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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Sibilanten; Sibiriaken; Sibirien

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Sibilanten - Sibirien.

S., im südlichsten Teil des Distrikts, ist Residenz des englischen Agenten, hat eine kleine Garnison und ist Station der Sind-Pisineisenbahn.

Sibilanten (lat.), Zischlaute, s. Lautlehre.

Sibiriaken, die in Sibirien gebornen Nachkommen eingewanderter Russen, welche sich zum Teil mit den Eingebornen des Landes vermischten, woraus ein vorwiegend brünetter Typus hervorgegangen ist.

Sibirien (vom alten Herrschersitz Ssibir am rechten Ufer des Irtisch unfern Tobolsk), Name des gesamten Rußland unterworfenen Gebiets in Asien, das sich von 60-190° östl. L. v. Gr. und von 42-77° nördl. Br. erstreckt und im W. durch das Uralgebirge vom europäischen Rußland getrennt, im Süden von der Kirgisensteppe und China begrenzt, im O. von dem Berings-, Ochotskischen und Japanischen Meer und im N. vom Nördlichen Eismeer bespült wird.

[Physische Verhältnisse.] Dieses Gebiet, 12,456,770 qkm (226,225 QM.) umfassend, zerfällt in zwei sehr ungleiche Teile: das kleinere Westsibirien und das dreimal so große Ostsibirien, die nach Oberflächen- und Bodenbeschaffenheit, nach Bodenschätzen, Pflanzen- und Tierwelt sich auffallend voneinander unterscheiden. Der nördliche und größere Teil des Landes ist eben und flach im W., mit malerischen, tief eingeschnittenen Flußthälern und tafelförmigen Berggipfeln bis zu 90 m Höhe im O. Den Raum zwischen Irtisch, Ob und Jenissei füllen im Mittellauf dieser Flüsse große Steppen. Zwischen 58-63° nördl. Br. breitet sich eine durchschnittlich 100 m hohe, wenig gegliederte Hochebene aus mit niedrigen, flachen, vielfach sumpfigen Wasserscheiden. Hinter dieser Hochebene erhebt sich das nördliche Randgebirge des innerasiatischen Hochtafellandes, dessen Ausläufer im O. erst am Meer oder in der Tundra, der Niederung des hohen Nordens, ihr Ende finden. Namengebend für dieses Randgebirge Innerasiens ist der Gebirgszug des Altai (s. d.) im südwestlichen S. an der Grenze gegen China und die Kirgisensteppe. Die Kernmasse des Gebirges lagert zwischen Irtisch und Ob und ist Quellgebiet des letztern; im Bjeluchaberg erreicht sie 3352 m Höhe. Eine Fortsetzung des russischen Altai nach O. bildet als Grenzscheide gegen China das im Munku Sardik (nördlich vom Kossogol) 3490 m Höhe erreichende Sajanische Gebirge, ein schmalrückiges Kammgebirge, im W. vom Jenisseifluß durchbrochen, mit wenigen bequemen Paßübergängen. Durch die Tunkinskischen Alpen erfüllt dieses Gebirge den Raum bis zum Baikalsee; im O. dieses Sees breitet sich bis zum Argun eine als Daurisches oder Transbaikalisches Gebirge bezeichnete Hochlandsmasse aus, die im N. in das Witimplateau übergeht. Als 2453 m hoher Gebirgsknoten tritt unter 50° nördl. Br. die Sochondogruppe hervor; von ihr aus streicht in nordöstlicher Richtung weiter, mit mehr und mehr sich verflachendem Rücken und in mehrere untergeordnete Parallelketten gegliedert, das Jablonoigebirge ("Apfelgebirge"), welches, später ostwärts sich wendend, größtenteils auf dem 55. Breitengrad bleibt und erst als Küsten- oder Stanowoigebirge wieder die Richtung nach NNO. annimmt. Aus der Mandschurei ragt in das Quellgebiet des Amur mit seiner obersten Stufe der große Chinggan herein, an der Küste, das Land rechts vom Ussuri füllend, das Tatargebirge (auch Mandschurisches Gebirge genannt).

Das Innere ist reich mit Strömen und Seen ausgestattet. S. zählt 17 Seen, welche ein Areal von 2,226,131 qkm (40,429 QM.) haben; unter ihnen ist der 21,805 qkm (396 QM.) messende Balchasch der größte. S. verfügt über vier Flußsysteme, deren Gebiet auf 1,131,616 qkm (20,551 QM.) geschätzt wird. Die sibirischen Stromsysteme zeichnen sich dadurch aus, daß die Hauptflüsse wie ihre Nebenflüsse von der Mündung an weit hinauf schiffbar und die die Stromsysteme trennenden Landrücken schmal sind. Der Gedanke einer Verbindung der Flußsysteme durch Kanäle oder durch Eisenbahnen geht in neuester Zeit seiner Verwirklichung entgegen. Durch Herstellung der nötigen Kanäle wird sich dem Verkehr vom Uralgebirge bis zum Amur ein Wasserweg darbieten, zu dessen Ausnutzung auf dem Ob, Jenissei und Baikalsee seit 1842 Dampfer eingelegt sind; leider aber sind die Flüsse nur wenige Monate im Jahr eisfrei. Die Hauptflüsse, welche dem Eismeer zufließen, sind: der Ob mit dem Irtisch, der Jenissei und die Lena. Zwischen diesen Hauptströmen liegen die Mündungen mehrerer Flüsse, welche zwar der Länge ihres Laufs nach keine Küstenflüsse, aber doch nur von geringer Bedeutung sind, indem sie nur Tundrawüsten durchfließen und nur wenige Wochen des Jahrs hindurch eisfrei sind. Hervorzuheben sind: die Piasina, Chatanga, Anabara und der Olenek westlich der Lena; östlich derselben die Jana, Indigirka, Alaseja (Lascia), Kolyma und Tschaun. Zahlreiche Flüsse fließen auch den Gliedern des Großen Ozeans zu: das Beringsmeer empfängt den Anadyr und Kamtschatka; Hauptzufluß des Ochotskischen Meers ist der Amur (Sachalin). Das Klima ist im ganzen nördlichen S. unwirtlich, der Entwickelung der Vegetation und der Besiedelung ungünstig. Der asiatische Kältepol mit einer mittlern Jahrestemperatur von -12 C. liegt in Ostsibirien, umschließt die Mündungen der Flüsse Anabara bis zur Indigirka und reicht nahezu bis Jakutsk herab (-10,9° C.). Im Winter fällt das Thermometer auf -41°, im Sommer steigt es auf +17° (Unterschied 58°). Es friert fast jede Nacht im Jahr, und die Erde taut nur oberflächlich auf. In Westsibirien ist in Tolstonosowsk am Jenissei unter 70° nördl. Br. die Jahrestemperatur -10,1° C., in Turuchansk (66°) -5,5° C., im O. in Ochotsk -5,0°, im Hafen Nikolajewsk -2,6°. Viel günstiger und geradezu vortrefflich ist dagegen das Klima in Südsibirien, in dem schmalen Landstrich, der sich an den nördlichen Ausläufern der südlichen Grenzgebirge hinzieht, im sogen. russischen S. Hier befindet man sich nicht mehr in einer Eis- und Schneeregion, wenn auch die Winter streng und die Gegensätze schroff sind. Der Winter beginnt Anfang November: die Landschaft bedeckt sich mit einem gleichmäßigen Schneemantel, die Schlittenfahrt beginnt, und meist bis Ende März bleibt die Schneefläche unberührt. Die kältesten Monate sind Dezember und Januar, wo die Temperatur an einzelnen Tagen mit -58° den niedrigsten in Grönland beobachteten Kältegrad erreicht und fürchterliche Schneestürme auftreten. Im März tritt Tauwetter ein, Ende April schlagen die Birken aus, Mitte Mai sind alle Bäume belaubt. Frühjahr und Herbst sind meist regnerisch, der Sommer hat trockne Hitze und, wie der Winter, oft wochenlang gleichmäßiges Wetter mit klarem, blauem Himmel. Sehr schroff ist der Temperaturwechsel im April und Mai; auf 10° Kälte folgen oft sofort 20° Wärme.

[Naturprodukte. Industrie.] Die Flora begreift arktische, Steppen-, sibirisch-europäische und chinesisch-japanische Arten, letztere am Amur. Die Baumgrenze erreicht im Süden die höchste arktische Breite (am Ob 67°, am Jenissei 69° 40', an der Lena bis 70° nördl. Br.), im O. tritt die Waldgrenze von der Küste zurück. Unabsehbare Wälder von Lärchen, Tannen