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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schwämme

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Schwämme (Pflanzen) - Schwämme (Tiere).

in deren Produkten die Pilze ein geeignetes Nährsubstrat finden. Die Pilze gedeihen also auf katarrhalischem Boden, anderseits bedingen sie sekundär Mundkatarrhe. Die Behandlung hat zwei Aufgaben: die Entfernung des Pilzes und die Beseitigung des Mundkatarrhs. Erstere muß auf rein mechanischem Wege geschehen, die S. müssen mit stumpfen Instrumenten, Pinsel, trockner Leinwand etc. direkt abgekratzt werden; der Mundkatarrh wird durch große Reinlichkeit, häufiges Ausspülen und Auswaschen der Mundhöhle mit desinfizierenden, nicht zuckerhaltigen Wässern, z. B. Boraxlösungen, beseitigt. Bei Kindern ist namentlich darauf zu achten, daß sie unverdorbene Milch erhalten; die Saugpfropfen, oft die Träger der zersetzenden Stoffe, müssen nach dem Gebrauch durch Auskochen stets aufs sorgfältigste gereinigt werden. S. Tafel "Halskrankheiten", Fig. 6.

Schwämme (Fungi, Mycetes), s. Pilze.

Schwämme (Spongiae, Porifera. Poriferen, hierzu Tafel "Schwämme"), niedere Tiere aus dem Stamm der Cölenteraten (s. d.). In seiner einfachsten Form besteht ein Schwamm aus einem Individuum, das wie ein offner Sack gestaltet ist. Die Wandung desselben ist aus drei Schichten zusammengesetzt, nämlich aus einer zarten und dünnen äußern, dem Ektoderm oder Hautblatt, einer mittlern, dem Mesoderm oder Mittelblatt, und einer innern, dem Entoderm oder Darmblatt. Das letztere wird von flimmernden Zellen gebildet, welche in dem mit Wasser gefüllten Hohlraum eine Strömung in der Richtung nach der Öffnung (osculum) des Sackes erzeugen. Die Haut selbst ist zum Eintritt des Wassers von vielen verschließbaren Poren durchbohrt (daher der Name Poriferen). In dem Mittelblatt bildet sich meist ein Skelett aus Kalk- oder Kieselnadeln, auch aus Hornfasern zur Stütze des Körpers aus. Die Nahrung wird von den Zellen des Darmblattes, vielleicht auch von denen der beiden andern Schichten aus dem Wasser, welches den Schwammkörper durchströmt, zurückbehalten und verdaut. Nerven und Muskeln sind wahrscheinlich vorhanden, ebenso Sinnesorgane. Die Fortpflanzung ist teils geschlechtlich (die S. sind wahrscheinlich meist Zwitter), teils ungeschlechtlich. Bei der erstern entstehen Eier und Samenfäden in den Zellen des Mittelblattes und entwickeln sich nach der Befruchtung gewöhnlich im Innern des Schwammes weiter, so daß erst die jungen Larven denselben verlassen. Übrigens sind die Eier anfänglich noch ohne bestimmte Form und können sich wie eine Amöbe durch Ausstrecken von Fortsätzen im Muttertier bewegen. Die bewimperten Larven schwärmen eine Zeitlang frei umher, setzen sich aber dann fest und bilden einen neuen Schwammkörper. Die ungeschlechtliche Vermehrung geschieht entweder durch besondere Keimkörper (gemmulae) oder durch Teilung; letztere führt vielfach nicht zur völligen Loslösung der Teilstücke, sondern zur Bildung von Kolonien, und so entstehen jene oft äußerst komplizierten Formen, wie z. B. der Achsenschwamm, Axinella und Aplysina (Fig. 4 u. 13). Auch durch Verschmelzung mehrerer dicht nebeneinander aufwachsender Individuen kann eine einheitliche Schwammkolonie gebildet werden (Fig. 9), die als solche nicht nur eine große Menge von Ausströmungsöffnungen (oscula) zeigt, sondern deren Hautporen auch zuerst in ein langes Kanalsystem führen, mit dem die Magen der Individuen in Verbindung stehen. Solche größere Exemplare sind dann durch und durch von diesen das Wasser zuführenden und abführenden Kanälen durchzogen; die ursprünglich vorhandenen Oskula können aber zum Teil verschmelzen oder sich ganz schließen, so daß man aus ihrer Menge nicht die Zahl der vereinigten Einzelschwämme ermitteln kann. Die S. wachsen entweder frei von ihrer Unterlage (Steine, Pflanzen etc.) in die Höhe, oder liegen ihr dicht an und umschließen sie zuweilen von allen Seiten. So werden z. B. Schneckenschalen, in denen Einsiedlerkrebse wohnen, häufig ganz und gar bis auf die kleine Öffnung, welche sich der Krebs durch Ausstrecken seines Vorderkörpers frei erhält, überzogen. Einige S. stecken auch völlig frei im Schlamm des Meeresbodens (Fig. 11 u. 14). Überhaupt wissen sich die S. ihrer Umgebung oft so genau anzupassen, daß eine und dieselbe Art in einer Mannigfaltigkeit von Formen auftritt und vielfach nur durch mikroskopisches Studium bestimmt werden kann. Eine große Wandelbarkeit zeigen manche S. auch dadurch, daß die einzelnen Zellen eine bedeutende Selbständigkeit besitzen. Bei Spongilla verändert nicht nur die äußere Haut, sondern auch das Innere des Tiers seine Form, Hautporen werden geschlossen, andre neu gebildet; auch die Nadeln werden in ihrer gegenseitigen Lage verschoben, und so kommt sogar eine Art Ortsveränderung zu stande, indem der ursprüngliche Befestigungsort unter langsamen Bewegungen der gewissermaßen von ihm wegfließenden Masse verlassen und mit einem neuen vertauscht wird. Abgeschnittene Stücke des Schwammkörpers können weiterwachsen und mit andern Stücken von derselben Art verschmelzen.

Mit Ausnahme der Familie der Spongillidae gehören die S. dem Meer an, wo sie unter sehr verschiedenen Verhältnissen und in weiter Verbreitung angetroffen werden. Fossile Reste finden sich schon in den ältesten Schichten; ihre größte Entwickelung erreichen sie während der Kreideperiode. Alle lebenden Hauptgruppen, soweit sie überhaupt versteinerungsfähig sind, lassen sich bis in den Silur verfolgen und stehen unvermittelt einander gegenüber, so daß die gemeinsamen Vorfahren in einer noch ältern Periode gelebt haben müssen. Manche heutige S. der Tiefsee sind gewissen fossilen ganz besonders ähnlich. Merkwürdig erscheinen die Bohrschwämme (Vioa), welche sich vielleicht lediglich durch ihre harten Kieselnadeln, vielleicht aber auch mit Hilfe chemisch wirkender Sekrete, in Molluskengehäusen, Kalksteinen und Korallen Röhren und Kanäle graben und durch massenhaftes Auftreten sehr wesentlich mit zu der eigentümlichen Gestaltung der aus Kalksteinen bestehenden Küste des Adriatischen Meers beitragen. Die als Badeschwamm (s. d.) bekannten weichen, elastischen Hornschwämme finden technische und fanden wegen ihres angeblichen Jodgehalts früher auch medizinische Verwendung.

Man teilt die S. in zwei große, unvermittelt nebeneinander stehende Gruppen: 1) Kalkschwämme (Porifera calcaria). Dies sind meist schmutzig weiße S. und Schwammstöcke, wie der Knollenkalkschwamm, Leucandra, ferner Ascandra (Fig. 5), Ascetta (Fig. 8, 9, 10), mit einem Skelett aus Kalknadeln; im allgemeinen sind sie einfach gebaut und auch nicht besonders zahlreich. 2) Nichtkalkschwämme (P. incalcaria), also alle S. ohne Kalkskelett. Entweder fehlt ihnen ein Skelett völlig (Halisarcidae, Gallert- oder Fleischschwämme, hierher Oscarella, Fig. 3), oder es sind hornige Erhärtungen (Hornschwämme, hierher der Badeschwamm, Fig. 2, u. Aplysina, Fig. 13) oder verschieden gestaltete Kieselkörper (Kieselschwämme, s. Textfigur, S. 682), zugleich mit Hornfasern oder