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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Valençay; Valence; Valencĭa

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Valençay - Valencia.

Valençay (spr. walangssâh), Stadt im franz. Departement Indre, Arrondissement Châteauroux, am Nahon, hat ein schönes Schloß mit Bibliothek und Kunstsammlungen und (1881) 2060 Einw. Auf dem Schloß, das dem Fürsten Talleyrand gehörte, lebte Ferdinand VII. von Spanien 1808-13 im Exil und schloß daselbst den Vertrag vom 11. Dez. 1813, in welchem er den Thron von Spanien wieder erhielt. 1829 ward V. zum Herzogtum für Talleyrand erhoben.

Valence (spr. walāngs), 1) Hauptstadt des franz. Departements Drôme, ehemals Hauptstadt der Landschaft Valentinois in der Dauphiné, am Rhône, unterhalb der Mündung der Isère, deren Hochwasser keine größere Annäherung gestattet, und an der Eisenbahn Lyon-Marseille (Abzweigung nach Grenoble), hat eine eiserne Brücke, eine Kathedrale aus dem 11. Jahrh. mit neuem Turm und dem Denkmal des 1799 hier verstorbenen Papstes Pius VI. (Büste von Canova), mehrere interessante Renaissancegebäude (le Pendentif, Maison des Têtes etc.), ein Denkmal des Generals Championnet, eine Filiale der Bank von Frankreich u. (1886) 19,500, als Gemeinde mit der Vorstadt Bourg les V. (s. Bourg 4) 24,761 Einw. Die Industrie ist durch Seidenspinnereien, Färbereien, Glashütten, Eisengießereien etc. vertreten; der Handel, bei dem sich die Lage von V. am Ausgang des Isèrethals geltend macht, erstreckt sich besonders auf Bauholz, Getreide und Mehl, Wein, Branntwein und Leder. Die Stadt hat ein Kommunalcollège, Normalschulen für Lehrer und Lehrerinnen, eine öffentliche Bibliothek (20,000 Bde.) und ein Museum. Sie ist Sitz des Präfekten, eines Bischofs, eines Gerichts- und Assisenhofs. V. ist das alte Valentia (Civitas Valentinorum) im Gebiet der Segovellauner im narbonensischen Gallien. -

2) (V. d'Agen) Stadt im franz. Departement Tarn-et-Garonne, Arrondissement Moissac, am Seitenkanal der Garonne und an der Bahnlinie Bordeaux-Toulouse gelegen, hat bedeutende Fabrikation von Schreibfedern, Gerberei, Leinwand- und Seilerwarenerzeugung und (1881) 2800 Ew.

Valencĭa, span. Provinz und ehemaliges Königreich (zu welchem jedoch außer der Provinz V. noch die Provinzen Alicante und Castellon mit zusammen 22,876 qkm [415,5 QM.] und einer Bevölkerung von 1,371,145 Einw. gehörten), grenzt im N. an die Provinzen Castellon und Teruel, im W. an Cuenca und Albacete, im S. an Alicante, im O. an das Mittelländische Meer u. hat einen Flächenraum von 10,751 qkm (195,3 QM.). Das Land enthält mehrere von W. nach O. streichende Gebirgszüge (Sierra Martes, Sierra Enguera etc.), welche durch parallele Flußthäler voneinander geschieden sind und sich allmählich zu der weiten Küstenebene herabsenken. Die wichtigsten Flüsse sind der Jucar mit Cabriel und der Guadalaviar. Die Bevölkerung belief sich 1878 auf 679,030 Einw. (Ende 1886 auf 692,000 geschätzt). Die Valencianer sind ein Mischvolk aus den Nachkommen der Mozaraber und Morisken und zeigen noch heute deutlich die Eigentümlichkeiten ihrer orientalischen Abstammung. Die höhern Stände sprechen Kastilianisch, die untern Valencianisch, einen dem Katalonischen verwandten Dialekt. Der Boden ist in den Gebirgen wenig ergiebig, in den Thälern und der Küstenebene dagegen höchst fruchtbar. Das kulturfähige Land ist mit großer Sorgfalt angebaut und die natürliche Fruchtbarkeit durch künstliche Bewässerung so erhöht, daß man in einem Jahr auf demselben Boden 3-5 Ernten verschiedener Früchte erzielt. Waldungen fehlen dagegen fast gänzlich. Das Klima ist sehr angenehm und gesund, die Hitze durch die Seewinde gemildert, der Himmel fast stets tiefblau. Die wichtigsten Produkte sind: Weizen, Gerste, Mais, Reis (Ausfuhr ½ Mill. metr. Ztr.), Öl, Wein, Rosinen, Orangen, deren Anpflanzung und Export (jährlich für etwa 8 Mill. Pesetas) fortwährend zunimmt, Zitronen, Johannisbrot, Espartogras, Feigen, Mandeln, Seide, Hanf, Flachs, Safran, Cacahuete (eine Knollenfrucht, welche in geröstetem Zustand gegessen wird und zur Gewinnung eines feinen Öls dient; Jahresproduktion ca. 10,000 metr. Ztr.), Gartenfrüchte aller Art. Auch werden Bataten, Erdnüsse, Zuckerrohr und Kochenille gewonnen. Die Viehzucht steht noch auf niederer Stufe. Das Mineralreich bietet Erze, welche aber wenig ausgebeutet werden. Dagegen haben sich die Industrie, welche besonders Seidenspinnerei, Seiden-, Woll- und Leinweberei, Espartoflechterei, Fabrikation von Papier, Schuhwaren, Glas, Steingut und Fayence umfaßt, und der Handel, welcher namentlich Wein, Südfrüchte, insbesondere Orangen, Seide, Öl, Safran, Cacahuete, Zwiebeln, Wolle und Kalbleder ausführt und Spiritus, Getreide und Mehl, Guano, Holz etc. einführt, namentlich seit Eröffnung der Küstenbahn Tarragona-V.-Alicante und der regern Schiffahrtsentwickelung in den drei Häfen (vor allen Grao de V., dann Cullera und Gandia) sehr gehoben. Die Provinz umfaßt 23 Gerichtsbezirke, darunter Alcira, Chelva, Gandia, Jativa, Liria, Onteniente, Requena und Sagunto.

Valencĭa, 1) (V. del Cid) Hauptstadt der gleichnamigen span. Provinz, liegt 4 km vom Meer am Guadalaviar und der Eisenbahn Tarragona-V.-Alicante (Eisenbahnen über Cuenca nach Madrid und über Teruel nach Saragossa im Bau), in der fruchtbaren, immergrünen »Huerta von V.«, hat alte Mauern und Wälle, enge und krumme Straßen mit zum Teil noch im maurischen Stil aufgeführten Häusern, 5 schöne Brücken über den Strom, 3 Vorstädte, viele Promenaden (die schönste die Glorieta), über 30 Kirchen und Kapellen, zahlreiche Klostergebäude und eine Citadelle. Unter den Gebäuden zeichnen sich aus: die Kathedrale, ein baufälliges, unregelmäßiges, in verschiedenen Stilen ausgeführtes Gebäude (in der Römerzeit Dianentempel, unter den Goten christliche Kirche, unter den Sarazenen Moschee) mit einem 53 m hohen achteckigen Glockenturm (Torre de Miguelete), der eine prachtvolle Aussicht gewährt; die Kirchen El Temple und Señora de los Desamparados, eine Rotunde mit prächtigen Fresken; ferner der königliche Palast, der Douanepalast (ehemals Dominikanerkloster), die Lonja (im maurisch-gotischen Stil, mit großartiger Säulenhalle, Verkaufslokal der rohen Seide etc.), das Theater, mehrere Privatpaläste u. a. Die Stadt zählt (1878) 143,856 (1886: 141,342) Einw. Der wichtigste Industriezweig ist Seidenspinnerei und -Weberei; auch hat V. eine königliche Tabaks- und Zigarrenfabrik, welche gegen 4000 Arbeiter (meist Frauen) beschäftigt, und eine Maschinenfabrik. Ferner werden Wolldecken, Glasurziegel (Azulejos) und Fächer (bedeutender Export) erzeugt. Der Handel ist sehr lebhaft. Als Hafen von V. dient die 4 km entfernte, mit V. durch eine Eisenbahn verbundene Stadt Villanueva del Grao an der Mündung des Guadalaviar (4433 Einw.). Der Hafen ist durch Baggerungen, Ausführung von Moli und Kais in neuer Zeit bedeutend verbessert worden, 1888 sind in demselben 2990 Kauffahrteischiffe mit 1,296,762 Ton. ein- und ausgelaufen. Die Einfuhr hatte 1886 einen Wert von 83,65 Mill., die Ausfuhr einen solchen von 96,90 Mill. Pesetas; besonders wichtig ist der Export von Wein (1888: 1,441,000 hl), Rosinen (34 Mill. kg) u. Apfelsi-^[folgende Seite]