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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Vannutelli; Vansittart; Vanua Lava; Vanua Levu; Vanucci; Vanves; Vapeur; Vapeurs; Vaporimeter; Vaporisation; Var

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Vannutelli - Var.

brachte er lange Zeit als Verbannter im Ausland zu: in Frankreich, England, Belgien, der Schweiz, wo er 1852-53 Universalgeschichte lehrte, dann wieder in Frankreich bis zu seiner Rückkehr nach Florenz 1856. Von der neuen italienischen Regierung erhielt er die Ämter und Würden eines Bibliothekars der Magliabecchiana, dann eines Professors der römischen Litteratur am Istituto di studj superiori in Florenz und eines Senators des Königreichs. Er starb, nachdem er 1878 seine Ämter niedergelegt, 10. Juni 1883 in Florenz. Er veröffentlichte: »Storia dell' Italia antica« (Flor. 1846-55, 4 Bde.; 3. Aufl., Mail. 1872 ff.), die zu den besten Darstellungen römischer Geschichte gehört; ferner »I primi tempi della libertà fiorentina« (Flor. 1856, 3. Aufl. 1871); »I martiri della libertà italiana« (7. Aufl., Mail. 1885, 3 Bde.); »Studj storici e morali sulla letteratura latina« (Tur. 1854, 3. Aufl. 1871); »Ricordi della vita e delle opere di G. B. Niccolini« (Flor. 1866, 2 Bde.); »Proverbi latini illustrati« (Mail. 1880-83, 3 Bde.) u. a.

Vannutelli, Serafino, Kardinal, geb. 25. Nov. 1834 zu Genazzano, ward für den geistlichen Stand erzogen, studierte in Rom Theologie und Rechtswissenschaft, begleitete den Nunzius Meglia als Auditor an den Hof des Kaisers Maximilian nach Mexiko, dann nach München, ward 1869 Erzbischof von Nikäa i. p. und apostolischer Delegat in Ecuador und Peru, 1875 Nunzius in Brüssel und 1880, als die belgische Regierung die diplomatischen Beziehungen zum Vatikan abbrach, in Wien. Papst Leo XIII. ernannte ihn 14. März 1887 zum Kardinal und berief ihn von Wien ab. - Sein jüngerer Bruder, Vincenzo V., geb. 1836, ist seit 1883 Nunzius in Lissabon.

Vansittart, Nicholas, Lord Bexley, brit. Staatsmann, Sprößling einer aus Danzig stammenden, von dem Städtchen Sittart im Jülichschen nach England übergesiedelten Familie, geb. 29. April 1766, wurde 1791 Barrister, beschäftigte sich aber vornehmlich mit politischen und finanziellen Fragen und veröffentlichte mehrere Schriften darüber. Als entschiedenen Tory ließ ihn die Regierung 1796 für Hastings ins Parlament wählen und sandte ihn zu Anfang 1801 nach Kopenhagen, um den dänischen Hof von der nordischen Allianz abzuziehen, was ihm aber nicht gelang. 1804 wurde er Lord des Schatzes, 1805 Obersekretär für Irland, war dann einige Zeit lang Sekretär des Schatzamtes und bewirkte als solcher 1810 die Suspension der Barzahlungen durch die Bank von England bis nach geschlossenem Frieden. Nach Percevals Tod 1812 zum Kanzler der Schatzkammer berufen, verwaltete er dies Amt mehr als zehn Jahre hindurch mit solchem Erfolg, daß er seinem Nachfolger einen Überschuß von 7 Mill. Pfd. Sterl. in den Staatsrevenuen hinterließ. Im Februar 1823 ward er mit dem Titel Lord Bexley zum Peer erhoben und zum Kanzler des Herzogtums Lancaster ernannt. 1828 aus dem Staatsdienst mit einer Pension von 3000 Pfd. Sterl. ausgeschieden, widmete er fortan seine Thätigkeit hauptsächlich der Verwaltung mildthätiger und religiöser Institute. Er starb 8. Febr. 1851 auf seinem Landsitz Footscray in Kent.

Vanua Lava, die bedeutendste der Banksinseln in Melanesien (s. Neue Hebriden), 352 qkm groß, mit vulkanischen Bergen und zahlreichen Solfataren, ist äußerst fruchtbar und schön bewaldet und hat 2000 Einw. An der Ostseite der Hafen Port Patterson.

Vanua Levu, die zweitgrößte der Fidschiinseln, 6438 qkm (117 QM.) mit etwa 30,000 Einw. Die Insel ist durchaus bergig und schön bewaldet, am westlichen Ende, der einzigen Stelle auf der Inselgruppe, wächst Sandelholz. In das Ostende dringt die Natevabai tief hinein, an der Savu Savu-Bai auf der Südseite heiße Quellen.

Vanucci (spr. wanuttschi), Pietro, s. Perugino 1).

Vanves (spr. wangw), Dorf im franz. Departement Seine, südlich an die Enceinte von Paris anstoßend, hat ein Lyceum (ehemaliges, von Mansart erbautes Schloß des Prinzen von Condé), eine Irrenanstalt, Steinbrüche, Bleichereien, Chemikalienfabrikation und (1881) 12,005 Einw. Das südlich gelegene Fort von V. der innern Befestigungslinie von Paris war 1870/71 Hauptangriffspunkt der deutschen Artillerie.

Vapeur (franz., spr. wapör), Gewebe, s. Musselin.

Vapeurs (franz., spr. wapör, »Blähungen«), früher Bezeichnung einer Modekrankheit der Damen, vermeintlich durch zum Gehirn aufsteigende Blähungen verursachte Beschwerden und darauf gegründete (hysterische) Launen.

Vaporimeter, s. Alkoholometrie, S. 372.

Vaporisation (lat.), Verdampfung.

Vár (Város, magyar.), in zusammengesetzten Ortsnamen oft vorkommend, bedeutet »Stadt«.

Var (ital. Varo, bei den Alten Varus), Küstenfluß im südöstlichen Frankreich, entspringt am Mont Pelat im Departement Seealpen, durchfließt dasselbe in vorwiegend südlicher Richtung, ist sehr reißend, nimmt die Tinée, die Vesubia und den Estéron auf und mündet nach einem Laufe von 135 km, ohne schiffbar geworden zu sein, zwischen Nizza und Antibes in das Mittelländische Meer. Der V. ist die natürliche und ethnographische Grenze zwischen Frankreich und Italien, welche allerdings wiederholt, so seit 1860 (Annexion von Nizza) zu gunsten Frankreichs, verschoben worden ist.

Das nach ihm benannte französische Departement Var, welches jedoch nicht mehr von demselben berührt wird, da das früher hierher gehörige Arrondissement Grasse 1860 zu dem neugebildeten Departement Seealpen (Nizza) geschlagen wurde, wird von den Departements Niederalpen (nördlich), Seealpen (östlich), Rhônemündungen (westlich) und dem Mittelländischen Meer (südlich) begrenzt und umfaßt einen Flächenraum von 6028 qkm (109,5 QM.). Das Land ist zu einem großen Teil gebirgig. Im W. breiten sich die mit den Kalkgebirgen des Departements Rhônemündungen zusammenhängenden Berge (Chaîne de la Sainte-Baume) aus; isolierte Berggruppen sind die Monts d'Estérel (500-600 m) und die Montagne des Maures (400 m). Im S. verlieren sich die Gebirge in niedrige Hügel und zuletzt in Sanddünen. Die Küsten sind felsig und steil, mit vielen Vorgebirgen, Buchten und Inseln (darunter die Hyèrischen Inseln). Bewässerung geben: der Verdon, Argens, mehrere kleinere Küstenflüsse und einige Seen. Das Klima ist durch die der Seeküste vorgelagerten Gebirge ein außerordentlich mildes und namentlich im Winter sehr angenehmes. Das Departement zählte 1886: 283,689 Einwohner und zeigt eine stetige Abnahme der Bevölkerung (seit 1861 um 32,000 Seelen). Der Boden ist mit Ausnahme einiger fruchtbarer Ebenen nicht von besonderer Güte, der Getreidebau daher auch für den Bedarf nicht ausreichend; dagegen ist das Departement reich an Waldungen. Von der Oberfläche kommen auf Äcker 130,039 Hektar, Wiesen 14,987, Weinberge 35,698, Wälder 260,024, Baumpflanzungen und Gärten 33,199, Heiden und Weiden 51,505 Hektar. Die wichtigsten Produkte sind: Getreide, hauptsächlich Weizen (1886: 597,870 hl), Gerste und Hafer, Kartoffeln (ca. 1 Mill. hl), Hülsenfrüchte, sehr viel Olivenöl u. Wein (1886: 261,165 hl),