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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Semitismus; Semitist; Semitonium; Semivocales; Semler; Semlin; Semljansk; Semmering

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Semitismus - Semmering.

müssen semitische Stämme Südarabiens über das Rote Meer gesetzt sein und Abessinien eingenommen haben; dort findet sich als Sprache der alten christlichen Litteratur dieses Landes das nahe mit dem Himjaritischen verwandte Äthiopische, von dem die lebenden Sprachen Abessiniens, Amharisch, Tigre nebst Tigrine und Harari, abstammen. Sämtlichen semitischen Sprachen gemeinsam ist außer einer großen Anzahl von Wörtern und Wurzeln die Regel, daß jede Wurzel aus drei Konsonanten bestehen muß, welche stets unverändert bleiben, während die dazwischen stehenden Vokale wechseln, um wechselnde grammatische oder andre Beziehungen auszudrücken. So hieß in der aus der Vergleichung der semitischen Sprachen zu erschließenden semitischen Ursprache kadhala "er tötete", kadhila "er wurde getötet", kadhl " Mörder", kidhl "Feind" etc. Schon hierdurch allein unterscheiden sich die semitischen Sprachen total von den indogermanischen, in welchen grammatische Endungen und Zusammensetzungen die nämliche Rolle spielen wie in den semitischen Sprachen der Vokalwechsel, und alle Versuche, beide Sprachstämme miteinander zu vermitteln, haben bisher mit einem rein negativen Resultat geendigt. Dagegen besteht zwischen den semitischen Sprachen und den hamitischen Nordafrikas (s. Hamiten) eine wenn auch entfernte, doch unbestreitbare Verwandtschaft, die namentlich in der Bezeichnung des weiblichen Geschlechts und bei den persönlichen Fürwörtern hervortritt. Als die Hamiten sich von den S. trennten, kann der grammatische Bau ihrer Sprachen noch nicht vollendet gewesen sein, die semitischen Sprachen stehen dagegen einander sehr nahe, weit näher als z. B. die einzelnen Familien des indogermanischen Sprachstammes; doch muß die Kultur der noch ungetrennten S. niedriger gestanden haben als die der ältesten Indogermanen (s. d.), da ihnen z. B. ein Wort für "Stadt" fehlte und das älteste semitische Wort für Stadt (im Assyrischen) eigentlich "Zelt" bedeutet. Eine berühmt gewordene allgemeine Charakteristik der S. hat Renan versucht; doch ist sein sehr ungünstiges Urteil von Parteilichkeit keineswegs freisprechen, indem er den semitischen Völkern unter andern alle politischen und kriegerischen Fähigkeiten abspricht und in ihrer Litteratur und Kunst das Drama, die Epopöe, die Philosophie und überhaupt alle Wissenschaften, die Mythologie und die plastische Kunst völlig vermißt. Vgl. Renan, Histoire générale et système comparé des langues sémitiques (4. Aufl., Par. 1864); Fr. Delitzsch, Studien über indogermanisch-semitische Wurzelverwandtschaft (2. Ausg., Leipz. 1884); Sayce, Introduction to the science of language (2. Aufl., Lond. 1883, 2 Bde.); Chwolson, Die semitischen Völker (Berl. 1872); Hommel, Die semitischen Völker und Sprachen (Leipz. 1881-82, Bd. 1); Nöldeke, Die semitischen Sprachen, eine Skizze (das. 1887). Ein großes Inschriftenwerk: "Corpus inscriptionum semiticarum", wird seit 1881 von der Akademie der Wissenschaften in Paris herausgegeben.

Semitismus, Bezeichnung für die Gesamtheit der Juden als Volksstamm, ohne Rücksicht auf die religiösen Verhältnisse; s. Antisemiten.

Semitist, Forscher auf dem Gebiet der semitischen Sprachen (s. Semiten).

Semitonium (lat.), Halbton; S. majus, der (größere) diatonische Halbton (c:des); S. minus, der (kleinere) chromatische Halbton (c:cis).

Semivocales (lat.), Halbvokale, s. Lautlehre.

Semler, 1) Christoph, Gründer der ersten deutschen Realschule, geb. 1669 zu Halle, studierte in Leipzig und Jena, hier namentlich angeregt von dem Mathematiker Erhard Weigel, war seit 1697 akademischer Dozent, seit 1699 auch Pfarrer und städtischer Schulinspektor in seiner Vaterstadt. In seinen "Nützlichen Vorschlägen" (1705) entwickelte er den Plan einer mathematischen Handwerkerschule, die er 1706 als "mathematische und mechanische Realschule" ins Leben rief. Die 1710 wieder eingegangene Anstalt versuchte S. nochmals 1738 als "mathematische, mechanische und ökonomische Realschule" zu beleben. Mit seinem Tod 1740 erlosch auch diese, aber das Ideal einer Realschule war durch ihn geschaffen und wirkte in seinen Zeitgenossen, namentlich auch in Joh. Jul. Hecker (s. d.), fort.

2) Johann Salomo, berühmter protest. Theolog, geb. 18. Dez. 1725 zu Saalfeld, ward 1752 Professor in Halle und starb 14. März 1791 daselbst. Er ist der eigentliche Begründer der historisch-biblischen Kritik, zugleich ein Hauptvertreter des Rationalismus, jedoch ein Gegner der Wolfenbütteler Fragmente (s. Reimarus) sowie der unwissenschaftlichen Neologie der Basedowschen und Bahrdtschen Schule. Von seinen etwa 150 meist formlosen Schriften sind hervorzuheben: "De daemoniacis" (Halle 1760, 4. Aufl. 1779); "Selecta capita historiae ecclesiasticae" (das. 1767-69, 3 Bde.); "Commentationes historicae de antiquo Christianorum statu" (das. 1771-72, 2 Bde.); "Abhandlung von freier Untersuchung des Kanons" (das 1771-75, 4 Bde.); "Apparatus ad liberalem Veteris Testamenti interpretationem" (das. 1773); "Observationes novae, quibus historia Christianorum usque ad Constantinum magnum illustratur" (das. 1784). Vgl. seine Autobiographie (Halle 1781-82, 2 Bde.); H. Schmid, Die Theologie Semlers (Nördling. 1858).

Semlin (ungar. Zimony, serb. Zemun, lat. Taurunum), Stadt im kroatisch-slawon. Komitat Syrmien (in der ehemaligen Militärgrenze) und Station der Bahnlinie Budapest-S., liegt am rechten Donauufer, dicht vor der Mündung der Save, von Belgrad nur durch die letztere getrennt, war ehemals befestigt, ist ein bedeutender Handelsplatz, hat 5 katholische und 2 griechische nichtunierte Kirchen, eine Realschule, ein Theater und (1881) 11,836 meist serb. Einwohner und besitzt lebhafte Industrie, Vieh- und Schweinezucht, ein Brauhaus, eine Ölmühle etc. sowie einen Gerichtshof, ein Hauptzollamt und eine Kontumazanstalt. In der Nähe die Ruinen der Burg Joh. Hunyadys (der hier 1456 starb) und viele römische Altertümer.

Semljansk, Kreisstadt im russ. Gouvernement Woronesh, an der Semljanka, mit (1885) 3872 Einw., die sich meist mit Landwirtschaft beschäftigen.

Semmering, Gebirgsstock der Steirisch-Österreich. Alpen, an der Grenze von Niederösterreich und Steiermark, 1395 m hoch, zwischen der Raxalpe (2009 m) und dem Wechsel (1738 m) gelegen, mit 981 m hohem Paß, welcher einen Hauptverbindungsweg zwischen Niederösterreich und Steiermark bildet. Schon im 14. Jahrh. errichtete ein steirischer Herzog mitten in der Wildnis des Hochgebirges ein Hospiz, aus dem das jetzige Dorf Spital auf der steirischen Seite des Passes entstanden ist. Eine ordentliche Fahrstraße wurde erst 1728 unter Kaiser Karl VI., welchem auf dem höchsten Punkt ein Denkmal gesetzt wurde, und 1840 die neue Semmeringstraße ausgeführt. Die Eisenbahn über den S., 1850-53 mit einem Kostenaufwand von ca. 20 Mill. Gulden erbaut, führt in einer Länge von 42 km mit doppeltem Geleise von Gloggnitz nach Mürzzuschlag, an steilen Felswänden