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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Seidenwurm; Seidenzucht; Seidl; Seidlitz; Seidlitzer Salz; Seidlitzpulver; Seieröe; Seife

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Seidenwurm - Seife.

kreidig und bedeckt sich mit den Sporen, die durch das Futter in andre Raupen gelangen, so daß sich die Krankheit sehr schnell verbreitet. Geräte und Räume, die mit dem Pilz verunreinigt worden sind, dürfen im nächsten Jahr nicht wieder benutzt werden, damit die Sporen ihre Keimkraft verlieren. Die Fett- oder Gelbsucht verursacht selten größern Schaden u. tritt meist zur Zeit der Spinnreife auf. Die kranke Raupe nimmt an Körperumfang zu, die Haut wird opak, färbt sich und zerreißt leicht, wobei trübes gelbliches oder milchiges Blut ausfließt. Die charakteristische Trübung rührt von im Blut verteilten kleinen polyedrischen Körnchen (Fig. 11) her, welche sich auch in den Geweben vorfinden, über deren Natur aber nichts Näheres bekannt ist. Die tote Raupe wird schwarz und breiig. Die Ursache der Krankheit ist unbekannt; in gut ausgeführten Aufzuchten tritt sie sehr schwach auf. Bei der sehr langsam verlaufenden Schwindsucht verschmähen die Raupen das Futter und unterliegen einer Art Auszehrung. Sie werden durchscheinend bräunlich, und im Magen findet sich eine helle alkalische Flüssigkeit voll Mikrokokken. Die tote Raupe trocknet aus. Die Krankheit erscheint meist nach der dritten oder vierten Häutung und kann größere Zuchten langsam vernichten. Die Krankheiten der Seidenraupen sind nicht heilbar; man kann nur ihre Wirkung vermindern, ihrem Auftreten vorbeugen, indem man die Aufzucht rationell betreibt und vor allem guten Samen verwendet. Für die Samengewinnung (Grainierung) wählt man gesunde Raupen, breitet die daraus erzielten Kokons auf Hürden aus oder spannt sie auf harfenartige Gestelle ein. Die Eier läßt man auf Leinwand oder Karton ablegen und hebt sie über Winter in luftigen, kühlen Räumen auf (Industrialgrains). Sicherer ist die von Pasteur vorgeschlagene Zellengrainierung, bei welcher man jedes einzelne Schmetterlingspaar nach dem Ausschlüpfen in einem kleinen Tüllsäckchen isoliert. In diesem erfolgen die Begattung und das Ablegen der Eier. Nach dem Absterben der Schmetterlinge wird jedes Paar mikroskopisch auf Körperchen untersucht, so daß man nun ganz sicher die gesunden Eier von den infizierten trennen kann. Erstere liefern Aufzuchten, welche der Körperchenkrankheit nicht unterliegen und gegen andre Krankheiten sich sehr widerstandsfähig erweisen. Die Eier der gesund befundenen Schmetterlinge (Zellengrains) werden von den Säckchen abgewaschen. Durch diese Methode, welche gegenwärtig allgemein verbreitet ist, wurde Europa von einem Tribut erlöst, welchen es vorher an Japan für die minder wertvollen Grünspinnerrassen entrichten mußte.

Außer Bombyx mori liefern noch viele andre Spinner Kokons, deren Faden als Seide benutzbar ist und zum Teil seit langer Zeit benutzt wird. Man bezeichnet diese Seidenarten als wilde Seide, weil die betreffenden Spinner im Freien gezüchtet werden, sie sind dauerhafter, stärker im Faden und erleiden beim Färben keinen Verlust, weil sie keinen Seidenleim enthalten. Mit einigen dieser S. sind in Europa gelungene Zuchtversuche angestellt worden. Zu den wichtigsten gehören der Tusserspinner Indiens (Antheraea mylitta, A. paphia), der Eichenspinner Nordchinas (A. Pernyi, s. Tafel, Fig. 3), dessen Seide fälschlich Tussah genannt wird, der Eichenspinner Japans (A. Yamamai), der Ailanthusspinner Chinas und Japans (Attacus [Saturnia] Cynthia, s. Tafel, Fig. 4), der südamerikanische S. (Attacus Cecropia, s. Tafel, Fig. 2) u. a. Vgl. Haberlandt, Der S. des Maulbeerbaums (Wien 1871); Weißweiler, Zucht des Maulbeerbaums und der Seidenraupe (Berl. 1875); Pasteur, Études sur les maladies des vers à soie (Par. 1871, 2 Bde.); Bolle, Die Krankheiten der Seidenraupe (Görz 1874); "Österreichische Seidenbauzeitung" (das. 1869-72) und "Jahresberichte der Seidenbau-Versuchsstation in Görz" (das. 1873 ff.); Reichenbach, Über Seidenraupenzucht etc. in China (Münch. 1867); Netz, Der japanische und der chinesische Eichenseidenspinner (Neuwied 1883), und Litteratur bei Seide.

^[Abb.: Fig. 8. Schlaffsüchtige Raupe.]

Seidenwurm, die Raupe des Seidenspinners.

Seidenzucht, s. Seidenspinner.

Seidl, Johann Gabriel, Dichter, geb. 21. Juni 1804 zu Wien, ward 1829 Professor am Gymnasium in Cilli, 1840 Kustos des Münz- und Antikenkabinetts in Wien, 1856 Schatzmeister der kaiserlichen Schatzkammer und 1867 zum Regierungsrat ernannt. Seit 1871 in Ruhestand versetzt, starb er 18. Juli 1875 in Wien. Seit 1847 war S. Mitglied der Wiener Akademie der Wissenschaften. An den bessern seiner lyrischen Gedichte sind fließende Sprache, Natürlichkeit und ungetrübter Frohsinn zu rühmen. Auch in der Ballade und Romanze wie in der Dialektdichtung hat er manches Anerkennenswerte geleistet; dagegen haben von seinen dramatischen Gedichten nur die Lokalpossen: "'s letzte Fensterln" und "Drei Jahre nach 'm letzten Fensterln" Beifall gefunden und verdient. Die Titel seiner Gedichtsammlungen sind: "Dichtungen" (Wien 1826-29, 3 Bde.; neue Ausg. 1836), woraus die "Lieder der Nacht" (2. Aufl., das. 1851) besonders erschienen; "Flinserln, öst'reicharischi G'setz'ln, G'sang'ln und G'schicht'ln" (das. 1828-37, 4 Hefte); "Bifolien" (das. 1836, 5. Aufl. 1855); "Liedertafel" (das. 1840); "Gedichte in niederösterreichischer Mundart" (Gesamtausgabe, das. 1844) und "Natur und Herz" (Stuttg. 1853, 3. Aufl. 1859). Als Erzähler trat S. auf mit: "Erzählungen" (Wien 1828, 3 Bde.); "Georginen" (Graz 1836); "Noveletten" ^[richtig: "Novelletten"] (Wien 1838); "Episoden aus dem Roman des Lebens" (das. 1839); "Wanderungen durch Tirol und Steiermark" (Leipz. 1840) und den Novellensammlungen: "Laub und Nadeln" (Wien 1842, 2 Bde.; 2. Aufl. 1845 u. 1871) und "Pentameron" (Leipz. 1843). Auch epigraphische, archäologische und numismatische Werke hat S. veröffentlicht. Seine "Gesammelten Schriften" erschienen in 6 Bänden (Wien 1876-81), seine "Sagen und Geschichten aus Steiermark" gab Schlossar heraus (Graz 1881). Vgl. Hartel, Joh. Gabr. S. (Wien 1875).

Seidlitz, Julius, Pseudonym, s. Jeitteles 2).

Seidlitzer Salz, s. v. w. Bittersalz (schwefelsaure Magnesia), s. Schwefelsäuresalze, S. 734.

Seidlitzpulver, s. Brausepulver.

Seieröe, dän. Insel, nordwestlich von Seeland, Amt Holbäk, 14 qkm mit 7-800 Einw.

Seife, das Produkt der Einwirkung von ätzenden Alkalien und Wasser auf Fette. Letztere bestehen aus Glyceriden der Stearinsäure, Palmitinsäure und Ölsäure (Stearin, Palmitin, Olein) und werden durch Ätzkali oder Ätznatron zersetzt (verseift), indem sich stearin-, palmitin- und ölsaures Alkali, deren Gemisch die gewöhnliche S. bildet, und Glycerin abscheidet. Je reicher das Fett an Stearin und Palmitin ist, um so