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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Typik; Typographie; Typolithographie

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Typik - Typolithographie.

T. geht am häufigsten in Genesung über. Während früher eine Sterblichkeit von etwa 25 Proz. bestand, ist dieselbe heute auf durchschnittlich 10 Proz. herabgemindert, und man bezeichnet eine Typhusepidemie mit höherer Durchschnittssterblichkeit als "schwere", mit niedrigerer als "leichte".

Was die Behandlung des T. anbetrifft, so ist es zuvörderst geraten, den Kranken zu isolieren. Das Krankenzimmer muß groß sein und oft und gründlich gelüftet werden. Die Zimmertemperatur darf 14° nicht überschreiten. Der Körper des Kranken muß ängstlich reinlich gehalten und vor dem Aufliegen geschützt werden (durch sorgfältige Zubereitung des Lagers). Der Mund muß mit einem reinen angefeuchteten Leinwandläppchen regelmäßig gereinigt und der stinkende Belag der Zähne etc. entfernt werden. Als Getränk gibt man einfach Wasser und fordert zu fleißigem Trinken auf. Von Medikamenten gibt es kein Spezifikum gegen T. Vielfach wird, besonders im Anfang der Krankheit, Kalomel mit gutem Erfolg verabreicht, von manchen eine Mischung von Jod und Jodkali gerühmt, außerdem kommen unter Umständen Antipyretika, wie Chinin, Salicylsäure etc., in Anwendung. Viel wichtiger ist eine richtige Diät, die im Hinblick auf den langwierigen und konsumierenden Verlauf des T. kräftigend und leicht verdaulich sein muß. Deshalb wird Milch in reichlichen Quantitäten, Kakao mit Milch, Bouillon mit Ei, bei Appetit auf feste Speisen eingeweichtes Weißbrot und Wein gereicht. Die Heftigkeit des Fiebers, von welcher im Anfang der Krankheit die meiste Gefahr droht, bekämpft man durch energische Wärmeentziehung, namentlich durch kalte Bäder. Diese systematische, von E. Brand eingeführte Kaltwasserbehandlung besteht in Vollbädern, die man von 24° C. auf 20° abkühlt, und in welche man den Kranken, solange die Körperwärme 39° C. übersteigt, von Anfang bis Ende der Krankheit, bei Tag und bei Nacht alle 3 Stunden auf etwa 15 Minuten hineinträgt. Neben der Herabsetzung des Fiebers erreicht man durch diese Bäderkur einmal eine Reinigung des Körpers und ferner eine allgemeine Erfrischung und Ermunterung besonders der unbesinnlichen Kranken. Nach dem Bad wird der Kranke in wollenen Laken frottiert, abgetrocknet und durch Wein gestärkt. Die schweren Typhusfälle werden hierdurch in leichte umgewandelt, die Sterblichkeit auf ein Minimum herabgesetzt. Während der Rekonvaleszenz muß die Diät der Kranken mit ängstlicher Sorgfalt überwacht werden. Die Genesenden pflegen einen außerordentlichen Appetit zu entwickeln und müssen daher vor zu reichlichen Mahlzeiten, schwerverdaulichen, groben Speisen sorgfältig gehütet werden. Man wiederholt deshalb die Mahlzeiten lieber häufiger, gibt aber nur kleine Portionen; anfangs ist nur flüssige oder halbflüssige Nahrung (Milch, weiche Eier) zu gewähren, allmählich geht man zu Fleischdiät und zu Pflanzenkost über. Jeder Diätfehler bringt den Genesenden wieder in Gefahr, und jede scheinbar geringfügige Störung der Verdauung erfordert die sorgfältigste Berücksichtigung.

3) Mehr mit dem Flecktyphus als dem Unterleibstyphus verwandt ist der Rückfalltyphus (das rekurrierende Fieber, T. recurrens, engl. Relapsing Fever). Auch diese Form des schweren nervösen Fiebers ist ansteckend und tritt epidemisch auf, namentlich wo eine dichte arme Bevölkerung in unreinlichen Wohnungen und von kärglicher Nahrung lebt, so daß als Hunger- oder Kriegstyphus bald die exanthematische, bald die rekurrierende Krankheitsform im Vordergrund steht. Der Rückfalltyphus ist dadurch ausgezeichnet, daß nach einem mehrtägigen heftigen Fieber, das 40° C. und darüber erreicht, plötzlich unter reichlichem Schweiß ein Abfall bis zu 37 oder 36,5° C. einsetzt, an den sich eine mehrtägige, völlig fieberfreie Pause anschließt. Ebenso plötzlich kommt nun der Rückfall, er währt 3, 4 oder 5 Tage, und wieder sinkt er ebenso schnell wie das erste Mal. Drei bis vier solcher Fieberperioden folgen einander, dann tritt langsame Genesung ein. Der Tod ist so selten, daß beinahe immer eine Lungenentzündung oder Ähnliches zu vermuten ist, wenn ein Kranker im Fieberanfall zu Grunde geht. Die Ursache des Rückfalltyphus ist besser gekannt als die der andern Typhen: Obermeier hat gefunden, daß zur Fieberzeit das Blut der Kranken zahllose mikroskopische Pilzfädchen (Spirochäten, s. Spirillum) von geschlängelter Gestalt enthält, welche in der fieberfreien Periode fehlen; nur das pilzhaltige Blut vermag bei Impfungen das Krankheitsgift zu übertragen, wie direkte Versuche an Menschen, in Odessa ausgeführt, dargethan haben. Leider besitzen wir noch immer keine Kunde von der Herkunft der Spirochäte und noch weniger von einem Mittel, ihre Vegetation im lebenden Körper zu bekämpfen. Die Behandlung besteht daher nur in Darreichung kräftiger, anreizender Diät. Der Rückfalltyphus ist schon im vorigen Jahrhundert in einzelnen Ländern vorgekommen; doch hat man ihn erst genauer kennen gelernt in der von 1843 bis 1848 andauernden großen Epidemie, die Schottland und Irland überzog, ferner bei Gelegenheit der ägyptischen Epidemie und neuerdings 1864-1865, als die Seuche in Petersburg in großer Ausbreitung herrschte. Seit dem Jahr 1871 ist der Rückfalltyphus auch in einzelnen Gegenden Deutschlands in epidemischer Verbreitung beobachtet worden. Er wurde aus Polen und den russischen Ostseeprovinzen eingeschleppt und trat in den östlichen Provinzen Preußens, vorzugsweise in Breslau, 1873 auch in Berlin, Leipzig, Dresden, Wien etc. auf. Vgl. Griesinger, Infektionskrankheiten (2. Aufl., Erlang. 1864); Girgensohn, Die Rekurrensepidemie in Riga 1865-75; Virchow, Über den Hungertyphus und einige verwandte Krankheitsformen (Berl. 1868); v. Pastau, Die Petechialtyphus-Epidemie in Breslau 1868/69 (Bresl. 1871); Murchison, Die typhoiden Krankheiten (deutsch, Braunschw. 1867); Brunner, Die Infektionskrankheiten (Stuttg. 1876); Seitz, Der Abdominaltyphus (das. 1888); Brand, Über den heutigen Stand der Wasserbehandlung des Typhus (Berl. 1887).

Typik (griech., typische Theologie), s. Typus.

Typographie (griech.), Buchdruckerkunst.

Typolithographie (griech.), sowohl der Druck von hoch geätzten Steinen auf der Buchdruckpresse (Tissiérographie, s. d.) als auch der Druck von Umdrucken, die vom Schriftsatz oder von Holzschnitten auf Stein gewonnen wurden, deren Vervielfältigung alsdann auf der Steindruckpresse allein oder mit lithographierten Zeichnungen vereinigt erfolgt; letzteres geschieht meist in Fällen, wo ein wortreicher Text, dessen Herstellung für den Lithographen schwierig und zeitraubend sein würde, bildliche Darstellungen zu begleiten hat. Der Überdruck wird mit starker Farbe auf glattes, festes Papier gemacht, dessen bedruckte Seite man auf den vorgängig mit trocknem Bimsstein geschliffenen lithographischen Stein legt, der nun durch die Presse gezogen wird. Auch ältere Drucke lassen sich vermittelst chemischer Behandlung auffrischen, auf Stein übertragen und vervielfältigen (s. Anastatischer Druck und Reproduktionsverfahren).