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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Variolois; Varisker; Varius Rufus; Varix; Varmegye; Varmia; Varna; Varnbüler; Varnhagen; Varnhagen von Ense

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Variolois - Varnhagen von Ense.

Variolois (lat.), s. Pocken.

Varisker (Varisci), s. Narisker.

Varius Rufus, Lucius, röm. Dichter, lebte zwischen 74 und 14 v. Chr., vertrauter Freund des Horaz und Vergil, dessen ihm und Plotius Tucca hinterlassene Äneide er im Auftrag des Augustus redigierte und herausgab. Seine gerühmte Tragödie »Thyestes« ist bis auf wenige Verse verloren gegangen (in Ribbecks »Fragmenta tragicorum romanorum«, Leipz. 1871) wie auch ein Epos auf Cäsars Tod und ein Panegyrikus auf Augustus. Vgl. Weichert, De L. Varii vita etc. (Grimma 1836).

Varix (lat.), Krampfader.

Varmegye (ungar., spr. warmedje), s. v. w. Komitat.

Varmia, s. Ermeland.

Varna, Stadt, s. Warna.

Varnbüler, Friedrich Gottlob Karl, Freiherr V. von und zu Hemmingen, württemberg. Staatsmann, geb. 13. Mai 1809 aus einer alten Beamtenfamilie, Sohn des spätern württembergischen Finanzministers Karl Eberhard Friedrich, Freiherrn von V. (geb. 12. Aug. 1776, gest. 27. April 1832, vgl. seine Biographie von Adam, Stuttg. 1885), studierte in Tübingen und Berlin, war 1833-39, nachdem er auf längern Reisen einen großen Teil Europas besucht hatte, Kollegialmitglied der königlichen Kreisregierung in Ludwigsburg, bewirtschaftete sodann seine Güter, leitete 1849-53 eine große Maschinenfabrik in Wien, war (mit einer Unterbrechung 1850) seit 1845 als Vertreter der Ritterschaft des Neckarkreises Mitglied der Zweiten Kammer, nahm bald eine hervorragende Stellung in derselben ein und hatte namentlich in Fragen der Wirtschaftspolitik ein bedeutendes Ansehen. Seiner Thätigkeit verdankte es Württemberg vornehmlich, daß durch das Gesetz vom 12. Febr. 1862 Gewerbefreiheit eingeführt wurde. Dagegen vertrat er in den Kämpfen von 1848 und in der Reaktionsperiode mit großer Entschiedenheit den Standpunkt der Regierung und die Sonderinteressen des Adels. König Karl ernannte ihn 24. Sept. 1864 zum Minister des Auswärtigen und des königlichen Hauses und übertrug ihm im Oktober auch noch die Leitung der Verkehrsanstalten. Die Mehrheit der Abgeordneten gewann V., indem er die Verkehrsmittel, namentlich die Eisenbahnen, erheblich förderte. In der deutschen Politik war er einer der entschiedensten Gegner Preußens und Hauptverfechter der Selbständigkeit und des maßgebenden Einflusses der Mittelstaaten. 1866 sprach er in einer heftigen Rede gegen Preußen bei der Beratung der Kammer über die Kriegsfrage das bekannte Wort: »Vae victis!« Zwar fügte er sich in den Frieden mit Preußen und in das Schutz- und Trutzbündnis, vertrat aber bei den Zollparlamentswahlen 1867, bei welchen er selbst gewählt wurde, noch den partikularistischen Standpunkt. Im August 1870 endlich entlassen, ward er 1871 in den Reichstag gewählt, dem er bis 1881 angehörte, wo er sich als reichstreu bewährte, doch seine schutzzöllnerischen Ansichten beibehielt. Ende 1878 ward er zum Vorsitzenden der Tarifkommission ernannt, welche das Reichszollwesen in schutzzöllnerischem Sinn umgestalten sollte, und hatte an dem Zustandekommen des neuen Tarifs von 1879 hervorragenden Anteil. Er starb 26. März 1889 in Berlin. V. schrieb: »Über das Bedürfnis einer Gewerbegesetzgebung in Württemberg« (Stuttg. 1846), »Über die Frage eines deutschen Heimatsrechts« (das. 1864) und verfaßte eine Reihe bedeutender Referate über wirtschaftliche Fragen.

Varnhagen, Adolfo von, Vikomte von Portoseguro, brasil. Diplomat und Gelehrter, geb. 17. Febr. 1816 zu San João do Ypanema in Brasilien, Sohn des brasilischen Ingenieurgenerals und Bergwerksdirektors Friedrich Ludwig Wilhelm v. V., der, zu Wetterburg in Waldeck aus derselben Familie, der Varnhagen v. Ense angehörte, geboren, Anfang dieses Jahrhunderts nach Brasilien ausgewandert war, widmete sich historischen Studien und trat sodann in den diplomatischen Dienst. Er wurde Mitglied der brasilischen Akademie, Geschäftsträger in Madrid, 1858 Gesandter in Paraguay, dann in Peru, Chile und Ecuador, 1868 Gesandter in Wien und starb daselbst 10. Juli 1878. Er schrieb: »Martin Alfonso de Souza« (Lissab. 1839; 2. Aufl., Rio de Janeiro 1868); »Historia geral do Brasil« (Madr. 1854-57, 2 Bde.); »Examen de quelques points de l'histoire géographique du Brézil« (Par. 1858); »Florilegio do poesia brasileira« (Lissab. 1850-53, 3 Bde.); »Amerigo Vespucci; son caractère, ses écrits, sa vie et ses navigations« (Lima 1865); »Nouvelles recherches sur les derniers Voyages du navigateur florentin« (Wien 1869) und »Ainda A. Vespucci: novos estudos« (das. 1874) u. a.

Varnhagen von Ense, Karl August, Schriftsteller, geb. 21. Febr. 1785 zu Düsseldorf, kam frühzeitig mit seinem Vater, einem Arzt, nach Hamburg und studierte in Berlin und Halle Medizin, daneben Philosophie und alte Litteratur. Dort waren es A. v. Schlegels und Fichtes, hier F. A. Wolfs, Schleiermachers und Steffens' Vorlesungen, die bestimmend für seine geistige Richtung wurden. Bereits 1803 gab er mit A. v. Chamisso einen »Musenalmanach« heraus. 1809 begab er sich von Tübingen aus zur österreichischen Armee, wo er nach der Schlacht von Aspern zum Offizier ernannt wurde. Bei Wagram erhielt er eine schwere Wunde. Nach seiner Genesung begleitete er den österreichischen General Prinzen Bentheim als Adjutant auf mehreren Reisen, z. B. 1810 nach Paris an den Hof Napoleons I. Als sich die Österreicher 1812 am russischen Feldzug beteiligten, verließ er deren Dienst und ging nach Berlin. 1813 trat er als Hauptmann in die russische Armee und wurde Tettenborns Adjutant, den er bis Paris begleitete. Noch während der Kriegsunruhen gab er die »Geschichte der Hamburger Ereignisse« (Lond. 1813) und die »Geschichte der Kriegszüge des Generals v. Tettenborn« (Stuttg. 1815) heraus. In Paris empfing er von Preußen die Berufung in den diplomatischen Dienst, folgte 1814 dem Staatskanzler Hardenberg zum Kongreß nach Wien, 1815 nach Paris und wurde dann Ministerresident in Karlsruhe. Im Sommer 1819, vermutlich wegen seines Anteils an dem bayrisch-badischen Streit über die Erbfolge in Baden und den Heimfall der badischen Pfalz an Bayern, von hier abberufen, lebte er mit dem Titel eines Geheimen Legationsrats meist in Berlin, wo er 10. Okt. 1858 starb. Durch seine wider seinen Wunsch erfolgte Ausschließung von den Geschäften mißmutig und verdrießlich gemacht, beobachtete er die Ereignisse, namentlich die innere Entwickelung Preußens, mit hämischen Blicken und zeichnete seine oft engherzigen und kleinlichen Beobachtungen sowie den gewöhnlichsten Klatsch sorgfältigst auf. Varnhagens litterarische Thätigkeit ging bald von Versuchen in romantischer Dichtung zur Biographie und litterarischen Kritik über. Als Prosaiker zeichnete er sich durch einen ersichtlich an Goethe gebildeten, aber der Frische und unmittelbaren Kraft des Ausdrucks entbehrenden, fein geglätteten Stil aus, der dann am lebendigsten