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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schwaigern; Schwalbach; Schwalbe; Schwalben; Schwalbenkraut; Schwalbennester; Schwalbenschwanz

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Schwaigern - Schwalbenschwanz.

selbe unter Umständen von der Zeugnispflicht, indem sie aber auch auf der andern Seite das Zeugnis eines mit einer Partei Verschwägerten als ein nicht unverdächtiges erscheinen läßt. In Großbritannien ist die Ehe mit der Schwägerin, d. h. mit der Schwester der verstorbenen Ehefrau, verboten. Ein auf Beseitigung dieses Verbots hinzielender Gesetzesvorschlag (Deceased wife's sister bill) wurde wiederholt eingebracht, 1883 auch vom Unterhaus angenommen, jedoch vom Oberhaus verworfen.

Schwaigern, Stadt im württemberg. Neckarkreis, Oberamt Brackenheim, am Leinbach und an der Linie Heilbronn-Eppingen der Württembergischen Staatsbahn, 202 m ü. M., ist Hauptort der Grundherrschaft Neipperg, hat eine evang. Kirche, ein Schloß, guten Weinbau und (1885) 2131 meist evang. Einwohner.

Schwalbach, s. Langenschwalbach.

Schwalbe (Hirundo L.), Gattung aus der Ordnung der Sperlingsvögel und der Familie der Schwalben (Hirundinidae), kleine, breitbrüstige, kurzhälsige, plattköpfige Vögel mit kurzem, plattem, fast dreieckigem, an der Spitze des Oberschnabels etwas gekrümmtem Schnabel, sehr weit gespaltener Rachenöffnung, kurzen, schwachen Füßen und Zehen, langen, schmalen, zugespitzten Flügeln, in denen die erste Schwinge am längsten ist, und mehr oder weniger gegabeltem Schwanz, dessen äußerste Federn die mittlern oft sehr beträchtlich überragen. Die Schwalben sind über alle Erdteile verbreitet, in den Ländern mit wirklichem Winter Zugvögel, in wärmern Strichvögel. Die deutschen Arten ziehen bis in die südlichsten Länder Afrikas; daß einzelne in Schlamm eingebettet den Winter im Norden verbringen, ist Fabel. Die Schwalben fliegen reißend schnell, bäumen gern, gehen auf dem Boden sehr ungeschickt, sind gesellig, heiter, mutig, singen zwitschernd, nähren sich von Insekten, welche sie im Flug erjagen, und trinken und baden auch im Flug. Sie fertigen ein kunstvolles Nest aus Lehm und ihrem klebrigen Speichel oder graben tiefe Löcher in steil abfallende Erdwände; das Gelege besteht aus 4-6 Eiern, welche vom Weibchen allein bebrütet werden. Die meisten brüten wohl mehr als einmal. Die Schwalben weilen gern in der Nähe des Menschen, und in den meisten Ländern bleiben sie unbehelligt und werden mit Wohlwollen, ja mit einer Art Verehrung betrachtet. In Spanien und Italien werden aber auch Tausende für die Küche gefangen. Die Rauchschwalbe (H. [Cecropis] rustica L.), 18 cm lang, 31 cm breit, mit tief gegabeltem Schwanz, oberseits blauschwarz, an Stirn und Kehle braun, mit breitem, schwarzem Gürtel auf dem Kropf, unterseits rostgelb und mit weißen Flecken auf den fünf äußersten Steuerfedern, bewohnt Europa und Asien, mit Ausnahme des höchsten Nordens, weilt bei uns von Anfang April bis Oktober und geht im Winter bis Südafrika und zu den Sundainseln. Sie erbaut ihr Nest in acht Tagen, am liebsten an Häusern aus schlammiger oder fetter Erde, welche klümpchenweise aufgeklaubt und mit Speichel überzogen angeklebt wird. Auch feine Halme und Haare werden eingelegt und das Innere des Nestes mit solchen ausgepolstert. Dasselbe Nest wird viele Jahre benutzt und nur alljährlich ausgebessert und neu ausgekleidet. Das Weibchen legt im Mai 4-6 weiße, grau oder braun punktierte Eier (s. Tafel "Eier I"), beim zweiten Gelege im August weniger und brütet sie in 12, bei schlechter Witterung oft erst in 17 Tagen aus. Die S. lebt hauptsächlich von Zwei- und Netzflüglern, Schmetterlingen und Käfern, erjagt diese je nach Witterung und Tageszeit in höhern oder tiefern Schichten der Luft, bedarf sehr viel und speit die unverdaulichen Teile, zu Gewöllen geballt, wieder aus. Die Mehlschwalbe (Haus-, Fenster-, Giebel-, Dachschwalbe, H. [Chelidon] urbica Boie), mit seicht gegabeltem Schwanz, kräftigem, auf der Firste scharf gebogenem Schnabel und verhältnismäßig starken, wie die Füße befiederten Läufen, 14 cm lang, 27 cm breit, oberseits schwarz, unterseits und auf dem Bürzel weiß, bewohnt etwa dasselbe Gebiet wie die vorige, geht aber weiter nordwärts, trifft einige Tage später ein als jene und verweilt, namentlich in Südeuropa, länger; sie kommt einzeln an, sammelt sich aber vor dem Herbstzug zu großen Schwärmen und geht bis Innerafrika und Südasien. Sie nistet gesellig in Städten und Dörfern, baut ihr Nest in 12-14 Tagen ähnlich wie die vorige unter einem schützenden Vorsprung, mauert es aber bis auf ein kleines Flugloch zu. Sie legt 4-6 weiße Eier (s. Tafel "Eier I") und brütet zweimal. Das Weibchen zeitigt die Eier in 12-13 Tagen. Die Mehlschwalbe ist in ihrem Wesen der vorigen ähnlich und doch wohl von ihr unterschieden. Sie erreicht im Flug, besonders bei Regenwetter, oft große Höhen und jagt dort, wie die Seglerarten, nach Nahrung. Um ihr Nest besteht sie oft erbitterte Kämpfe mit dem Sperling, der sie gern aus demselben vertreibt. Die Uferschwalbe (Erd-, Sand-, Wasserschwalbe, H. [Cotyle] riparia Boie), mit seicht gegabeltem Schwanz, verhältnismäßig langem, flachem Schnabel, über das Schwanzende reichenden Flügeln und zarten Füßen mit schwächlichen Zehen, 13 cm lang, 29 cm breit, oberseits aschgraubraun, unterseits weiß mit graubraunem Band in der Brustgegend, findet sich weitverbreitet in Europa und Asien, besonders an steilen Uferwänden, nistet gesellig, höhlt in 2-3 Tagen 4-6 cm weite, bis 2 m lange, etwas aufsteigende Löcher in dem festen Erdreich aus, erweitert dieselben am hintern Ende, füttert sie hier mit Halmen, Federn etc. aus und legt 5-6 weiße Eier (s. Tafel "Eier I"); meist brütet sie nur einmal. Die Uferschwalbe fliegt sehr niedrig über dem Wasser und ist ungemein gesellig. Sie weilt bei uns von Mai bis September und ist in manchen Gegenden sehr gemein. Die S. hat dieselbe mythische Bedeutung wie der Kuckuck. Als Bote des Frühlings bringt sie Segen, im Winter dagegen Unglück. In Deutschland heißen die Schwalben Vögel der Madonna und sind von bester Vorbedeutung. Eine S. warnte Alexander vor Verrat. Als Schwätzerin ist sie dagegen verrufen, ein griechisches Sprichwort warnt vor Schwalben unter dem Dach. Schwalben im Traum bedeuten Unglück, nach Xenophon zeigten Schwalben den unglücklichen Ausgang der Expedition des Kyros gegen die Skythen an. Auch Antiochos erhielt dies Vorzeichen. Im Gegensatz zum Sperling als phallisches Symbol, war die S. als schamhaftes Weib der Venus heilig.

Schwalben (Hirundinidae), Familie aus der Ordnung der Sperlingsvögel (s. d.).

Schwalbenkraut, s. Chelidonium.

Schwalbennester, beim Militär Abzeichen der Musiker, Trompeter und Spielleute an der Schulter auf den Waffenröcken; sie sind bei den beiden erstern mit goldenen oder silbernen Tressen (bei der Kavallerie schräg, bei den übrigen Truppen gerade von oben nach unten), bei den Spielleuten mit wollenen Borten besetzt. Die S. der Stabstrompeter, Kapellmeister, Bataillonstamboure haben am untern Rand lange Fransen von der Farbe der Tresse.

Schwalbennester, eßbare, s. Salangane.

Schwalbenschwanz, trapezförmige Verbindung