechnet auf je sieben (nach Varrentrapp bei zweisitzigen Subsellien auf je vier) Schüler eine Flamme. Für die ganze Beleuchtungsfrage gilt aber der Grundsatz, daß bei richtiger Anordnung nie zu viel Licht im Klassenzimmer sein kann. Die Untersuchungen der Augenärzte haben gezeigt, wie außerordentlich großen Schaden die mangelnde Beleuchtung der Schulräume den Schülern zufügt. An die Heizung sind die gewöhnlichen Anforderungen zu stellen. Bei Lokalheizung wird man Kachelöfen vorziehen, obwohl sie schwierig anzuheizen sind. Die einfachen eisernen Öfen sind jedenfalls verwerflich, weil sie zu viel Bedienung fordern, zu viel strahlende Wärme liefern und feuergefährlich sind. Gute eiserne Füllöfen dürften den Kachelöfen vorzuziehen sein. Wo man es mit größern Anlagen zu thun hat, empfiehlt sich aus hygieinischen, technischen und ökonomischen Gründen die Zentralheizung. Welches der verschiedenen Systeme dieser letztern aber den Vorzug verdient, ist noch nicht endgültig entschieden. Luftheizung gewährt den Vorteil einer kräftigen Ventilation und genügt allen Anforderungen, wenn sie reine Luft ansaugt, die vor dem Eintritt in das Zimmer angemessen durchfeuchtet wird. Wasser- und Dampfheizung haben den Vorzug großer Reinlichkeit, aber sie sind teuer in der Anlage, teilweise nicht ganz ungefährlich und nicht so direkt für die Ventilation zu verwenden wie die Luftheizung. Die Verunreinigung der Luft durch die Atmung erreicht in Schulzimmern oft einen hohen Grad. Bekanntlich benutzt man als Maßstab der Verunreinigung den steigenden Kohlensäuregehalt der Luft, obwohl die Kohlensäure selbst bei den hier in Betracht kommenden Mengen niemals schädlich wird, weil mit ihrer Menge gleichzeitig die schädlichen Ausatmungsprodukte wachsen, für deren Bestimmung bisher die Mittel fehlen. Bei normalen Verhältnissen bleibt der Kohlensäuregehalt in Wohnzimmern unter 1 pro Mille, in Schulzimmern aber hat man 5, auch 7 pro Mille gefunden, obgleich der auf jeden Schüler entfallende Kubikluftraum reichlich und innerhalb der vorgeschriebenen Grenzen bemessen war. Es geht daraus hervor, daß die sogen. natürliche Ventilation (durch die Poren des Mauerwerks etc.) für Schulzimmer nicht ausreicht, sondern daß eine künstliche Ventilation geschaffen werden muß. Als notwendiges Luftquantum müßte man pro Kopf nach Pappenheim bei sechsstündigem Aufenthalt 6 2/3 cbm Luftraum rechnen, falls die Luft nicht allzusehr verdorben werden soll. Da man als Maximum der in einem Raum von einem Lehrer zu überwachenden Kinder 60 Köpfe zulassen kann, ja in einigen Gemeindeschulen und Dorfschulen noch darüber hinausgegangen wird, so würde man Zimmer von einer Größe haben müssen, welche sich aus baulichen Rücksichten sowohl als aus Rücksicht auf die Lungen des unterrichtenden Lehrers durchaus verbietet. Hier muß die Ventilation aushelfen. Die Zahl der Schüler einer Klasse ist also wesentlich durch pädagogische Gründe bestimmt. Sie wird allerhöchstens auf 60-80 bei hygieinisch zweckmäßigen Einrichtungen zu normieren sein. Über die Ausführung der Ventilation s. d.

Die unbestreitbaren Nachteile der alten primitiven Schultische und Bänke (Subsellien) hat man durch zahlreiche Untersuchungen und Konstruktionen zu beseitigen gesucht. Die beste und am wenigsten anstrengendste Art des Sitzens ist die sogen. hintere Sitzlage, bei welcher der Schwerpunkt des Oberkörpers etwas hinter eine durch die Hauptstützen desselben, die Sitzbeinhöcker, gelegte Linie fällt. Sie wird bei gewöhnlichen Schulbänken nicht erreicht, sondern im Gegenteil die vordere Sitzlage begünstigt, bei welcher der Oberkörper nach vorn überfällt, der Körper schneller ermüdet und Brust- und Unterleibsorgane gepreßt und beengt werden. Dieses schlechte Sitzen wird noch ausgeprägter, wenn die Entfernung zwischen Bank- und Tischplatte nicht in dem richtigen Verhältnis zur Größe des Schülers steht, sondern zu groß oder zu klein ist. In jedem Fall wird Schiefhaltung des Kopfes und Verkümmerung der Wirbelsäule (Skoliose) mit Ansinken der vordern Brustwand gegen die Tischkante dadurch hervorgerufen. Diese Übelstände lassen sich nur vermeiden, wenn 1) die Differenz zwischen Höhe des Tisches und der Bank den durchschnittlichen Größenverhältnissen des betreffenden Alters angepaßt ist, so zwar, daß bei zwanglosem Sitzen, bei aufgelegten Armen, aber nicht gehobenen Schultern, die Entfernung der Augen von der Tischplatte (Schreibheft) 26-32 cm beträgt (Sitzhöhe 2/7, vordere Tischkante reichlich 3/7 der durchschnittlichen Körperlänge); 2) zum Schreiben sogen. Minusdistanz vorhanden ist, d. h. der hintere Rand der Tischplatte etwas über den vordern der Bankplatte herübersteht, mit andern Worten eine vom hintern Rande der Tischkante gefällte Senkrechte auf die Bank fällt oder wenigstens deren vordern Rand trifft; 3) der Rücken, thunlichst auch beim Schreiben, eine Stütze im Kreuz findet, also eine nach vorn geschweifte Lehne vorhanden ist; 4) die Tischplatte gegen das Auge geneigt ist, so daß man einen Sehwinkel von etwa 60° erhält und, ohne den Kopf zu senken, die Gegenstände auf dem Tisch deutlich wahrnehmen kann.

Die Pädagogen stellen nun ferner noch die Anforderung des leichten Aufstehens der Kinder bei den Antworten, beim Aufsagen etc. und eines Faches für Aufbewahrung der Bücher etc. Um ersterm Anspruch zu genügen, der auch im Interesse des Wechsels der Körperhaltung liegt, aber durch die Minusdistanz sehr erschwert wird, hat man zwei Wege eingeschlagen. Einmal hat man zweisitzige Subsellien gebaut, so daß die Schüler leicht auf einen dazwischenlaufenden Gang hinaustreten können; dann aber hat man die Bank, den Einzelsitz oder die Tischplatte verschiebbar gemacht. Letzteres ist durchgeführt in der Kunzeschen Schulbank, welche durch eine sinnreiche und einfache in Richtung den Schüler zwingt, jedesmal die Minusdistanz herzustellen, wenn er schreiben will. Den Raum für die Bücher hat man teils unter der Tischplatte, teils auch unter der Bank angebracht. Obigen Ansprüchen suchen alle neuern Schulbänke, deren es