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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Vancouver; Vandālen; Vandalĭa; Vandalismus; Vandalitia; Vandamme

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Vancouver - Vandamme.

aber erst Vancouver (1792) umschiffte die ganze Insel, traf jedoch in der dieselbe vom Festland trennenden Straße mit dem Spanier Dionisio Galiano zusammen. Schon 1778 hatten sich einige Engländer am Nutkasund niedergelassen, waren aber 1789 von den Spaniern vertrieben worden. Indessen traten letztere ihre Ansprüche an England ab. Später reklamierten die Amerikaner diesen Teil der Westküste Nordamerikas, aber auch sie entsagten ihren Ansprüchen im Grenzvertrag von 1846. Im J. 1849 wurde der Hudsonbaikompanie die Insel auf zehn Jahre übergeben, gegen die Verpflichtung, dieselbe anzusiedeln. 1859 wurde sie als besondere Kolonie konstituiert, und seit 1866 bildet sie mit dem benachbarten Festland die Kolonie Britisch-Columbia.

Vancouver (Port Moody), Stadt in Britisch-Columbia (Amerika), ist Kopfstation der kanadischen Pacificbahn, liegt an der Mündung des Burrard Inlet in den Georgiasund, der Insel Vancouver gegenüber, und hat (1887) 3000 Einw.

Vandālen, german. Volk, das ursprünglich im NO. Germaniens im mittlern Odergebiet an den Sudeten seßhaft war. Sie zerfielen in zwei Stämme, die Asdinger und die Silinger. Später gehörten sie zum gotischen Völkerbund und nahmen an den Einfällen der Goten in das römische Reich teil; eine 277 in Gallien eingedrungene Schar V. wurde von Kaiser Probus besiegt und nach Britannien verpflanzt. Später nach Schlesien und Mähren übergesiedelt, wurden sie von da durch Konstantin nach Pannonien verpflanzt. Auch am Zug des Radagaisus nahmen V. teil. Die Hauptmasse des Volkes zog aber 407 über den Rhein durch Gallien nach Spanien, wo sie den mittlern und südlichen Teil der Halbinsel besetzten. Der Westgote Wallia vernichtete 416 die Silinger und drängte die Asdinger nach Galicien zurück, von wo sie aber 428 unter Geiserich wieder bis zur Südküste vordrangen und auf den Ruf des römischen Statthalters von Afrika, Bonifacius, 429 mit den verbündeten Alanen 50,000 streitbare Männer stark nach Afrika übergingen. Unterstützt von den unterdrückten Eingebornen, bemächtigten sie sich binnen zwei Jahren aller Städte Mauretaniens. Nachdem sich Bonifacius mit dem Kaiser ausgesöhnt hatte, wollte er die V. zur Rückkehr bewegen; allein selbst Waffengewalt vermochte nichts gegen sie. Die V., in zwei Feldschlachten Sieger, überschwemmten das Land, eroberten die Feste Hippo und vollendeten durch die Erstürmung Karthagos 439 den Bau des großen Vandalenreichs in Nordafrika. Von hier aus plünderten und verwüsteten sie mit ihren Schiffen alle Inseln und Küsten des westlichen Mittelmeers, 455 auch Rom und vernichteten 468 bei Bone eine große römische Flotte von mehr als 1000 Schiffen. Im Innern bedrückten sie als eifrige Arianer die orthodoxe Kirche und erregten den bittersten Haß der römischen Einwohner. Voll Trotz auf ihre kriegerische Überlegenheit, verschmähten sie jede Vermischung mit denselben. Aber seit dem Tod Geiserichs (477), unter Hunnerich (477-484), Gundamund (484-496) und Thrasimund (496-523), sanken die V. in zunehmende Entartung, nahmen römische Sitten und Üppigkeit an und vernachlässigten Ackerbau und Seefahrten. Thrasimunds Nachfolger Childerich (523-530), der Sohn Hunnerichs, behauptete sich gegen die Witwe seines Vorfahren Amalfried, die er schlug und gefangen nahm. Seine Hinneigung zu den Römern aber und seine Begünstigung der katholischen Religion weckten Unzufriedenheit bei den V., und so gelang es seinem Vetter Gelimer, dem Urenkel Geiserichs, ihn zu stürzen (530). Als Gelimer jede Bitte um Schonung des Königs ablehnte, sandte der oströmische Kaiser Justinian zu gunsten des Gefangenen 533 Belisar mit 15,000 erlesenen Streitern gegen ihn. Gelimer ließ Childerich und seine Söhne ermorden, gab aber nach der ersten Feldschlacht beim zehnten Meilenstein die Hauptstadt Karthago preis und floh nach einer zweiten Schlacht bei Trikameron nach Numidien. 534 ergab er sich, in einer Bergfeste eingeschlossen, dem siegreichen Feldherrn. Dieser stellte überall griechische Herrschaft und Verwaltung wieder her, gab Weibern und Töchtern der V. römische Ehemänner, während die männliche Jugend der kaiserlichen Reiterei einverleibt wurde, und kehrte darauf, von den edelsten Gefangenen, unter ihnen Gelimer, den Schätzen und Kleinodien des Reichs begleitet, nach Konstantinopel zurück. Gelimer wurde in Konstantinopel im Triumph aufgeführt und endete sein Leben in Galatien. Als Nachkommen der V. bezeichnet Löher die jetzt ausgestorbenen Ureinwohner (Guanchen) der Kanarischen Inseln (näheres s. d.). Vgl. Papencordt, Geschichte der vandalischen Herrschaft in Afrika (Berl. 1837); Prokopios, Vandalenkrieg (deutsch von Coste, Leipz. 1884); Wrede, Über die Sprache der Wandalen (Straßb. 1886).

Vandalĭa, frühere Hauptstadt des nordamerikan. Staats Illinois, am Kaskaskia, jetzt unbedeutendes Dorf mit (1880) 2056 Einw.

Vandalismus, rohe Zerstörung von Kunstwerken, weil die Vandalen unter Geiserich zu Rom in dieser Weise gehaust haben.

Vandalitia (Vandalusia), s. Andalusien.

Vandamme (spr. wangdamm), Dominique Joseph, Graf von Hüneburg, franz. General, geb. 5. Nov. 1771 zu Cassel (Nord), diente zuerst als gemeiner Soldat in einem Kolonialregiment, kehrte beim Ausbruch der Revolution nach Frankreich zurück und errichtete 1792 eine unter dem Namen Chasseurs du Mont-Cassel bekannte Freischar, als deren Führer er sich auszeichnete. 1793 schon Brigadegeneral, kämpfte er in Belgien, befehligte 1796 bei der Rheinarmee eine Kolonne der Division Duhesme und erhielt im Februar 1799 als Divisionsgeneral den Befehl über den linken Flügel an der Donau. Von 1800 bis 1801 kämpfte er am Oberrhein und erhielt vom Ersten Konsul das Kommando der 16. Militärdivision. 1805 focht er mit Auszeichnung bei Austerlitz. 1806 und 1807 hatte er Schlesien zu unterwerfen. 1809 befehligte er die württembergische Division. In den folgenden Jahren war V. als Inspektor der gesamten Kavallerie thätig. 1813 erhielt er ein Kommando zuerst in Westfalen, dann in Niedersachsen, befleckte aber, wie früher, so auch jetzt seinen Namen durch Härte, Erpressung und Vernachlässigung der Disziplin. Nach der Schlacht bei Dresden schickte Napoleon V. mit einem Korps von 30,000 Mann nach Böhmen voraus, um der Großen Armee den Rückzug zu verlegen; er konnte aber die Stellung der Russen bei Kulm (29. Aug.) nicht durchbrechen, wurde 30. Aug. umzingelt und mußte sich selbst mit 10,000 Mann und 81 Kanonen ergeben, worauf ihn Kaiser Alexander I. an die Grenze von Sibirien bringen ließ. Nach der ersten Restauration durfte er nach Frankreich zurückkehren. Während der Hundert Tage erhob ihn Napoleon zum Pair und gab ihm den Befehl über das 3. Armeekorps, das zum Heeresteil Grouchys gehörte, und mit dem er 18. Juni 1815 bei Wavre kämpfte. Nach der zweiten Restauration mußte er infolge der Ordonnanz vom 12. Jan. 1816 auswandern und ging nach Nordamerika. 1818 kaufte er sich bei Gent an,