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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Usurpation; Usus; Usus tyrannus; Ususfructus; Ut; Utah; Utahsee; Utakamand; Utatlan; Utensilien; Uterindrüsen; Uterini; Ütersen

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Usurpation - Ütersen.

Usurpation (lat.), im ältern röm. Rechte die Unterbrechung der Verjährung; im neuern Sprachgebrauch die Anmaßung eines Besitzes, einer Befugnis, besonders der öffentlichen Gewalt; daher die gewaltsame Verdrängung eines legitimen Herrschers, der Umsturz der Verfassung und die Unterdrückung der Selbständigkeit eines Staats. Ist der Usurpator wirklich in den Besitz der Staatsgewalt gelangt, so muß der nachmals etwa restaurierte rechtmäßige Landesherr die in der Zwischenzeit vorgenommenen Regierungshandlungen in ihren thatsächlichen und rechtlichen Folgen anerkennen, da sonst offenbare Unbilligkeiten und Unzuträglichkeiten entstehen würden.

Usus (lat.), Gebrauch, Herkommen; daher usuell, gebräuchlich. Im römischen Recht ist U. eine persönliche Dienstbarkeit, vermöge deren dem Berechtigten (usuarius) die Benutzung (Gebrauchsrecht) einer fremden Sache für seine Person, mithin ohne das Recht der Überlassung der Ausübung an einen andern und mit Beschränkung auf die Bedürfnisse des Berechtigten, zusteht. Der U. gibt also an sich kein Recht auf die Früchte (fructus) der Sache; ist diese jedoch von der Art, daß sie ohne Fruchtgenuß gar nicht oder doch nicht vollständig gebraucht werden kann, so soll der Usuarius einen mäßigen Anteil an Früchten erhalten.

Ususfructus (lat.), s. Nießbrauch.

Usus tyrannus (lat., »der Gebrauch ein Tyrann«), sprichwörtliche Redensart, mit welcher angedeutet wird, daß der Sprachgebrauch oft allen grammatischen Regeln zuwiderläuft.

Ut, s. Solmisation.

Utah (spr. juhta), ein Territorium der nordamerikan. Union, das Land der Mormonen, grenzt gegen N. an Idaho und Wyoming, gegen O. an Colorado, gegen S. an Arizona und gegen W. an Nevada. Das Wahsatchgebirge teilt das Territorium in zwei Teile, von welchen der kleinere westliche dem sogen. Großen Bassin (zwischen den Rocky Mountains und der Sierra Nevada) angehört, während der östliche durch Nebenflüsse des Colorado bewässert wird. Die Oberfläche des Bassins besteht größenteils ^[richtig: größtenteils oder großenteils] aus dürren und wüsten Ebenen, über welchen einzelne Gebirgsketten sich erheben. Unter den zahlreichen Seen ist der Große Salzsee (s. d.) der bedeutendste. In ihn ergießen sich der von N. kommende Bären- und der Weberfluß sowie der dem südlich gelegenen Utahsee entströmende Jordan. Nächstdem ist der Sevierfluß, welcher in dem gleichnamigen See (1402 m ü. M.) verschwindet, der bedeutendste. Keiner dieser Flüsse ist schiffbar, wohl aber ermöglichen sie die künstliche Bewässerung des anliegenden Landes, welches reiche Ernten gewährt. Regen fällt jetzt auch häufig während des Sommers, während es früher zwischen April und November fast nie regnete. In der Nähe des Salzsees beträgt die mittlere Temperatur des Januars und Juli bez. -3,4° und +24,8° C. Fröste kommen von Anfang September bis Ende Mai vor. Das östliche Gebirgsland fällt im Wahsatchgebirge (Nebo 3655 m) steil gegen die Ebene ab, an Höhe wird es jedoch übertroffen durch die Uintahkette (Mount Emmons 4175 m), welche von ihm aus nach O. streicht. Jenseit des Wahsatchgebirges liegen die mit saftigem Gras bewachsenen Hochflächen (Mesas), welche vom Green River (Colorado) und seinen Nebenflüssen in tiefen Canons durchschnitten werden. Nur in den Gebirgen wächst Wald. Unter den wild vorkommenden Tieren sind zu erwähnen: Wölfe, Füchse, Wiesel, Wolverene, Biber, Hasen, Antilopen, Bergschafe, Elens und Hirsche. U. hat ein Areal von 220,063 qkm (3997 QM.) und 1880: 143,963 Einw., von denen die Mehrzahl aus allen Weltteilen herbeigeströmte Mormonen (s. d.) sind. Dazu kommen noch 840 in Stämmen lebende Utah- oder Jutahindianer. Ackerbau und Obstzucht werden mit großem Erfolg betrieben. Man baut namentlich Weizen, Hafer, Gerste und Kartoffeln und im gesegneten Thal von Rio Virgen (im SW.) auch Sorghum, Baumwolle und Weintrauben. An Vieh zählte man 1880: 41,000 Pferde und Maultiere, 96,000 Rinder, 233,000 Schafe und 17,000 Schweine. Sehr ergiebig ist der Bergbau. Bituminöse Steinkohlen, Eisensteine, Gold, namentlich aber Silber (s. Emma Mine) kommen vor, und ein Berg am Colorado besteht ganz aus Steinsalz. Gewonnen wurden 1886 für 6½ Mill. Dollar Silber und für 216,000 Doll. Gold. Die Industrie dagegen ist noch unbedeutend und beschränkt sich fast nur auf Mahlen von Korn, Zurichtung von Bauholz und etwas Wollfabrikation. Die Eisenbahnen hatten 1888 eine Länge von 2100 km. Ein Schulgesetz wurde 1874 erlassen. U. ward 1847 von den Mormonen in Besitz genommen, aber die 1849 versuchte Gründung eines Staats Deseret wurde von der Regierung der Vereinigten Staaten von Nordamerika nicht anerkannt und dem Gebiet die übliche Territorialverfassung gegeben. Der Gouverneur, der Sekretär und die Mitglieder des höchsten Gerichtshofs werden vom Präsidenten ernannt. Eine gesetzgebende Versammlung wurde zuletzt im J. 1878 gewählt, da ein Unionsgesetz (Edmunds-Law) 1882 den in Vielweiberei lebenden Mormonen die Bürgerrechte entzogen hat. Gegenwärtig haben indes auch andre religiöse Genossenschaften festen Fuß in U. gefaßt, und ein großer Teil des Grundes und Bodens, namentlich der Bergwerke, ist Eigentum von Nichtmormonen. Politische Hauptstadt des Gebiets ist Salt Lake City (s. d.).

Utahsee, im nordamerikan. Territorium Utah, 58 m über dem Großen Salzsee, mit dem ihn der mehrenteils durch eine leicht zu bewässernde Ebene fließende, 170 km lange Jordan verbindet. Er ist nur 4,5 m tief und hat frisches Wasser.

Utakamand, Hauptstadt des Nilgiridistrikts der britischen Präsidentschaft Madras, amphitheatralisch von den höchsten Gipfeln der Nilgiri umgeben, mit (1881) 12,335 Einw. (8021 Hindu, 2934 Christen, 1364 Mohammedaner). Die Stadt ist Sommerresidenz des Gouverneurs von Madras und zugleich Haupterfrischungsstation der Präsidentschaft, besitzt zahlreiche Kirchen, Hospitäler, Schulen, einen botanischen Garten, Bibliothek und ist der Mittelpunkt zahlreicher Kaffeepflanzungen.

Utatlan, Ruinenstadt in Guatemala, s. Quiche.

Utensilien (lat.), zu etwas erforderliche Geräte, insbesondere Wirtschaftsgeräte.

Uterindrüsen, s. Gebärmutter.

Uterini (lat.), »Schoßgeschwister«, d. h. Halbgeschwister, welche eine gemeinsame Mutter haben.

Ütersen, Stadt in der preuß. Provinz Schleswig-Holstein, Kreis Pinneberg, an der Pinnau, mit Tornesch (an der Linie Altona-Kiel der Preußischen Staatsbahn) durch Pferdebahn verbunden, hat eine schöne evang. Kirche, ein evang. Schullehrerseminar, ein Amtsgericht, Maschinen-, Tabaks-, Zigarren-, Zichorien-, Tuch-, Lederwaren-, Tonnenband- und Leimfabrikation, Gerberei, Holzsägerei, Dampf- und Wassermühlen, Bierbrauerei, Schiffahrt und (1885) 5058 fast nur evang. Einwohner. Dabei Kloster-Ü., ein von Heinrich von Barmstedt 1235 gestiftetes Nonnenkloster, jetzt adliges Fräuleinstift der schleswig-holsteinischen Ritterschaft.