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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Scotts Greys; Scottscher Zement; Scotus; Scotus Erigena; Scramasax; Scranton; Scriba; Scribax; Scribe

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Scottscher Zement - Scribe.

Ausgaben der Werke Drydens (1808) und Swifts (1814) mit Anmerkungen und biographischen Einleitungen besorgt. Die nach der Katastrophe von 1826 entstandenen Werke lassen begreiflicherweise die frühere Sorgfalt und Genialität mehr oder minder vermissen. So ist sein "Life of Napoleon Buonaparte" (1827, 7 Bde.) nicht frei von Parteilichkeit. Ebenso stehen die Romane: "Castle Dangerous" und "Count Robert of Paris" den frühern Werken Scotts nach. Seine letzten Arbeiten waren die "Tales of a grandfather" (1828-30; Auswahl mit Anmerkungen in Tauchnitz' "Student's series", 1886, 2 Bde.), "History of Scotland" (1830, 2 Bde.) und "Letters on demonology" (geschrieben für Murrays "Family library"). Die Ausgaben seiner Werke sind zahllos, die besten sind die Edinburger in verschiedenen Formaten. Die Romane wurden in fast alle europäischen Sprachen übersetzt (deutsch von Herrmann etc., neue Ausg., Leipz. 1876, 25 Bde.; von Tschischwitz, illustriert, Berl. 1876-77, 12 Bde.) und fanden viele Nachahmer. Die ausführlichste Lebensbeschreibung von S. lieferte sein Schwiegersohn Lockhart ("Memoirs of Sir W. S.", 1838, 7 Bde.; zuletzt 1887, 10 Bde.; deutscher Auszug, Leipz. 1839). Deutsche Biographien des Dichters schrieben K. Elze (Dresd. 1864, 2 Bde.) und Eberty (2. Aufl., Leipz. 1871). Vgl. auch Watt, Great novelists (Edinb. 1879). - Mit Scotts ältestem Sohn, Sir Walter S., geb. 28. Okt. 1801, gest. 8. Febr. 1847 als Oberstleutnant in der britischen Armee auf der Rückreise von Indien, erlosch der Baronstitel in der Familie.

2) Winfield, nordamerikan. General, geb. 13. Juni 1786 in Virginia, widmete sich dem Studium des Rechts, dann seit 1808 dem Militärdienst und ward 1812 nach dem Ausbruch des Kriegs mit England als Oberstleutnant nach der kanadischen Grenze beordert, geriet aber in der Schlacht bei Queenstown in Gefangenschaft. Nach einigen Monaten ausgewechselt, eroberte er 27. Jan. 1813 Fort George und ward dafür zum Brigadegeneral befördert. Am 5. Juni 1814 schlug er den britischen General Riall bei Chippewa und focht mit Auszeichnung in der Schlacht am Niagara, wo er schwer verwundet ward. Zur Wiederherstellung seiner Gesundheit begab er sich nach Paris, wo er das französische Militärwesen studierte, und hielt nach seiner Rückkehr Vorlesungen über die Kriegswissenschaften. 1832 zwang er den Indianerhäuptling Black-Hawk, 1836 die Seminolen und 1838 die Krik zur Unterwerfung. 1841 ward er Oberbefehlshaber der Unionsarmee. Als eifriger Whig nahm er auch an den politischen Angelegenheiten thätigen Anteil. Im Kriege gegen Mexiko mit dem Oberbefehl betraut, nahm er im März 1847 Veracruz nach kurzer Belagerung, schlug 18. April den General Santa Anna bei Cerro Gordo und 19. und 20. Aug. nochmals bei Contreras und Churubusco, erstürmte 15. Sept. Mexiko und unterzeichnete 2. Febr. 1848 den Frieden von Guadalupe Hidalgo, der das Gebiet der Vereinigten Staaten von Nordamerika um 30,000 QM. erweiterte. Gleichwohl blieben 1848 und 1852 seine Bewerbungen um die Präsidentenwürde erfolglos. Beim Beginn des nordamerikanischen Bürgerkriegs zum Oberbefehlshaber der Unionstruppen ernannt, nahm er, sich seiner Stellung nicht mehr gewachsen fühlend, im Oktober 1861 seine Entlassung und ging nach Europa, kehrte aber wegen des drohenden Kriegs mit England zurück und starb 29. Mai 1866 in West Point. Er hat viele Handbücher der Taktik und andre militärwissenschaftliche Arbeiten sowie "Memoirs" (New York 1864, 2 Bde.) geschrieben. Vgl. Mansfield, Life and public services of W. S. (2. Aufl., New York 1852).

3) George Gilbert, engl. Architekt, geb. 1811 zu Gawcott bei Buckingham, begründete mit dem Märtyrermonument in Oxford 1842 seinen Ruf, erbaute sodann viele gotische Kirchen, so zu Camberwell (einer Vorstadt Londons), Croydon, Leeds, Liverpool, Doncaster, St. John auf Neufundland, Cambridge, und lieferte die Entwürfe für die Nikolaikirche (1846) und das neue Rathaus (1855) in Hamburg, zu dem Nationaldenkmal für Prinz Albert und dem Krankenhaus zu Leeds. Daneben hat er viele alte gotische Bauten mit Verständnis und Geschick restauriert, so die Kirchen zu Ely, Hereford und Salisbury. Das architektonische Museum zu Canon Row in Westminster ist wesentlich sein Werk. Er starb 27. März 1878. Von S. erschienen Vorlesungen ("Lectures on the rise and development of mediaeval architecture", 1878, 2 Bde.) und "Personal and professional recollections", 1879).

Scottscher Zement, s. Zement.

Scotts Greys ("Schotten-Schimmel"), das zweite englische Regiment of Dragoons, welches seine Abstammung von Claverhouses Reitern herleitet und durchweg mit Schimmeln beritten ist.

Scotus, s. Duns Scotus.

Scotus Erigena, s. Erigena.

Scramasax, s. Sax und Dolch.

Scranton, Stadt im NW. des nordamerikan. Staats Pennsylvanien, am Lackawanna (Nebenfluß des Susquehanna), hat ergiebige Eisen- und Kohlengruben, Eisenhütten, Maschinenbau, lebhaften Handel und (1880) 45,850 Einw.

Scriba (lat.), Schreiber.

Scribax (neulat.), der gern viel schreibt, Schreibseliger; s. v. w. Schreiber, im verächtlichen Sinn.

Scribe, Augustin Eugène, franz. Theaterdichter, geb. 24. Dez. 1791 zu Paris, widmete sich anfangs dem Studium der Rechte, betrat aber bald die Laufbahn des dramatischen Dichters. Sein erstes Stück, das er in Gemeinschaft mit G. Delavigne schrieb, "Le dervis" (1811), fiel zwar durch, und nicht besser erging es in den nächsten vier Jahren einer Anzahl andrer Stücke und Vaudevilles; allein S. ließ sich nicht entmutigen und erzielte endlich 1816 mit dem Stück "Une nuit de la garde nationale" den gewünschten Erfolg. Seitdem ist ihm der Beifall des Publikums lange treu geblieben, und namentlich war die Zeit bis 1830 für ihn eine ununterbrochene Reihe von Bühnentriumphen. In dieser seiner Blütezeit brachte fast jeder Monat ein neues Stück von ihm, und die Bühnen des Vaudeville-, des Variétéstheaters, des Gymnase, später auch des Théâtre-Français genügten kaum, alles Neue, was S. mit seinen Mitarbeitern schuf, zur Darstellung zu bringen. Damals entstanden unter anderm: "Flore et Zéphyre", "Le comte Ory", "Le nouveau Pourceaugnac", "Le solliciteur", "La fête du mari" etc. 1821 schloß der Besitzer des neuen Gymnasetheaters mit S. einen förmlichen Kontrakt zur Lieferung von neuen Stücken, und nicht weniger als 150 solcher kamen dort bis 1830 zur Aufführung. Diese Fruchtbarkeit wird nur dadurch erklärlich, daß S. ein förmliches Atelier für Bühnenarbeiten, eine Dramenfabrik anlegte, wo das Prinzip der Teilung der Arbeit vollständig durchgeführt war. Der eine erfand die Grundidee des Stückes, der andre den Plan, der dritte bearbeitete den Dialog, der vierte steuerte die Kouplets bei, der fünfte ersann die Schlagwörter etc. Die namhaftesten dieser Mitarbeiter Scribes waren: G. De-^[folgende Seite]