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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Servus; Serwatty; Sesam; Sesambeinchen; Sesamöl; Sesamum; Seschellen

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Servus - Seschellen.

Centurien abstimmte, wodurch die Plebejer zuerst einigen Anteil an den Volksrechten erlangten (s. Römisches Reich, Verfassung, S. 934). Er hatte die Söhne des Tarquinius Priscus, Lucius und Aruns, mit seinen Töchtern verheiratet; von diesen vereinigte sich Lucius mit der jüngern Tullia, der Gemahlin des Aruns, zu einem verbrecherischen Plan gegen S.: beide schafften ihre Gatten durch Gift aus dem Weg und verheirateten sich; Lucius erschien sodann, nachdem er sich unter den Patriziern eine Partei gemacht, mit den königlichen Insignien angethan im Senat, und als S. herbeikam, um ihn zur Rede zu stellen, stürzte er ihn die Treppe herab und ließ ihn durch einen nachgesandten Mörder niederstoßen. Tullia, die sofort in die Kurie gefahren war, um ihren Gatten als König zu begrüßen, stieß auf dem Rückweg in einer engen Straße (seitdem vicus sceleratus genannt) auf den hier liegenden Toten und befahl dem Wagenlenker, über denselben hinwegzufahren, so daß sie mit dem Blut ihres Vaters bespritzt zu Hause ankam. Vgl. Gardthausen, Mastarna oder S. T. (Leipz. 1882).

Servus (lat.), Sklave, Knecht, Diener; in Österreich auch übliche Begrüßungsform (für "Ihr Diener"). S. servorum Dei, Knecht der Knechte Gottes, Titel der römischen Päpste, den sich zuerst Gregor d. Gr. beilegte, um den Stolz des Patriarchen Johann von Konstantinopel zu beschämen.

Serwatty, s. Südwestinseln.

Sesam, Pflanzengattung, s. Sesamum.

Sesam (S., thu dich auf!), die öffnende Zauberformel Ali Babas in "Tausend und eine Nacht".

Sesambeinchen (Ossa sesamoïdea), kleine Knöchelchen von plattrundlicher Form, die namentlich an den Händen und Füßen liegen und teils mit den Gelenkbändern, teils mit den Sehnen verwebt sind. Es sind Verknöcherungen dieser Gebilde. An der Hand des Menschen sind normal 5, am Fuß 4; auch die Kniescheibe ist ein freilich sehr großes S.

Sesamöl, s. Sesamum; deutsches S., s. v. w. Leindotteröl (s. Camelina).

Sesamum L. (Sesam), Gattung aus der Familie der Gesneraceen, ein- oder mehrjährige, aufrechte oder liegende, rauhhaarige, selten kahle Kräuter mit gegen- oder wechselständigen, gestielten, ganzrandigen, eingeschnitten gezahnten oder dreispaltigen oder fußförmig geteilten Blättern, einzeln in den Blattwinkeln stehenden Blüten und länglichen, vielsamigen Kapseln. 9 oder 10 im tropischen und südlichen Afrika sowie in Ostindien heimische Arten. S. orientale L. (orientalischer, weißer Sesam, Vanglopflanze, s. Tafel "Öle und Fette liefernde Pflanzen"), einjährig, 60-130 cm hoch, behaart, mit länglich-ovalen, drüsig behaarten Blättern, weißen, rosenrot überlaufenen, schief glockenförmigen Blüten, samtartig behaarter, durch die bleibende Griffelbasis gespitzter Kapsel und sehr ölreichen (bis 70 Proz.) Samen, in Ostindien, kam als Kulturpflanze schon im frühen Altertum nach China, Japan, dem Orient und Ägypten und wird jetzt in fast allen Tropenländern, in Syrien, Mesopotamien, Ägypten, am Kap, in der Türkei kultiviert, aber nirgends wild gefunden. Man gewinnt aus den Samen durch Pressen ein fettes Öl (Sesamöl, Gergelimöl), welches goldgelb, geruchlos, von mildem, schwach hanfähnlichem, angenehmem Geschmack, etwas dickflüssig, vom spez. Gew. 0,92 ist, bei -5° erstarrt, nicht trocknet, nicht leicht ranzig wird und als Speiseöl, zum Verschneiden des Oliven- und Mohnöls, als Brennöl, zu kosmetischen Zwecken, zur Darstellung von Seife und chinesischer Tusche benutzt wird; in den katholischen Ländern, besonders in Griechenland, dient es auch zum Speisen der sogen. ewigen Lampen. In Kleinasien und ganz Indien ist Sesamöl das gebräuchlichste fette Öl. Sehr viel Same wird aus dem Orient und aus Ostindien auch nach Frankreich, England, Italien und Deutschland zur Ölgewinnung exportiert. Das Kraut wird im Orient als schleimiges, erweichendes Mittel angewandt; mit den sehr kleinen, weißen oder braunen Samen bestreute man schon im alten Ägypten, wie noch heute, das Backwerk.

Seschellen (Seychellen, Sechellen), brit. Inselgruppe im Indischen Ozean, zwischen 3 u. 5° südl. Br., östlich von Sansibar, besteht aus 29 Inseln mit einem Areal von 264 qkm (4,8 QM.) und (1886) 15,456 Einw. Die größte Insel ist Mahé (117 qkm), die zweitgrößte Praslin (48 qkm); außer diesen beiden sind nur noch La Digue und Denis bewohnt. Die S. bilden den höchsten Punkt einer untermeerischen Gebirgskette, derselben, welche Madagaskar in seiner Längsrichtung durchzieht; ihre Hauptmasse besteht aus Granit, welcher in den Thälern und an den sanften Abhängen von fruchtbarer Erde überlagert, am Strand aber von Korallenriffen umsäumt ist, die einen Wall um die Inseln bilden. Das Klima der S., durch die See gemildert, ist ein angenehmes und gleichmäßiges. Ein furchtbarer Cyklon verwüstete 1862 die Insel. Die Vegetation der Inseln ist mannigfaltig und schön, sie besteht in Kokospalmen, darunter die nur auf Praslin, Curieuse und Rodondo vorkommende maledivische Kokosnuß (Lodoicea Sechellarum), deren an den Malediven angeschwemmte Frucht lange für ein Meeresprodukt galt, Brotfrucht, Tangos, Areka- u. Sagopalmen, prächtigem Bambusrohr und allerlei Nutzhölzern. Gebaut werden Baumwolle, Tabak, Reis, Zimt, Ananas u. a. Einheimische Säugetiere fehlen, und auch Haustiere sind nur spärlich vorhanden; die Vögel sind nur durch wenige Arten vertreten. Häufig sind Schildkröten, darunter die Riesenschildkröte und die schwarze Schildkröte; das Fleisch der letztern kommt zum Export, ebenso Schildpatt von der Karettschildkröte. Auch das Leistenkrokodil soll vorkommen; zahlreich sind die am Land lebenden Springfische. Hauptausfuhrartikel sind: Kokosnüsse, Kokosöl, Mais, Kakao und Vacoasäcke, außerdem etwas Vanille, Kaffee, Muskatnüsse; 1884 betrug die Ausfuhr 392,175 Rupien, die Einfuhr (Baumwollenzeug, Mehl, Bohnen, Getränke, Tabak, Salz, Zucker) 401,508 Rupien. Der Handel nimmt mehr und mehr ab, und die englische Regierung hat fortdauernd Zuschüsse zu machen; 1884 betrugen die Einnahmen 130,047, die Ausgaben 145,774 Rupien. Die Bevölkerung besteht zumeist aus leichtlebigen und faulen französischen Kreolen, indischen Kulis, freien Schwarzen und englischen Beamten. Hauptort und Sitz des dem Gouverneur von Mauritius unterstellten Kommissars ist Port Victoria auf Mahé, mit protestantischer und franz. Kirche und regelmäßiger Dampferverbindung mit Mauritius und Aden. - Die S. waren bereits im Beginn des 16. Jahrh. den Portugiesen bekannt; ihren Namen erhielten sie nach einem französischen Seeoffizier. 1768 wurde von dem französischen Gouverneur von Ile de France die erste Niederlassung, Mahé, jetzt Port Victoria, gegründet. 1794 trat Frankreich die Inseln an England ab, die nun eine Dependenz von Mauritius bilden. Infolge der Aufhebung der Sklaverei (1834) ging die Plantagenwirtschaft stark zurück. Vgl. Hartmann, Madagaskar und die Inseln S. etc. (Leipz. 1886).