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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schwerdgeburth; Schwere; Schwererde; Schwerholz; Schwerhörigkeit; Schwerin

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Schwerdgeburth - Schwerin.

der Sternwarte zu Speier" (das. 1829-30, 2 Bde.). In seinem Werk "Die Beugungserscheinungen, aus den Fundamentalgesetzen der Undulationstheorie analytisch entwickelt etc." (Mannh. 1835) gab er zuerst eine vollständige Erklärung dieser Lichtphänomene. Auch konstruierte er ein sehr sinnreiches Sternphotometer.

Schwerdgeburth, Karl August, Kupferstecher, geb. 5. Aug. 1785 zu Dresden, wurde Schüler der dortigen Akademie und ließ sich 1805 in Weimar nieder, wo er sich der Kupferstecherkunst widmete. Durch Goethe in seinen Bestrebungen sehr gefördert, machte er sich später durch seine nach eignen Kompositionen in Stahl gestochenen sieben Bilder aus dem Leben Luthers, durch zahlreiche Illustrationen zu litterarischen Werken und durch die Porträte des Großherzogs Karl August von Weimar, Goethes und Schillers einen Namen. Seine in Punktier-, Krayon- u. Linienmanier sauber ausgeführten Stiche sind korrekt in der Zeichnung und gewissenhaft in der Behandlung der Details. S. starb 25. Okt. 1878.

Schwere, das Bestreben der Körper, nach der Erde zu fallen, welches sich entweder durch den wirklichen Fall oder durch den Druck auf die horizontale Unterlage äußert. Dieser Druck heißt Gewicht (s. d.). Die S. ist ein besonderer Fall der Gravitation (s. d.), d. h. der Anziehung, welche jedes Massenteilchen auf jedes andre im direkten Verhältnis der Massen und im umgekehrten Verhältnis des Quadrats der Entfernung ausübt. Nach diesem Gesetz zieht die Erde, welche als nahezu kugelförmig betrachtet werden kann, jeden außer ihr befindlichen Körper an, und zwar so, als ob die ganze Masse des Erdballes in seinem Mittelpunkt vereinigt wäre. Die Schwerkraft (so nennen wir diese Anziehung) ist daher überall nach dem Erdmittelpunkt (lotrecht oder vertikal) gerichtet und steht senkrecht zu der idealen, durch das ruhige Meer repräsentierten Erdoberfläche. Von der Erdoberfläche aus nimmt die S. sowohl nach der Tiefe als nach der Höhe ab; im Erdinnern ist sie nämlich dem Abstand vom Erdzentrum proportional, während sie außerhalb der Erde dem Quadrat der Entfernung vom Erdmittelpunkt umgekehrt proportional ist. Aber auch an der Erdoberfläche ist die S. nicht überall gleich, sondern nimmt von den Polen nach dem Äquator hin ab. Ihre Intensität wird bemessen nach der Beschleunigung, welche sie einem frei fallenden Körper während einer Sekunde erteilt; diese beträgt nach Sabines Pendelbeobachtungen (s. Pendel) am Pol 9,83089 m, am Äquator dagegen nur 9,78009 m, so daß vom Pol zum Äquator eine Abnahme um 0,05080 m stattfindet. Als teilweise Ursache dieser Abnahme ist die aus dem Umschwung der Erde um ihre Achse entspringende Zentrifugalkraft zu betrachten, welche für jeden Ort dem Radius seines Parallelkreises proportional und sonach am Äquator am größten, an den Polen aber Null ist. Wäre die Erde eine vollkommene Kugel, so würde die S. am Äquator vermöge der Zentrifugalkraft allein um 0,03368 m geringer sein als an den Polen; daß die wirkliche Verminderung größer, nämlich 0,05080 m ist, läßt sich nur dadurch erklären, daß die Pole dem Erdzentrum als dem Sitz der Anziehungskraft näher liegen als die Punkte des Äquators, oder daß die Erde an den Polen abgeplattet ist. Aus den beiden Zahlen 0,05080 m und 0,03368 m kann man nach einer von Clairaut aufgestellten Formel die Abplattung berechnen und findet sie = 1/292, ein Wert, welcher mit dem durch geodätische Messungen gefundenen sehr nahe übereinstimmt.

Schwererde, s. v. w. Baryt; s. auch Schwerspat.

Schwerholz, Baum, s. Baryxylon.

Schwerhörigkeit, Zustand, welcher in den verschiedensten Abstufungen bis zur völligen Taubheit bei Individuen jeden Alters und Geschlechts vorkommen kann, entsteht infolge sehr verschiedener Ursachen. Diese sind entweder durch Erkrankungen des Gehörorgans bedingt (s. Ohrenkrankheiten), oder sie sind, wie man sagt, zentraler Natur und beruhen auf Erkrankung des Gehirns. Die Möglichkeiten sind Legion, in jedem Fall sollten sich Schwerhörige der Behandlung eines tüchtigen Ohrenarztes anvertrauen.

Schwerin, ein zum Großherzogtum Mecklenburg-S. gehöriges Fürstentum, war ehemals Bistum, von Heinrich dem Löwen 1167 an Stelle des aufgehobenen Bistums Mecklenburg gegründet. Sein Sprengel umfaßte das Land zwischen dem Schweriner See, der Ostsee, der obern Peene und dem Müritzsee. Sein Gebiet bestand aus zwei Teilen, am Schweriner und Müritzsee. Der Bischof war Reichsfürst und dem Erzbistum Bremen unterstellt. Unter Bischof Magnus, Herzog von Mecklenburg (1516-60), fand die Reformation Eingang; doch wurde erst 1648 das Stift mit einem Areal von 752 qkm (13,6 QM.) säkularisiert und dem Haus Mecklenburg als erbliches Fürstentum überlassen. Die Hauptstadt war Bützow.

Schwerin, 1) Hauptstadt des Großherzogtums Mecklenburg-S., im Kreis Mecklenburg oder Herzogtum S., das bei 7270 qkm (132 QM.) Areal die größere Westhälfte des Landes umfaßt, in schöner Gegend zwischen der Westseite des Schweriner Sees und andern kleinern Seen, Knotenpunkt der Linien Hagenow-Kleinen, S.-Krivitz u. S.-Ludwigslust-Dömitz der Mecklenburgischen Friedrich Franz-Eisenbahn, 50 m ü. M., besteht aus der Alt-, Neu-, Pauls- und Vorstadt, dem Stadtbinnenfeld, Stadtaußenfeld, Schelffeld und dem Gebiet außerhalb des ehemaligen Wismarschen Thors, hat schöne Straßen, 9 Plätze (darunter der Luisenplatz, der Alt- und der Neustädtische Platz und der Alte Garten, auf letzterm das von Rauch modellierte kolossale Erzstandbild des Großherzogs Paul Friedrich und das Kriegerdenkmal) und viele ansehnliche Gebäude, unter denen das auf einer Insel zwischen dem Schweriner und dem Burgsee gelegene prächtige großherzogliche Residenzschloß (1845-1858 nach den Plänen Demmlers, mit teilweisen Änderungen von Stüler, im Renaissancestil an der Stelle einer alten Wendenfeste neuerbaut) mit prächtigem Garten das hervorragendste ist. An kirchlichen Gebäuden besitzt S. 4 evang. Kirchen (darunter der 1365-1430 erbaute gotische Dom mit vortrefflichen Denkmälern, Glasmalereien und einer neuen, vorzüglichen Orgel und die gotische Paulskirche), eine kath. Kirche und eine Synagoge. Sonst sind noch nennenswert: der Kollegienpalast (Ministerium), das Prinzenpalais, der großherzogl. Marstall, das Arsenal, das Theater, der neue Schlachthof etc. Die Zahl der Einwohner beläuft sich (1885) mit der Garnison (2 Grenadierbat. Nr. 89, ein Jägerbat. Nr. 14 und eine Abteil. Feldartillerie Nr. 24) auf 31,528 meist Evangelische. Industrie und Handel sind nicht bedeutend. S. hat Eisengießerei, Maschinenfabrikation, Fabriken für musikalische Instrumente, Wagen, Zement, Farben, Lackfirnis, Bierbrauerei, Tischlerei, Dampfschiff-^[folgende Seite]

^[Abb.: Wappen von Schwerin i. Mecklenb.]