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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Urticīnen; Urtiere; Urtikation; Urtracheāten; Urua; Uruápam de Progresso; Urubamba; Uruguay

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Urticinen - Uruguay.

tiärschichten vor. Von mehreren Arten sind die Früchte genießbar, andre liefern Kautschuk, Farbstoffe, Öl, Bitterstoffe. Die Bastfasern mancher U. werden zu Geweben und auch zur Papierbereitung benutzt.

Urticīnen, Ordnung im natürlichen Pflanzensystem unter den Dikotyledonen, charakterisiert durch gegen- oder wechselständige, mit Nebenblättern versehene Blätter, oft eingeschlechtige, kleine und gewöhnlich in gedrängten Blütenständen stehende Blüten mit einem kelchartigen Perigon, das aber zuweilen ganz fehlt, mit ebenso vielen, den Perigonblättern gegenüberstehenden Staubgefäßen und oberständiger, meist nußartiger, einfächeriger, seltener zweifächeriger Frucht, welche meist nur einen einzigen Samen mit oder ohne Endosperm enthält. Die Ordnung umfaßt die Familien der Urtikaceen, Moreen, Artokarpeen, Kannabineen, Ulmaceen, Celtideen und Plataneen.

Urtiere, s. Protozoen.

Urtikation, s. Urtica.

Urtracheāten, s. Tracheen.

Urua, ein Reich in Zentralafrika, wird vom 6.° südl. Br. durchschnitten und im W. vom Luvua (Luapula), dem Oberlauf des Congo, im O. vom Tanganjikasee begrenzt. Es ist an Ausdehnung etwa Großbritannien gleich und besitzt große landschaftliche Schönheiten, dazu eine Fülle von Bodenprodukten, welche die Händler von der Ost- wie von der Westküste anziehen. Elfenbein, Kupfer und Sklaven sind die Hauptausfuhrprodukte. Der Beherrscher der meisten Distrikte von U. ist Kasongo. Berühmt durch ganz Südafrika sind die unterirdischen Wohnungen Uruas, die nach Cameron zu Mkanna am Lufira (9° südl. Br.) liegen und selbst unter diesem Flusse sich hinziehen. Hoch und trocken, werden sie von Säulen und Bogen aus weißem Stein (Stalaktiten) getragen; kleine Bäche durchrinnen sie, und es haben sich dort viele der Bewohner (Warua) mit ihren Ziegen angesiedelt. Vgl. Cameron, Quer durch Afrika, Bd. 2 (deutsch, Leipz. 1877).

Uruápam de Progresso, Stadt im mexikan. Staat Michoacan, an malerischem Bergstrom, am Abhang des Mexikanischen Randgebirges, hat Kaffeebau, eine Baumwollfabrik und (1880) 11,644 Einw.

Urubamba, einer der Quellflüsse des Amazonenstroms, entspringt auf dem peruanischen Hochland, südöstlich von Cuzco, berührt die Stadt U., führt im weitern Verlauf den Namen Quillabamba, ist im Unterlauf schiffbar und bildet nach einem Laufe von 750 km mit dem Apurimac den Ucayali (s. d.).

Urubamba, Stadt im Departement Cuzco der südamerikan. Republik Peru, am gleichnamigen Fluß (geht zum Marañon), 2921 m ü. M., in fruchtbarem, von Bergen umgebenem Thal, 39 km von Cuzco, hat eine höhere Schule, (1876) 1767 Einw. und in der Umgegend merkwürdige altindianische Baureste.

Uruguay (spr. urugwáj), großer Fluß in Südamerika, entspringt auf der Sierra do Mar in der brasil. Provinz Santa Catharina, strömt in schnellem Lauf erst gegen W., dann nach S., scheidet Brasilien und den Staat Uruguay von den argentinischen Misiones, Corrientes und Entre Rios und fließt, nachdem er zahlreiche, meist kleinere Nebenflüsse aufgenommen, im N. von Buenos Ayres mit dem Paraná zusammen, wodurch der La Plata (s. d.) entsteht. Der U. hat unzählige Windungen und Katarakte, enthält eine Menge von Inseln, ist sehr fischreich und hat einen Stromlauf von 1580 km. Er wird sehr bald schiffbar; für große Fahrzeuge ist er es aber nur 422 km von seiner Mündung aufwärts bis zum großen Wasserfall (Salto Grande).

Uruguay (spr. urugwáj, Republica oriental del U.), Freistaat in Südamerika (s. Karte »Argentinische Republik«), im S. durch den Rio de la Plata, im W. durch den Uruguay von der Argentinischen Republik getrennt, im N. von Brasilien und im O. vom Atlantischen Ozean begrenzt, umfaßt 178,700 qkm (3245,4 QM.). Das Land ist nach dem Meer zu größtenteils eben, in den übrigen Teilen mehr hügelig und wird im Innern von zwei niedrigen Bergketten (Cuchilla grande und Cuchilla del Haedo) in nordöstlicher Richtung durchzogen. Mit Ausnahme einiger sandiger Striche an der Küste und einiger steppenartiger im Innern ist der Boden sehr ergiebig. Außer den Grenzflüssen La Plata, Uruguay, Quaraim und Jaguarão, von welchen die letztern zwei mit dem Cerro de Santa Anna die Grenze gegen Brasilien bilden, wird das Land im Innern von mehreren Flüssen bewässert, die meist dem Uruguay zufließen, und von denen der schiffbare Rio Negro der bedeutendste ist. An der Küste des Atlantischen Ozeans sind einige Seen, darunter die Lagoa mirim mit dem Cebollati als bedeutendstem Zufluß. Das Klima ist gemäßigt (mittlere Temperatur von Montevideo 16,5° C., Januar 22°, Juli 11°). Hinsichtlich seiner sonstigen physikalischen Beschaffenheit kommt das Land im allgemeinen mit der Argentinischen Republik überein. Die Wälder liefern vortreffliches Bauholz; Steinkohlen, Blei und auch Gold kommen vor, werden aber noch wenig beachtet. Die Bevölkerung schätzte man 1860 auf 208,648 Seelen, 1886 auf 596,463, darunter 146,000 Fremde; 1860-84 hätte demnach die Bevölkerung um 86 Proz. zugenommen, und 1886 kämen 32 Einw. auf das Quadratkilometer. Auf je 100 Personen männlichen kamen nur 93 Personen weiblichen Geschlechts. Im J. 1886 zählte man 3093 Heiraten, 24,712 Geburten und 11,537 Todesfälle. Die einheimische Bevölkerung, die sogen. Orientalen, hat dieselben Bestandteile wie in der Argentinischen Republik, nur daß die Nachkommen von Portugiesen und auch von Negern zahlreicher vertreten sind. Ziemlich allgemein ist die Mischung mit dem Blut von Guarani, Charrua und andern einheimischen Indianern, aber reine Indianer scheinen nicht mehr vorzukommen. Unter den Fremden sind Spanier (42,102), Italiener (39,430), Brasilier (23,750) und Franzosen (16,225) am zahlreichsten vertreten. Diese vier Nationen allein bilden 73 Proz. der so zahlreichen fremden Kolonie. Engländer (2890) und Deutsche (2900) sind wenig zahlreich, zeichnen sich aber durch Wohlstand aus. Sie haben sowohl den Riesenanteil an den kaufmännischen Geschäften als großen Grundbesitz. Zahlreich ist in jüngern Jahren die Einwanderung, namentlich auch von Italienern. Diesen Einwanderern (und unter ihnen namentlich den Waldensern, Schweizern und Italienern) verdankt U. wesentlich die Entwickelung des Ackerbaues und der Industrie. Staatskirche ist die römisch-katholische, doch sind alle andern Konfessionen geduldet. Für öffentliche Bildung sorgen eine Universität in Montevideo (mit 46 Professoren und 1450 Studierenden) und 770 Schulen, die 1886 von 49,279 Kindern besucht wurden. Viehzucht und Landbau bilden die Haupterwerbszweige. Im J. 1885 gab es 5,994,057 Rinder, 634,907 Pferde und 17,049,798 Schafe, und 218,000 Hektar waren angebaut. Hauptprodukte sind Weizen und Mais. Überhaupt eignet das Land sich vorzüglich für den Ackerbau, und schon seit einer Reihe von Jahren führt es einen Überschuß an Weizen aus. Im J. 1882 schätzte man den Wert des Realeigentums und des Viehs auf 360 Mill. Pesos. Die In-^[folgende Seite]