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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Sizilien

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Sizilien (Insel: Bodenbeschreibung, Bewässerung, Klima).

faltiger gestaltenden Hebungslinie zu betrachten ist, welche unter dem Namen Apennin das ganze Festland Italiens durchzieht und in S. eine Brücke nach Afrika hinüber geschaffen hat. Scharf ausgeprägt ist der Charakter des Kettengebirges bis zu einer deutlich erkennbaren, auch politisch wiederholt wichtig gewordenen Einsenkung bei Polizzi, von welcher der nördliche und der südliche Himera der Alten (Fiume Grande und Fiume Salso) den entgegengesetzten Meeren zueilen. Nur der unmittelbar dieser Einsenkung vorgelagerte westlichste Teil der ganzen Kette, zugleich auch der höchste, hat einen einheimischen, volkstümlichen Namen: Le Madonie. Sie erreichen im Pizzo dell' Antenna 1975 m (nach dem Ätna die höchste Erhebung der Insel), im Monte Salvatore 1910 m. Gewöhnlich bezeichnet man wohl die Madonie nebst der Kette im N. und NW. des Ätna als Nebrodisches Gebirge und unterscheidet das letzte Stück nach der Meerenge hin als Peloritanisches Gebirge, in welchem sich der Dinnamari oder Antennamare nahe bei Messina noch zu 1130 m erhebt. Westlich jener wichtigen Wasserscheide ist zwar der Charakter der Kette noch erkennbar, und es liegen die höchsten Erhebungen alle nahe der Nordküste (Monte San Calogero bei Termini 1245 m, weiter ins Innere die Busambra 1574 m); aber je weiter nach W., um so mehr löst sie sich in einzelne Berge und Berggruppen auf, bis die steil zum Meer bei Trapani hinabstürzende Felsenpyramide des Monte San Giuliano (Eryx, 727 m) den westlichen Grenzpfeiler der Insel bildet. Die höchste Erhebung der Insel ist der Ätna (3313 m, s. d.), das riesige Vulkangerüst, das sich in einem ehemals in die Ostküste einschneidenden Golf, der noch heute in der einzigen ansehnlichern Ebene der Insel, der von Catania, erkennbar ist, seit der Tertiärzeit aufgebaut hat. Im Innern der Insel, südlich der Busambra, erheben sich der Monte Cammarata noch zu 1576, der Monte Rose zu 1436 m. Vom Peloritanischen Gebirge abgesehen, das aus Gneis, kristallinischen Schiefern und Granit besteht und von jungtertiären Bildungen umschlossen ist, besteht das Gebirge der Nordseite bis zum Monte San Giuliano und Monte Rose ganz aus kompaktem Kalk- und Sandstein der Jura- und Kreideformation. Das Innere, der Süden und Südwesten bestehen aber aus tertiären, versteinerungsreichen Kalken, aus Mergeln, Thonen und Gipsen, in welchen sich die reichen Schwefel- und Steinsalzlager finden, von denen erstere zu den größten Schätzen Siziliens gehören. Valguarnera, Caltanissetta, Sommatino, Favara, Comittini, Cianciona und Lercara sind die Zentren des großartigen Schwefeldistrikts. Dieser Formation gehören auch mehrere Gruppen kleiner Schlammvulkane an, die bekanntesten die Maccaluben nördlich von Girgenti, die mit vulkanischer Thätigkeit nichts zu thun haben, sondern auf durch Zersetzung organischer Substanzen erzeugte Gase, namentlich Kohlenwasserstoffgas, zurückzuführen sind, die gerade in thonigem, schlammartig aufgeweichtem Boden zu Tage treten. Nur durch einen schmalen Rücken bei Caltagirone (628 m) mit den übrigen Gebirgen verbunden, bildet der Südosten der Insel ein ganz selbständiges Gebirgssystem, das in seiner fast kreisrunden Gestalt und den radienförmig von einem Mittelpunkt, dem Monte Lauro (985 m), ausgehenden Flüssen noch seine Entstehung verrät. Es ist durch zahlreiche, erst unterseeische Eruptionen, welche mit langen Ruhepausen, während welcher sich am Meeresgrund Muschelkalke über den vulkanischen Schichten ablagern konnten, abwechselten, aufgebaut und schließlich gehoben worden. Die tief eingeschnittenen Thäler der meist wasserreichen kleinen Flüsse lassen deutlich die interessante Wechsellagerung dieser in der Tertiärzeit entstandenen Schichten erkennen.

Die Flüsse der Insel, obwohl sehr zahlreich, sind meist wasserarm und versiegen im Sommer völlig oder führen nur in der Tiefe Wasser. Die größten sind der Simeto oder Giarretta (s. d.), der am Monte Sordo entspringt und, nachdem er die fast gleichgroßen rechten Nebenflüsse Fiume Salso, Dittaino und Gurnalonga aufgenommen, in die Bucht von Catania mündet. Die größten Flüsse der südlichen Abdachung sind der Fiume Salso, der Platani und der Belice, der nördlichen der Leonardo und der Fiume Torto. Die Flüsse des Peloritanischen Gebiets sind sämtlich Fiumare, die nur im Winter Wasser führen, breite Betten und tief eingeschnittene Thäler haben, in denen sie oftmals verheerend ungeheure Massen von Gerölle dem Meer zuschieben. Von Landseen ist nur die Lagune von Lentini zu nennen; der berühmte Lago dei Palici (Naftia), der in trocknen Sommern ganz verschwindet, ist eine Kohlensäuregasquelle.

Herrlich ist das Klima von S., namentlich an der Nord- und Ostküste, weder überheiß im Sommer noch kalt im Winter und fast immer gleichmäßig. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt 18-19°, die des Winters 11-12°, des Sommers 24-25° C.; die maximalen, bei dem trocknen, belästigenden Scirocco (s. d.) eintretenden Augenblickstemperaturen sind 40° C., die minimalen infolge starker Wärmestrahlung in klaren Winternächten bis -2° C. Doch tritt solche Kälte nur für Stunden ein, mittags wird man sehr selten weniger als 10° C. beobachten. Schnee fällt selten und bleibt vielleicht einmal in 50 Jahren einen Tag liegen. Die Niederschläge, 650 mm für die ganze Insel, konzentrieren sich auf den Winter, die drei Sommermonate sind gänzlich regenlos. Es muß dann für die noch vegetierenden Kulturpflanzen künstliche Bewässerung eintreten, die mit der seit 1860 rasch steigenden Bodenkultur sich immer mehr ausdehnt; immer mehr Quellen und Flüsse werden aufgefangen, selbst die unterirdisch fließenden Gewässer werden schon gefaßt und verwendet. Die außerordentliche Verwüstung der Wälder hat allerdings auch das Klima beeinflußt, und stagnierende Gewässer erzeugen in einigen Gegenden Malaria. Dennoch ist die Vegetation der Insel eine reiche und üppige zu nennen, namentlich an der Nord- und Ostseite, während das Innere im Sommer, wo die ungeheuern, baumlosen Ebenen und Hügellandschaften, die im Winter von Weizenfeldern grünten, sonnverbrannt daliegen, der Steppe gleicht. Die wildwachsende Flora ist vermöge der historischen Beziehungen und der geographischen Lage der Insel mitten im Mittelmeerbecken eine sehr reiche, man zählt 3000 Arten. Es gedeihen die Zwergpalme, die namentlich im SW. weite Flächen mit ihrem Gestrüpp bedeckt, die Dattelpalme und andre Palmenarten; Bananen reifen ihre Früchte, mehrere tropische Ficus-Arten, zahlreiche australische Pflanzen, Erythrinen, Magnolien u. dgl. gedeihen herrlich. Man unterscheidet drei Regionen, deren unterste bis 500 m als die der Dattelpalme, der Opuntien und der Agrumen mit überwiegender Baumkultur, die zweite bis 1000 m als die der Getreidekultur (Weizen) und die dritte über 1000 m als Wald- und Weideland bezeichnet werden kann.

[Bevölkerung.] Die Bevölkerung Siziliens ist als eine mannigfach gemischte zu bezeichnen; zu dem alten sikulischen Element sind als Hauptbestandteile