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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Skythisches Lamm; Sladek; Slagelse; Slang; Slanik; Slankamen; Slargándo; Slatina; Slatington; Slatoust; Slavata

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Skythisches Lamm - Slavata.

waren, ist eine noch streitige Frage. Für die mongolische Abstammung entscheidet sich Neumann ("Die Hellenen im Skythenlande", Berl. 1855), für die arische Safarik ("Slawische Altertümer", 1837), Zeuß ("Die Deutschen und ihre Nachbarstämme", Münch. 1837), Müllenhoff und Cuno ("Die S.", Berl. 1871). Mit den Griechen, die an ihrer Küste zahlreiche Kolonien anlegten, standen sie in lebhaftem, freundlichem Verkehr und nahmen gern griechische Sitten und Bildung an (vgl. Anacharsis). Um 630 v. Chr. fielen die S. in Medien ein und drangen in das Euphrat- und Tigrisgebiet und in Syrien bis Ägypten vor. Nachdem sie die Macht des assyrischen Reichs gebrochen, wurden sie nach etwa zehn Jahren von Kyaxares wieder aus Asien vertrieben. Um sie für diesen Einfall in Medien zu züchtigen, setzte der persische König Dareios I. 515 mit 700,000 Mann auf einer über den thrakischen Bosporus geschlagenen Brücke nach Europa hinüber und drang durch Thrakien in das Land der S. ein. Diese zogen sich, eine Schlacht vermeidend, zurück, worauf die Perser über den Tanais vordrangen, aber dann, des nutzlosen, aufreibenden Verfolgens müde, wieder auf demselben Weg unter großen Verlusten nach dem Istros und von da durch Thrakien nach Asien zurückkehrten. Seitdem erfährt man von den S. mehrere Jahrhunderte lang fast gar nichts. Erst der König Mithridates d. Gr. geriet wieder in Kampf mit ihnen, nachdem die Dynasten der griechischen Städte am Pontus, des lästigen Druckes der skythischen Grenznachbarn überdrüssig, ihre Städte in die Hände jenes pontischen Königs geliefert hatten, worauf dieser die S. aus der ganzen Taurischen Halbinsel verdrängte. Als nach Besiegung des Mithridates die Römer die bosporanischen Könige von sich abhängig gemacht und mit den Völkern am Pontus und an der Mäotis Handelsverbindungen angeknüpft hatten, besonders aber seit der Unterwerfung Daciens durch Trajanus, wurden auch sie mit Skythia genauer bekannt. Doch verschwand nun der Name S., um dem der Sarmaten, die jene seit 300 v. Chr. überwältigt hatten, Platz zu machen. Der Name Skythia aber wurde auf asiatische Landstriche übertragen. Dieses von Ptolemäos beschriebene asiatische Skythia umfaßt die Gegenden zwischen dem asiatischen Sarmatien im W., dem unbekannten Land im N., Serika im O. und Indien im Süden und wird in zwei Hauptteile geschieden: Skythia innerhalb und Skythia außerhalb des Imaos (eines großen Gebirges). Als Flüsse werden hier erwähnt: der Paropamisos, Rhymnos (jetzt Gasuri), Daix (jetzt Jaik), Oxos und Jaxartes.

Skythisches Lamm, s. Cibotium.

Sladek, Joseph Wenzel, tschech. Dichter, geb. 1845 zu Zbirow, studierte aus der Prager Universität Naturwissenschaften und Sprachen, hielt sich dann längere Zeit in Nordamerika auf und wirkt seit 1871 als Professor der englischen Sprache am böhmischen Polytechnikum zu Prag. Er ist Redakteur der Zeitschrift "Lumir". Obwohl seine Gedichte unleugbares Talent verraten, auch seine Übersetzungen aus Byron und Longfellow den Meister des Stils bekunden, so beruht doch seine Stellung in der tschechischen Litteratur hauptsächlich darauf, daß er 1869 in der neu begründeten Zeitschrift "Ruch" alle jüngern Talente um sich sammelte, ihnen eine Tribüne schuf und so wesentlich zur Entwickelung der tschechischen Poesie beitrug. Er veröffentlichte eine Sammlung lyrischer Gedichte ("Básně", 1875); dann "Jiskry na more" ("Funken auf dem Meer", 1879), "Světlou stopou" ("Auf der Lichtspur", 1881).

Slagelse, Stadt auf der dän. Insel Seeland, Amt Sorö, an der Eisenbahn Kopenhagen-Korsör, mit alter Kirche (St. Mikkel) und (1880) 6076 Einw.

Slang (spr. släng), in England Name für die aus dem Gewerbs-, Sport-, Studenten-, Straßenleben etc. sich bildenden vulgären Ausdrücke und Redensarten, von denen einzelne wohl auch von der Gasse in den Salon übergehen. Ein besonderes Slangwörterbuch ("The S. dictionary", Lond. 1864, neue Ausg. 1875) verzeichnet über 10,000 solcher Ausdrücke, von denen ziemlich viele aus der Sprache der Zigeuner stammen, die früher einen starken Prozentsatz des Londoner Gauner- und Vagabundentums bildeten. Vgl. Baumann, Londinismen, S. und Cant (Berl. 1886); Barrère, Argot and S. (französisch-engl. Wörterbuch, Lond. 1887).

Slanik (Slanicu), 1) bedeutende Staatssaline in der Walachei, Kreis Prahowa, durch Zweigbahn mit der Linie Plojesti-Predeal verbunden, liefert das beste, weißeste Salz. 1884/85 betrug die Ausbeute 21⅓ Mill. kg. -

2) Kurort mit kräftigen salinischen Heilquellen in der Moldau, bei Okna im Kreis Bakau, an der siebenbürgischen Grenze.

Slankamen (Szalankamen), Name zweier Dörfer in der ehemaligen kroatisch-slawon. Militärgrenze, jetzt im kroatisch-slawon. Komitat Sirmien, bekannt durch den Sieg des kaiserlichen Feldmarschalls Ludwig von Baden (19. Aug. 1691) über die Türken unter Großwesir Mustafa Köprili, der daselbst fiel. Alt-S. ist Dampfschiffstation am rechten Donauufer, gegenüber von Titel und der Theißmündung, hat (1881) 717 serb. Einwohner, hieß bei den Römern Ritium und war im Mittelalter als Sovar oder Dragisevcze eine starke Festung.

Slargándo (ital.), s. v. w. langsamer werdend.

Slatina, Hauptstadt des Kreises Oltu in der Walachei, an der Aluta, über welche eine große eiserne Brücke führt, und an der Eisenbahn Roman-Verciorova, hat 9 Kirchen, ist Sitz des Präfekten und eines Tribunals und hat 5554 Einw.

Slatington (spr. slehtingt'n), Dorf im nordamerikan. Staat Pennsylvanien, am Lehigh, unterhalb Mauch Chunk, mit Schieferbrüchen und (1880) 1634 Einw.

Slatoust, Kreisstadt im russ. Gouvernement Ufa, am schiffbaren Ai, hat berühmte Eisenhämmer, Gußeisenfabriken, Gewehr- und Geschützfabriken, Gerbereien, Lichte- und Seifefabriken, einen bedeutenden Jahrmarkt und (1885) 19,014 Einw. S. ist Sitz der Verwaltung des der Krone gehörigen Slatoustschen Bergdistrikts.

Slavata, Wilhelm, Graf, tschech. Staatsmann und Geschichtschreiber, geb. 1. Dez. 1572 zu Böhmisch-Kosteletz, studierte in Prag, trat 1592 in Italien vom Utraquismus zur katholischen Religion über, wurde nach längern Reisen in Deutschland, England und Spanien 1600 vom Kaiser Rudolf zum Hofmarschall und Präsidenten des Landgerichts ernannt und erwarb durch die Heirat (1602) mit Lucia Ottilie, der einzigen Erbin des Hauses Hradec, ein fürstliches Vermögen. 1618 war er einer der Statthalter und wurde 23. Mai mit dem Grafen Jaroslaw Martinitz von den Aufständischen aus dem Fenster des Sitzungssaals in der Prager Burg hinuntergestürzt. Nach seiner Genesung begab er sich nach Bayern, während seine Güter von den Ständen eingezogen wurden. Nach dem Sieg Ferdinands II. erhielt S. das Vorrecht, im Landtag vor allen andern Grafen zu sitzen, und wurde 1628 zum obersten Kanzler von Böhmen ernannt. Er starb 19. Jan. 1652. S. hinterließ handschriftlich 14 Bände böhmischer Geschichte